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Leichtbau-Gipfel 2017 „Kosten und Nutzen von Leichtbau ausbalancieren“

| Autor / Redakteur: Svenja Gelowicz / Svenja Gelowicz

Bernhard Osburg von Thyssenkrupp referierte auf dem Leichtbaugipfel über Werkstoffkonzepte für die Automobilindustrie der Zukunft – und die steigende Bedeutung des wirtschaftlichen Leichtbaus.

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Bernhard Osburg von Thyssenkrupp referierte über wirtschaftlichen Leichtbau.
Bernhard Osburg von Thyssenkrupp referierte über wirtschaftlichen Leichtbau.
(Bild: Stefan Bausewein)

„Ich möchte Sie an den Dingen teilhaben lassen, die uns in puncto Ausrichtung gerade durch den Kopf gehen“, kündigte Bernhard Osburg, Leiter Sales Automotive bei der Thyssenkrupp Steel Europe AG, eingangs seines Vortrags beim Leichtbaugipfel in Würzburg an. Und da hat sich Thyssenkrupp vor allem die Elektrifizierung des Antriebsstrangs auf die Fahnen geschrieben. Denn die E-Mobilität ändere die Anforderungen radikal. „Wir stellen all diese Themen entsprechend auf den Prüfstand, denn wir wollen die treffen, die in fünf bis zehn Jahren den Markt ausmachen“, konstatiert Osburg. Der radikale Umbruch der Automobilindustrie erfordere neue Strategien. „Wir bauen unsere Werkstoff-Roadmaps für das Thema E-Mobility neu auf, immer bezogen auf die spezifischen Anforderungen. Nicht nur in puncto Karosserie und Chassis, sondern auch hinsichtlich der Antriebe“, sagt Osburg. „Und wir müssen uns mehr auf die Prozesskette konzentrieren, nicht nur auf das Endprodukt.“

Leichtbau wirtschaftlich einsetzen

Die Zukunft hat Osburg auch hinsichtlich des Leichtbaus im Blick. Denn die Hauptmotivation dafür sei künftig nicht mehr CO2. Stattdessen verschiebe sie sich in Richtung Kostendruck: Die Technologien seien teuer, die Kosten für Entwicklungen hoch. Das künftige Packaging erfordert laut Osburg einen Entwicklungsfokus auf einfache Bauteilgeometrien sowie Biegeoperationen statt komplexer Tiefziehoperationen. „Wir kommen aus einer Welt, da war CO2 das prägende Thema; das Credo lautete ‚Gewicht runter‘“, so Osburg. Es gab und gebe je nach OEM unterschiedliche Koeffizienten, wie viele Euro pro Kilogramm man an welcher Stelle im Auto investieren müsse, um die spezifischen Ziele erreichen zu können. „Für die Stahlindustrie hieß das: Wir haben uns darauf konzentriert, die Dehnung nicht komplett zu verlieren und trotzdem die Festigkeit, die Streckgrenze so hoch zu kriegen, wie es gerade eben geht – die berühmte Werkstoffbanane. Das war das Mantra der vergangenen zwanzig Jahre, aus dem viele Industriestandards entstanden“, sagt Osburg.

Doch das Morgen sehe anders aus: „Kosten und Nutzen vernünftig auszubalancieren, das wird das zentrale Thema.“ Leichtbau spiele da nicht die Hauptrolle, denn wesentliche Treiber, um Elektromobilität durchzusetzen sind die Reichweite und der Preis des Autos. Denn: Das Gewicht um 100 Kilogramm zu reduzieren, bringe nur circa acht Kilometer zusätzliche Reichweite – und die seien teuer. „Das Fahrzeuggewicht verliert an Bedeutung, der Kostendruck steigt“, fasst Osburg zusammen. „Reichweite ist eine der prägenden Dimensionen für die Kundenzufriedenheit.“

„Wir brauchen Industriestandards“

Abschließend plädiert Osburg auch dafür, frühzeitig Industriestandards zu entwickeln. Diese könnten sowohl der Autoindustrie als auch den Materialherstellern viel „vernichtete Energie“ ersparen. Bernhard Osburg: „Wir alle haben eine Verantwortung für die Umwelt. Und deshalb sollten wir alle ein Interesse daran haben, dass wir möglichst früh Konzepte entwickeln, die wir dann gemeinsam angehen, sodass wir vernünftige Volumen erreichen und weniger Komplexität erzeugen.“

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