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Produktion

Fließbandfertigung im Wandel der Zeit

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Anschauungsunterricht in Detroit

Dafür inspirierte Henry Ford dann die Anfänge der europäischen Fließbandproduktion bei Citroen, Opel, Fiat und Austin, die alle in Detroit Anschauungsunterricht nahmen. Was war das Erfolgsgeheimnis des Model T? Immerhin erhielt der fortschrittliche Ford am Ende seiner Laufbahn einen Ehrenplatz in der automobilen Ruhmeshalle – mit 15 Millionen Einheiten als bis dahin meistverkauftes Auto aller Zeiten. Beim Bandanlauf des Model T betrug der gesamte Fahrzeugbestand in den USA nur 900.000 Einheiten, 1927 bevölkerten dagegen bereits 20 Millionen Autos Amerikas Straßen.

Die erste durchrationalisierte Produktionskette

Nicht allein die Fließbandfertigung allerdings reduzierte die Kosten für den Ford, sondern die erste durchrationalisierte Produktionskette vom Rohstoffeinkauf bis zur Fahrzeugauslieferung. Hinzu kamen die Anfänge der „Just-in-Time“-Produktion, bei der die benötigten Materialien immer nur in den gerade erforderlichen Mengen passgenau zum Zeitpunkt des Verbrauchs angeliefert werden. Dadurch wurde teure und aufwendige Lagerhaltung überflüssig, wie Henry Ford schon 1922 in seinen Lebenserinnerungen erläuterte. Tatsächlich konnte Ford den Verkaufspreis für das Model T von 780 US-Dollar im Jahr 1911 auf 490 US-Dollar im Jahr 1914 senken, so dass sich sogar einfache, aber gut bezahlte Ford-Arbeiter mit dem Einsatz von 98 Tageslöhnen ein T-Model leisten konnten.

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Bedingungslose Anpassung an das Fließbandsystem

Dafür forderte Henry Ford wie später auch andere Unternehmer die bedingungslose Anpassung der Arbeiter an das Fließbandsystem. Eine monotone Arbeit mit stets gleichen Handgriffen, die Kritiker immer wieder anprangerten. So 1936 in Charly Chaplins Film „Moderne Zeiten“ oder 1960 in Aldous Huxleys Roman „Schöne Neue Welt“, der im Jahre 632 „nach Ford“ spielt. Nicht nur Autos, sondern auch Menschen werden in dieser Fiktion am Fließband produziert. Dennoch beten die Menschen: „Dank sei Ford“ oder „Gelobt sei Ford am Lenkrad“. Sozialkritische Schweden schritten deshalb 1973 zur Tat und feierten den „Abschied vom Fließband bei Volvo“, wie Medien titelten. Ganz so weit war es zwar noch nicht, aber immerhin wirkten Werke wie Kalmar und Uddevalla fast wie Wallfahrtsorte auf Gewerkschafter und Arbeitssoziologen. Vor den Kulissen einer parkähnlichen Freizeitlandschaft, die hinter großen Fenstern zu sehen war, wirkten selbstständige und scheinbar glückliche Mitarbeiterteams, die jeweils komplette Autos bauten wie das Topmodell Volvo 164. Traumwerke, die sich jedoch in der harten Realität nicht rechneten und wieder geschlossen wurden.

Citroen holt Fließbandfertigung nach Europa

Zurück zu den europäischen Anfängen der Autos für Millionen. Konstrukteur André Citroen hatte das System der Fließbandfertigung á la Ford 1919 nach Europa geholt und damit den Grundstein für den Aufstieg zum größten Hersteller Frankreichs gelegt. In Deutschland wollte Opel weiterhin die Nummer eins sein. Radikal und revolutionär war deshalb die Reaktion der Opel-Brüder auf die Inflation von 1923. Das Werk wurde komplett umgebaut und auf die Fließbandfertigung eines einzigen Kleinwagentyps in einer Ausstattung und einer Farbe ausgerichtet.

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