Angell-Demmel Europe GmbH

Insolvenz wegen hoher Nachfrage

02.09.2010 | Redakteur: Bernd Otterbach

Die Angell-Demmel Europe GmbH, Marktführer für Aluminiumzierteile, hat am Mittwochabend beim Amtsgericht Kempten Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Grund: Das Unternehmen wurde von den stark steigenden Abrufzahlen der Automobilhersteller überrascht.

Die derzeit anziehende Konjunktur in der Automobilbranche habe zu einer stark steigenden Kundennachfrage bei der Angell-Demmel Europe GmbH geführt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Die notwendigen Kapazitätssteigerungen hätten nur durch die kurzfristige Einstellung von Zeitarbeitern kompensiert werden können. Darunter hätte das Qualitätsniveau so gelitten, dass erhebliche Ausschussquoten in der Produktion die Folge gewesen wären. Diese Probleme hätten zu großen operativen Verlusten und damit zur Zahlungsunfähigkeit geführt.

Gespräche mit OEMs und Banken gescheitert

In den letzten Wochen habe es intensive Bemühungen zusammen mit den Banken und den Kunden BMW, Audi/VW und Daimler eine tragfähige Lösung zu entwickeln, die allerdings gescheitert seien, so Angell-Demmel weiter.

Die Geschäftsführung von Angell-Demmel Europe sieht dennoch gute Chancen, das Unternehmen zu erhalten. „Wir haben mit 70 Prozent Marktanteil bei unseren Kunden in Deutschland eine besondere Schlüsselposition. Die Nachfrage ist hervorragend. Es muss uns aber im Rahmen einer Sanierung gelingen, die Prozesse effizienter zu gestalten und unser Personal stärker zu qualifizieren“, so Franz-Holger Woitowitz, Geschäftsführer der Angell-Demmel Europe GmbH. „Sofern das Unternehmen erhalten bleibt, bestehen unsererseits keinerlei Absichten, Stammarbeitsplätze abzubauen.“

Eigentümer will investieren

Auch der Eigentümer der Sellner Group, Equivest steht zu der Tochtergesellschaft der Sellner Group. „Als wir mit der Sellner Group bei Angell-Demmel Europe im Krisenjahr 2009 eingestiegen sind, waren wir an einem langfristigen Engagement interessiert. Von unserer Seite würden, sofern alle Gläubiger eine Sanierung unterstützen, auch Beiträge zur Fortführung des Unternehmens erbracht“, so Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg von Equivest.

Gesellschafter der Angell-Demmel Europe GmbH ist die Sellner Group in Neuendettelsau mit 60 Prozent der Anteile sowie die DAHH mit 40 Prozent der Anteile. Die DAHH ist die Holdinggesellschaft der Alteigentümer. Der CEO der Sellner Holding, Werner Renzel betont, dass die Insolvenz keinen unmittelbaren Einfluss auf die Sellner Group hat. „Von dieser Entwicklung sind die Angell-Demmel-Gesellschaften in den USA und in China nicht getroffen.“

Lieferfähigkeit im Vordergrund

Ein vorläufiger Insolvenzverwalter soll nun kurzfristig durch das Insolvenzgericht bestellt werden. Erst in Abstimmung mit ihm könnten die Sanierungsperspektiven konkret besprochen werden, teilte das Unternehmen weiter mit. Als wichtigste Aufgabe sieht es die Geschäftsführung an, die laufende Produktion zu finanzieren, um die Lieferfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten.

Die Angell-Demmel Europe GmbH produziert mit rund 700 Mitarbeitern an in Lindau und im österreichischen Kennelbach Aluminiumzierteile für die Automobilindustrie. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Marktführer für Echtmetall-Applikationen im Automobilbereich.

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