Während die Autohersteller Rekordgewinne schreiben, verdienen die Zulieferer immer weniger Geld – einige kämpfen um die Existenz. Neuerlicher Preisdruck ruft nun sogar den VDA auf den Plan.
Motorenproduktion im Mercedes-Werk Untertürkheim: Während die Autohersteller Rekordgewinne schreiben, ächzen die Zulieferer unter hohen Kosten und Preisdruck.
(Bild: Daimler)
Laut „Handelsblatt“ hat der Verband der Automobilindustrie, kurz VDA, am Freitagmorgen (24. Juni) an seine Mitglieder ein bemerkenswertes Schreiben verschickt. „Gemeinsam zum Erfolg – Grundsätze der Zusammenarbeit zwischen Automobilherstellern und ihren Partnern“, stehe über dem Papier. Das Verhältnis zwischen Autoherstellern und Zulieferern sei in der Geschichte selten so auseinandergedriftet wie derzeit.
Ein Problem liege darin, dass die Hersteller in der Produktion hochpreisige Modelle priorisieren, dadurch fehlten den Zulieferern die Stückzahlen der Volumenmodelle, mit denen sie erst ihre Kosten decken könnten. Außerdem forderten die Autohersteller auch noch Preissenkungen von den Lieferanten, während sie selbst zuletzt Rekordgewinne mit zweistelligen Umsatzrenditen eingefahren haben, berichtete ein Branchenexperte, der anonym bleiben will, der Wirtschaftszeitung.
Erste Zulieferer, zum Beispiel der Filterspezialist Mann+Hummel, sahen sich laut Handelsblatt schon gezwungen ihre Verträge mit Autoherstellern zu kündigen.
Laut VDA würden die „traditionellen Partnerschaften zwischen Herstellern und ihren Partnern in einem rückläufigen Markt für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren auf eine harte Probe gestellt“. Daher sei das Vertrauen in die Partnerschaft zwischen Automobilherstellern, Zulieferern und Entwicklungsdienstleistern eine elementare Grundvoraussetzung. „Nachhaltigkeit in der Hersteller-Zulieferer-Beziehung fokussiert dabei besonders auf Stabilität, langfristige Partnerschaften, transparente und zeitnahe Kommunikation und das Teilen von Risiken und Chancen“, mahnt der Verband laut Handelsblatt in seinem Schreiben an die Mitgliedsunternehmen.
Energie- und Rohstoffpreise als Konfliktpotenzial
Derzeit bieten vor allem die enorm gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise, Mehrausgaben für die Logistik und die Inflation, auf denen die Autozulieferer sitzen bleiben, hohes Konfliktpotenzial. „Die Autobauer konnten durch die Verknappung des Angebots Preiserhöhungen durchsetzen, beziehungsweise mussten nur sehr geringe Preisnachlässe gewähren; und sie profitierten in der Zweitverwertung von hohen Gebrauchtwagenpreisen. Die Zulieferteile hingegen sind nicht automatisch teurer geworden“, sagt Berylls-Partner Jan Dannenberg.
Das Geschäftsmodell – die OEMs garantieren stabile Stückzahlen, die Zulieferer stabile Preise – komme immer stärker unter Druck. „Die Zulieferer können die hohe Volatilität im Markt mit starken Material- und Energie-Preisschwankungen sowie Lohnsteigerungen nicht mehr kompensieren. Bei einigen Unternehmen machen Energie-, Rohmaterial- und Lohnkosten bis zu 80 Prozent der Bauteilkosten aus“, erklärt Dannenberg.
Lohnforderungen der Tarifrunde bedrohen mittlere und kleinere Lieferanten
Eine zusätzliche Belastung könnten die Forderungen von über sieben Prozent Lohnsteigerungen in der laufenden Tarifrunde werden, mutmaßt das Handelsblatt. Die Autohersteller können einen hohen Abschluss bezahlen, die großen Zulieferer vielleicht gerade noch so, für die mittleren und kleineren Lieferanten könnte dies das Aus bedeuten. Nach einer aktuellen Umfrage des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall plagten bereits jetzt ein Viertel der baden-württembergischen Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie laut Verbandschef Joachim Schulz „existenzielle Sorgen“.
Die Leserkommentare zum Handelsblatt-Artikel geben tiefe Einblicke in das zerrüttete Hersteller-Zulieferer-Verhältnis: „Die Autobauer sind mittlerweile so arrogant geworden, dass sich jeder Zulieferer von ihnen abwenden sollte. Es ist kaum mehr möglich in dem Umfeld vernünftig Geld zu verdienen, während die Kassen der Autobauer immer voller werden. Ich hoffe die Zulieferer werden sie irgendwann genau so hängen lassen wie sie es aktuell tun“, schreibt ein frustrierter Leser.
Ein anderer kommentiert: „In meiner 45-jährigen Berufslaufbahn war eigentlich immer das Motto ‚Leben und leben lassen‘. Momentan gilt nur noch die Raffgier.“ Ein weiterer Eintrag lautet: „Mit Partnerschaft hatte das noch nie was zu tun. VW, BMW und Mercedes scheffeln Geld und die Zulieferer fallen durchs Raster.“
Bleibt zu hoffen, dass die Worte von VDA-Vizepräsident Arndt Kirchhoff, langjähriger CEO des gleichnamigen Zulieferers, in den Einkaufsabteilungen der Autohersteller nun rasch Gehör finden: „Die deutsche Autoindustrie wird nur besser aus der Krise herauskommen, wenn alle Seiten aufeinander achten“, sagte er dem Handelsblatt. Dem ist nichts hinzuzufügen!
Stand: 08.12.2025
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