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Automobile

Historie: 70 Jahre Land Rover Defender

| Autor/ Redakteur: Wolfram Nickel/SP-X / Nayomi Polcar

Eigentlich sollte der Land Rover nur ein Ersatz für den US-Jeep sein, mit dem britische Bauern ihre Felder bestellten. Es war der Beginn einer Erfolgsstory, die auch das britische Königshaus erreichte.

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Zum 60sten Geburtstag des Defender legte Land Rover ein Sondermodell namens 60th Anniversary auf.
Zum 60sten Geburtstag des Defender legte Land Rover ein Sondermodell namens 60th Anniversary auf.
(Bild: Land Rover)

Als eigentlich nur der Ersatz für den US-Jeep wurde der Land-Rover Großbritanniens erster Friedensbotschafter mit Vierradantrieb. Im Frühjahr 1948 auf dem Automobilsalon von Amsterdam enthüllt, lag die Nachkriegswelt noch in Trümmern und neue Autos wurden für den Wiederaufbau und die Versorgung der Bevölkerung gebraucht. Genau dafür hatte die traditionsreiche Premiummarke Rover ihr jüngstes Produkt konzipiert, den knorrig-kantigen Allradkraxler Land Rover, der erst 1990 die Modellbezeichnung Defender erhielt: In der Landwirtschaft sollte das von seinen Fans liebevoll „Landy“ genannte Nutzfahrzeug die Motorisierung vorantreiben und im Exportgeschäft zählte der 4x4-Allesüberwinder mit Geländeuntersetzung zu Großbritanniens wichtigsten Devisenbringern.

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Königlicher Geländewagen

Aber auch die britischen Streitkräfte setzten bald auf dieses Universaltalent aus rostresistentem Aluminium. Es waren die abenteuerlichen Einsätze als zuverlässiges Expeditions- und Geländefahrzeug für Hilfsorganisationen, die das Image des Land Rover prägten und zu seinem Erfolg führten. Über zwei Millionen Einheiten wurden bis 2016 ausgeliefert, seitdem warten Fans samt dem Königshaus, auf den angekündigten Nachfolger. Tatsächlich liegt der in seinem Herzen urbritische Geländewagen Königin Elisabeth II. ganz besonders am Herzen. So lenkt sie ihren Land Rover souverän über Stock und Stein und durch Flussfurten zu Feldern ihrer Anwesen.

Land Rover ist am königlichen Hofstaat der Windsors ein fester Bestandteil des Fuhrparks geworden und war auch in den britischen Kolonien nicht wegzudenken. Tatsächlich ist der Land Rover Defender längst ein automobiles Nationaldenkmal, das als ebenso britisch betrachtet wird wie Big Ben, Buckingham Palast oder Linksverkehr. Immerhin stellte sich Land Rover von Beginn an in den Dienst des Vereinigten Königreichs und des Commonwealth.

Land Rover als Nutzfahrzeug

Ende der 1940er Jahre beabsichtigte Maurice Wilks, einen „Rover für den Farmer, mit dem er überall hinkommt und alles machen kann, einen universellen Land Rover“ zu bauen. Dieses landwirtschaftliche Nutzfahrzeug sollte den Jeep in seiner Funktion als Feldarbeiter ablösen und zugleich gegen den damals populären Ferguson Traktor antreten. Ausfuhrgewinne erwirtschaften musste der im April 1948 in Amsterdam enthüllte Allrad-Rover außerdem, denn die britische Regierung teilte die begrenzten Rohstoffmengen damals nach Höhe der Exporterlöse zu. Knauserigkeit war dagegen der Grund für die markant-kantigen Karosserieformen, in die sich Aluminium ohne teure Presswerkzeuge bringen ließ.

Vielfältig eingesetzt

Der Erfolg des Landy war überwältigend. Erst avancierte Land Rover zum bekanntesten Modell der 1896 gegründeten Marke Rover, dann zu einem Gattungsbegriff ähnlich wie Jeep. Während die Verkaufszahlen der distinguierten Rover- Limousinen immer bodenständig blieben bis Rover Cars 2005 starb, schossen die Bestellzahlen für den rustikalen Land Rover sofort gen Himmel. Möglich machten das günstige Preise und ein für europäische Fahrzeuge beispielloses Individualisierungsprogramm: Ob mit Raupenketten, vier oder sechs Rädern, als Ackerschlepper, Karosse für Königshäuser, Präsidenten, Papst, Rotes Kreuz, Expeditionscorps, Unterwasserfahrten und Militär, für jeden Einsatzzweck gab es den passenden Landy.

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Entwicklung des Defender

Im Jahr 1958 gab es eine Serie II, 1971 folgte die Serie III und 2007 die letzte signifikante Auffrischung des Defender. Damit überstand Land Rover die Krise der britischen Automobilindustrie in den 1970er Jahren sowie die fremden Herren von BMW (ab 1994) und Ford (ab 2000) bis die Marke 2008 in den Tata-Konzern eingegliedert wurde. Ausgerechnet dieser indische Industriegigant versteht es bisher am besten, das geländegängige Erbe Großbritanniens in Fahrt zu halten. Entsprechend gespannt warten alle Land-Rover-Fans auf ein besonderes Geschenk zum 70. Geburtstag ihres Kultvehikels: Das Debüt eines neuen Defender.

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