Nutzfahrzeuge Knorr-Bremse bringt redundantes Bremssystem für autonome Lkw

Von Sven Prawitz 2 min Lesedauer

Knorr-Bremse plant für 2027 den Serienstart eines redundanten Bremssystems für hochautomatisierte Lkw der SAE-Stufe 4.

Fit für die Straße: Knorr-Bremse bringt redundantes Bremssystem für autonome Lkw in Serie.(Bild:  Knorr-Bremse)
Fit für die Straße: Knorr-Bremse bringt redundantes Bremssystem für autonome Lkw in Serie.
(Bild: Knorr-Bremse)

Knorr-Bremse bringt 2027 sein redundantes Bremssystem für Nutzfahrzeuge der Automatisierungsstufe SAE Level 4 in Serie. Das System soll nach Unternehmensangaben eine zentrale technologische Grundlage für sichere, hochautomatisierte Fahrfunktionen im Güterverkehr schaffen.

Als erste konkrete Einsatzfelder nennt Knorr-Bremse insbesondere den Hub-to-Hub-Verkehr, bei dem Lkw zwischen festen Logistikknoten pendeln. Mit Blick auf erste Anwendungen entwickle sich vorwiegend Nordamerika zum Leitmarkt, so das Unternehmen. 

„Hochautomatisiertes Fahren im Nutzfahrzeugbereich nimmt weltweit Fahrt auf – wenn auch mit regional unterschiedlichem Tempo“, sagte Bernd Spies, Vorstandsmitglied der Knorr-Bremse AG und verantwortlich für die Division Systeme für Nutzfahrzeuge. Man entwickle Redundanzlösungen für Brems- und Lenkfunktionen gemeinsam mit Fahrzeugherstellern und setze diese in konkrete Anwendungen um.

Redundanz als technische Grundvoraussetzung

Mit der Automatisierung verlagert sich die Verantwortung für Fahrdynamik und Sicherheit vom Fahrer auf die Technik selbst. Zentrale Voraussetzung dafür ist laut Knorr-Bremse eine ausfallsichere Systemarchitektur, bei der einzelne Fehler erkannt und kompensiert werden, ohne dass die Fahrzeugkontrolle verloren geht.

Das neue Bremssystem „rGSBC“ baut auf der bestehenden Bremssteuerungsplattform Global Scalable Brake Control (GSBC) auf und erweitert diese um einen zweiten, unabhängigen Funktionspfad. Im Fehlerfall übernimmt dieser die Fahrzeugverzögerung bei voller ABS-Funktionalität. Über standardisierte Schnittstellen unterstützt das System sowohl den automatisierten Betrieb als „virtueller Fahrer“ als auch die manuelle Ansteuerung sowie definierte Fallback-Strategien – vom Minimum-Risk-Manöver bis zum sogenannten Mission-Complete-Betrieb, bei dem die Fahrt trotz eines Fehlers zu Ende geführt werden kann.

Beim Lenksystem setzt Knorr-Bremse auf eine redundante Ausführung der vollelektrischen Lenkung (rEPS), bei der sowohl Aktuatorik als auch Steuerung doppelt ausgelegt sind. In Kombination mit einer Steer-by-Brake-Funktion entsteht laut Unternehmen eine zusätzliche, unabhängige Redundanzebene. Ergänzt wird das Portfolio durch die redundante elektrohydraulische Überlagerungslenkung (rAHPS) als alternative Architektur.

Erfahrungen aus Level-4-Pilotprojekten

Knorr-Bremse realisiert nach eigenen Angaben bereits gemeinsam mit ausgewählten Kunden konkrete Level-4-Projekte, um System- und Integrationserfahrung zu sammeln. Zentrale Elemente redundanter Fahrzeugarchitekturen seien zudem bereits im Forschungsprojekt ATLAS-L4 zum autonomen Fahren validiert worden, an dem das Unternehmen mitgewirkt hat.

ADAS-Systeme als Ergänzung zur Automatisierung

Parallel zur Entwicklung redundanter Systeme für hochautomatisiertes Fahren treibt Knorr-Bremse auch klassische Fahrerassistenzsysteme (ADAS) voran. Das System Fusion Front ADAS kombiniert Radar- und Kamerasensorik und umfasst unter anderem einen Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung sowie Funktionen zur Spurhaltung. Diese Systeme unterstützen Fahrzeughersteller laut Knorr-Bremse dabei, regulatorische Vorgaben wie die europäische GSR-II-Verordnung zu erfüllen. Nach eigenen Angaben hat Knorr-Bremse zudem einen maßgeblichen Beitrag zur 3-Sterne-Bewertung eines Fahrzeugherstellers im Nutzfahrzeug-spezifischen Euro-NCAP-Protokoll geleistet, das über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgeht.

Knorr-Bremse präsentiert seine Technologien vom 15. bis 20. September 2026 auf der IAA Transportation in Hannover, Halle 12, Stand C21.

(ID:50901011)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung