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Wirtschaft Kommentar: „Wir brauchen echte Innovationen“

| Autor/ Redakteur: Rainer Kurek / Thomas Günnel

Industrieller Wandel, neue, komplexe Anforderungen, emotionale Debatten: In der Automobilbranche ist extrem viel Bewegung. Rainer Kurek, Chef der Automotive Management Consulting, plädiert für einen sachlichen Diskurs. Ein Kommentar.

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Rainer Kurek ist Geschäftsführer der Managementberatung AMC.
Rainer Kurek ist Geschäftsführer der Managementberatung AMC.
(Bild: Stefan Bausewein)

Die Automobilindustrie, so scheint es, und so wird es auch fortwährend vermittelt, befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation. Einige bezeichnen diese als „Krise“. Dabei werden den hiesigen Automobilherstellern insbesondere von Medien und Analysten strategische Fehler sowie fehlende prozessuale, technologische und strukturelle Weitsicht vorgeworfen. Das Ergebnis sind hochemotional geführte Diskussionen, die nicht weiterhelfen – und zwar niemandem.

Da sich alle Branchen seit jeher nach einem vergleichbaren Muster entlang einer Lebenszykluskurve bewegen, stellen die aktuelle Marktsituation und künftigen Entscheidungen zwar große Herausforderungen dar, aber sicher keine unlösbaren Probleme. In den entwickelten Ländern ist der Automobilmarkt längst gesättigt, sodass es nun im Kern darum geht, die wiederkehrenden Auslöser und typischen Verhaltensweisen aus anderen gesättigten Märkten wie dem Haushaltsgerätebereich oder der Handybranche zu studieren und Erfahrungen aus diesen reifen Branchen gezielt zu nutzen.

Innovationen, die der Kunde als selbstverständlich wahrnimmt, bewirken keinen Mehrwert.

Nur radikale Innovationen helfen

Dabei dienen Sortiments- und Variantenausweitungen, die die Automobilindustrie in eine Multiprojektlandschaft führten, sowie das Eindringen in „Nachbarreviere“ von Mitbewerbern nur kurzfristig, um vorhandene Überkapazitäten im Markt zu kompensieren. Mittel- und langfristig können und werden nur (Radikal)Innovationen, die bestehende Mobilitätskonzepte deutlich verbessern und ein neues Turnier eröffnen. Innovationen hingegen, die der Kunde als inkremental oder selbstverständlich wahrnimmt, bewirken keinen Mehrwert und stiften keine Kaufanreize, sondern führen zu einem ruinösen Innovationswettlauf.

Autonomes und geteiltes Fahren, Elektromobilität und „Car-to-x-Communication“ sowie viele weitere „Innovationen“ haben bereits heute zu einer ausgeprägten Komplexität in der Branche geführt, die durch sich verschärfende gesetzliche Vorschriften in den kommenden Jahren noch weiter erhöht wird. Hinzu kommen zunehmende gesellschaftliche Forderungen und Kundenerwartungen bezüglich der notwendigen Ressourcenschonung, Energieeffizienz, Emissionsreduktion und Rezyklierbarkeit von Komponenten, Systemen und ganzen Automobilen.

Das Spannungsfeld, in dem sich die Automobilindustrie derzeit befindet, ist also äußerst vieldimensional, komplex und herausfordernd, wobei fortwährende Be- und Verurteilungen von einzelnen Managern, Zulieferern und Automobilherstellern keinesfalls weiterhelfen, sondern zunehmend verunsichern und einer Vorwärtsstrategie entgegenwirken.

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