Kommentar Gefahr für die E-Mobilität

Von Claus-Peter Köth

Die Elektrifizierung der globalen Automobilindustrie hat gerade erst begonnen, nun gibt es Engpässe bei der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen, und die Preise schießen in die Höhe. Aber der E-Antrieb macht auch nicht bei allen Fahrzeugen Sinn.

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Claus-Peter Köth
Claus-Peter Köth
(Bild: Stefan Bausewein)

Acht Wochen ist es her, dass Putin die Ukraine mit einem Angriffskrieg überfallen hat. Die menschliche Katastrophe ist nur schwer in Worte zu fassen. Gleichzeitig haben die Turbulenzen an den Energie- und Rohstoffmärkten seither deutlich gezeigt, wie schnell das System des freien Welthandels in Schieflage geraten kann, etwa weil Lieferketten reißen und Fabriken wegen fehlender Teile und Rohstoffe herunterfahren müssen.

Die Knappheit bei Nickel etwa gefährdet die Transformation der Automobilindustrie zur E-Mobilität, da Nickel – ein wichtiger Bestandteil bei der Produktion von Batterien – vor allem aus Russland kommt. Auch die Preise bei Lithium und Kobalt sind explodiert. Und weil die Hälfte der weltweit benötigten Neon-Ressourcen laut „Handelsblatt“ aus den ukrainischen Hafenstädten Odessa und Mariupol stammt – ein Gas, das vor allem in der Chipindustrie benötigt wird – droht sich auch der Halbleitermangel weiter zu verschärfen; mit einer echten Entspannung rechnen Experten nicht vor 2024.

„ESG“ als neue Zauberformel

Woher die Rohstoffe kommen und mit welcher Energie die Werke und Autos betrieben werden, war bislang für die Branche nicht entscheidend. Das hat weder die Kunden noch die Investoren groß interessiert. Hauptsache, der Preis stimmte. Nun soll zusammengefasst unter dem Zauberwort ESG (Environment, Social, Governance) alles anders werden. Mercedes-Benz zum Beispiel hat bekräftigt, den CO2-Fußabdruck seiner Fahrzeuge bis 2030 zu halbieren.

Die Erzeugung von Solar- und Windenergie an eigenen Standorten soll ausgebaut und mehr Grünstrom eingekauft werden. Diese Ziele erscheinen vor der aktuellen Diskussion um eine Diversifizierung der internationalen Rohstoff- und Energie-Abhängigkeiten als besonders naheliegend. Des Weiteren setzt der OEM auf Wiederverwendung und Recycling von Materialien sowie auf Sprunginnovationen, etwa bei der Batterietechnik.

Ob bei solchen Vorgaben das diese Woche vorgestellte Mercedes EQS-SUV einen Nachfolger bekommt, darf angezweifelt werden. Ich werde den 3,5-Tonner jedenfalls nicht vermissen.

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