Fahrbericht Ford bringt den Bronco nach Deutschland

Quelle: sp-x

Comeback und Premiere zugleich: Nach 25 Jahren baut Ford den Geländewagen Bronco wieder. Erstmals galoppiert das US-Wildpferd offiziell auf deutschen Weiden. Die erste Ausfahrt weckt nostalgische Gefühle.

Ford schickt den Bronco auch in Europa ins Rennen.
Ford schickt den Bronco auch in Europa ins Rennen.
(Bild: Ford)

Die Geschichte des Ford Bronco ist lang und hat zunächst ein wenig tragisch geendet. Sie erzählt von einem Auto, das so ungezähmt und urwüchsig war wie die Prärie in Missouri – und dann doch nicht mehr ins Leben der Amerikaner passte. 1966 kam das Wildpferd als Zweitürer in Pontiac unter Führung von Lee Iacocca zur Welt. Äußerst robust und ungewöhnlich kompakt gebaut. Quasi das erste Ford-SUV. 1996 endete die lange Karriere des Broncos, weil den Amis das Pony zu klein wurde, der „Expedition“ übernahm.

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25 Jahre später lässt Ford seinen Offroad-Klassiker wieder auf die Weide. Erstmals galoppiert der Bronco nun auch offiziell nach Deutschland. Zunächst nur als Viertürer mit Sechszylinder-Benziner und in begrenzter Stückzahl von ein paar hundert Stück zu Preisen ab rund 80.000 Euro.

Der Grund für die Zurückhaltung ist schnell erklärt. In der Heimat haben sie ihre alte Liebe längst wieder ins Herz geschlossen. Über 140.000 Stück sind bereits verkauft, Ford kommt mit der Produktion kaum hinterher, die Wartezeit beträgt schon bis zu einem Jahr. Bestellungen werden schon nicht mehr angenommen.

Viele Teile lassen sich einfach entfernen

Wir können das verstehen. Denn der Charme des Broncos packt einen sofort. Die raue Retro-Schale mit den runden LED-Kulleraugen ist ein ebenso kantiger wie charismatischer Gegenentwurf zu der rundgelutschten Massenware dieser Tage.

Der Bronco sieht aus wie ein süßes Spielzeugauto, das man aus der Packung nehmen und entdecken möchte. Und wie bei einem Playmobil können viele Teile mit ein paar Handgriffen entfernt werden. Zum Beispiel das vierteilige Hardtop, oder auch die rahmenlosen Türen, die sicher verpackt komplett in Taschen verschwinden. Ihre Demontage dauert nur gut acht Minuten, verspricht Ford.

Glauben wir dann mal. Zwei linke Hände und frostige Temperaturen bei ersten Testfahrten in den Alpen lassen uns schnell zum Wesentlichen kommen: Wie reitet sich so ein Bronco eigentlich? Nun, mit dem auskeilenden Wildpferd der ersten Stunde teilt dieser Gaul natürlich kaum mehr als seinen Namen.

Fährt auch in schnelleren Kurven stabil

Zumindest der kastenförmige Leiterrahmen und die hintere Starrachse haben es in die Neuzeit geschafft. Die Blattfedern natürlich nicht. Vorne bemühen sich die Räder, selbstverständlich einzeln aufgehängt, um Spurstabilität und Komfort. So trabt der Bronco erstaunlich zivilisiert und mit bemerkenswertem Willen zum Geradeauslauf über befestigte Straßen.

Die Lenkung hat es nicht so mit der Präzision, Zielgenauigkeit und Gefühl sind aber schon okay für einen Rabauken vom Lande. Was die Stabilität angeht, lässt sich ebenfalls Entwarnung geben. Im Rahmen seiner Möglichkeiten hält sich der Bronco auch in schnelleren Kurven aufrecht und vermeidet einen torkelnden Gang. Die groben Stollen der All-Terrain-Geländereifen pfeifen natürlich auf so etwas wie ausgefeilten Abrollkomfort, aber sie sagen uns auch: Hey, ich bin immer noch ein Typ fürs Grobe.

Spätestens beim Studium der für Geländefreaks wesentlichen Leistungsdaten glauben wir das sofort. Die Bodenfreiheit beträgt fast 30 Zentimeter, die kurzen Überhänge erlauben einen ziemlich brauchbaren Rampenwinkel und die Wattiefe liegt bei über 85 Zentimeter – deutlich mehr als beim Urmeter aller Offroader, dem Jeep Wrangler.

Bronco kommt mit 335 PS

Zu diesem über zwei Tonnen schweren Statement der US-Autokultur passt der 2,7-Liter große Sechszylinder-Bi-Turbo wie das Eisen zum Huf oder der Stetson zum Cowboy. Ein schlürfender, dumpf grollender Vertreter der alten Verbrenner-Schule, der sich nach dem Gasgeben gerne etwas Zeit nimmt, um die Fuhre dann vehement nach vorne zu treiben.

246 kW/335 PS und ein maximales Drehmoment von 563 Newtonmetern helfen dabei, dem Ideal vom Cruisen ein Stück näher zu kommen, nicht zu vergessen die von Ford entwickelte Automatik, die ihre zehn Gänge meist termingerecht serviert. Ein Vorbild an Nachhaltigkeit ist die Kombination aus Schwermetall, groben Stollen, bulliger Kraft und der Aerodynamik einer Schrankwand natürlich nicht.

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Die knapp 15 Liter für 100 Kilometer, die unser Bordcomputer anzeigt, sind da eher noch schmeichelhaft. Das Ensemble aus altem Schrot und Korn ist etwas für Extremisten, nichts für die letzte Generation.

Sieben Fahrmodi für Alltag und Offroad-Fahrten

Wie ernst der Bronco seine Mission nimmt, notfalls auch tief ins Abenteuer abzutauchen, zeigt schon die Mitgift. Die Basis für den Fluchtwagen legt das sogenannte Terrain-Management-System mit sieben Fahrmodi. Der Amis brauchen für so etwas immer ein knackiges Kürzel. Deshalb tauft Ford diese Programme auf G.O.A.T. Das steht für: Goes over any Terrain. Heißt so viel wie: Der kommt überall hin.

Drei Modi gibt es für den Alltag (Normal, Eco, rutschig) und vier für Offroad-Fahrten (Sand, Schlamm, Steinig, Baja-Profimodus). Je nach Modus verändert sich dabei das Ansprechverhalten von Lenkung, Gaspedal und Automatik. Ein zweistufiges Verteilergetriebe steuert elektronisch die Untersetzung während der Fahrt. Eine hintere Differentialsperre ist immer an Bord. Wer öfter in schweres Gelände geht, kann auch für vorne eine Differentialsperre ordern, zudem einen deaktivierbaren Querstabilisator, der noch größere Achsverschränkungen erlaubt.

Elektronische Assistenten unterstützen Fahrer

So bestückt und mit dem Können eines wagemutigen Reiters im Sattel, den keine noch so wilde Achterbahnfahrt schreckt, erreicht der Bronco im Gelände teilweise groteske Schieflagen. Er klettert mühelos steilste Hänge hoch und stürzt sich todesmutig Abfahrten hinab, die auch direkt in die Hölle führen könnten. Und wenn nichts mehr hilft, helfen uns ungeübten Asphalt-Cowboys elektronische Assistenten weiter.

In der Trail-Toolbox schlummern eine Reihe von Fahrhilfen, die es irgendwie schaffen, den kernigen Wühler auch aus dem dicksten Schlamassel zu befreien. Genial ist zum Beispiel der „Trail Turn Assist”, der das Rangieren auf engstem Raum ermöglicht. Über einen gezielten Bremseingriff verkleinert er den Wendekreis um bis zu 40 Prozent.

Auch im Innenraum pragmatisch

Dieser derbe Typ ist ohne Frage ein Kumpel zum Pferdestehlen. Uneitel und pragmatisch. Das spiegelt auch der Innenraum wider, den man direkt nach dem Geländeeinsatz per Kärcher reinigen möchte. Robust und scheinbar unkaputtbar verzichtet er auf jegliches Lametta.

Alles erfüllt einen Zweck. Von den diversen Haltegriffen, über das klopffeste Plastik bis zu den zahlreich verteilten Schaltern. Der zwölf Zoll große Touchscreen in der Mitte des Cockpits wirkt da fast schon wie ein Fremdkörper. Was der komplette Bronco zweifellos auch ist. Ein Relikt von gestern. Durch und durch archaisch und irgendwie aus der Zeit gefallen. Gut so? Gut so!

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