Elektromobilität

Fahrbericht: Hyundai ix35 Fuel Cell

| Autor: Sven Prawitz

Hyundai zeigte mit einer Reise im ix35 von Bergen nach Bozen, dass die Brennstoffzellentechnik tauglich ist für große Strecken.
Hyundai zeigte mit einer Reise im ix35 von Bergen nach Bozen, dass die Brennstoffzellentechnik tauglich ist für große Strecken. (Bild: Hyundai)

Hyundai zeigte mit einer Reise im ix35 von Bergen nach Bozen, dass man mit der Brennstoffzellentechnik große Strecken zurücklegen kann. Das allein reicht als Kaufargument jedoch nicht aus.

In der allgemeinen Diskussion um elektrische Antriebe nimmt die Brennstoffzelle nur einen Platz am Rand ein. Und während viele auf die 1.000-Kilometer-Batterie warten, zeigt Hyundai mit seinem ix35 Fuel Cell, was bereits heute mit dem Wasserstoff-Fahrzeug möglich ist. In fünf Tagen von Bergen in Norwegen über Hamburg und Düsseldorf nach Bozen im malerischen Südtirol. Rund 2.500 Kilometer über europäische Fernstraßen sollten von der Alltagstauglichkeit überzeugen.

Bereits seit Anfang 2013 fertigt Hyundai den ix35 mit Brennstoffzelle in Serie. Dass der Hersteller zum Serienstart auf eine Werbekampagne verzichtete, dürfte das eigene Management mittlerweile ärgern. Vor allem nachdem Toyota vielfach als der Pionier wahrgenommen wird, der die Technik serienreif machte. Seit dem Jahr 1998 entwickelt Hyundai die Technik für den Energiewandler, der aus der „Verbrennung“ von Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie erhält. Ergebnis dieser Arbeit ist eine selbst entwickelte Brennstoffzelle und der 100 kW starke Elektromotor. Dieser erzeugt 300 Newtonmeter und beschleunigt das Fahrzeug in 12,5 Sekunden auf 100 km/h. Maximal sind 160 km/h möglich. Die kleine Batterie im Fahrzeug dient laut Hersteller nur der Speicherung überschüssig erzeugter Energie und als zusätzlicher Energielieferant bei starker Beschleunigung. Rein batterieelektrisch kann der ix35 somit nicht fahren.

Noch kaum privat genutzt

Per Knopfdruck gestartet, signalisiert nur eine kleine grüne Anzeige, dass das System fahrbereit ist. Auch während der Fahrt ist der ix35 FC angenehm ruhig. So lässt es sich entspannt über Landstraßen oder die Autobahn gleiten. Auch im Stadtverkehr kommt man trotz eines Leergewichts von knapp zwei Tonnen zügig voran – so wie man es von Elektroantrieben mittlerweile gewohnt ist. Das 1-stufige Getriebe bietet drei Fahrmodi. Nach Bedarf kann man zwischen Eco (verbrauchsoptimiert), Low (maximale Bremsenergierückgewinnung) oder Normal wählen. Laut Datenblatt liegt die Reichweite bei 594 Kilometern. Wie bei den anderen Antriebsarten ist diese auch stark vom Fahrverhalten abhängig – während der Testfahrt lag die Reichweite bei 400 bis 450 Kilometern. Der Rekord liegt bei nahezu 700 gefahrenen Kilometern.

In Europa sind zurzeit über 300 Fahrzeuge mit Brennstoffzelle von Hyundai unterwegs, vornehmlich bei Behörden, Verbänden und Forschungseinrichtungen. Die privat genutzten ix35 Fuel Cell sind noch sehr rar. Das mag auch am Preis von 65.450 Euro liegen, der Hauptgrund dürfte jedoch die fehlende Infrastruktur sein. Wie die Tour von Bergen nach Bozen zeigt, ist eine gut geplante Langstrecke ohne Probleme zu bewältigen. Keines der teilnehmenden Fahrzeuge blieb mit leeren Tanks liegen. Bei einem guten Dutzend H2-Tankstellen in Deutschland ist die Route jedoch stark eingeschränkt. Die „clean energy partnership“, eine Initiative von Bund und Industrie – unter anderem auch mit Hyundai – spricht von 50 öffentlich zugänglichen H2-Tankstellen bis Ende 2016. Zum Vergleich: Nach einer ADAC-Erhebung gab es 2015 rund 14.000 Tankstellen für Benzin und Diesel in der Bundesrepublik. Das Betanken eines Wasserstoff Autos außerhalb der Ballungszentren ist somit kaum möglich. Die von Bund und Industrie beschlossene Kaufprämie für Elektroautos wäre als Zuschuss zum Infrastrukturausbau langfristig sicherlich besser angelegt. Zumal bei einem Neupreis von gut 65.000 Euro für den ix35 Fuel Cell die 4.000 Euro kaum das Zünglein an der Waage sein werden. So rechnet man bei Hyundai auch nicht mit einer durch die Prämie befeuerten Nachfrage, obwohl das Fahrzeug prinzipiell die Kriterien für eine Förderung erfüllt.

Herausforderung Infrastruktur

Der Hyundai ix35 Fuel Cell ist absolut alltagstauglich, die Infrastruktur ist es jedoch noch nicht. Der Bewegungsradius wird dadurch enorm eingeschränkt. Das dämpft das Interesse der Autofahrer enorm und durch die kaum vorhandene Nachfrage sind auch keine attraktiven Herstellkosten realisierbar. Ein Teufelskreis, der sich nur durch Investitionen in Tankstellen durchbrechen lässt.

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