Suchen

Studie Low-Cost-Fahrzeuge weiter auf dem Vormarsch

| Redakteur: Bernd Otterbach

Die Produktion von Low-Cost-Fahrzeugen steigt in den kommenden zehn Jahren weltweit auf über 16 Millionen Einheiten. Der Boom bleibe aber auf die Schwellenmärkte begrenzt, prognostiziert eine Studie des Marktfoschungsunternehmen Polk.

Firma zum Thema

Der globale Low-Cost-Markt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge verzeichnete im vergangenen Jahr einen Produktionsanstieg um neun Prozent auf 9,4 Millionen Einheiten. Somit entfielen 2007 bereits knapp vierzehn Prozent der Gesamtproduktion auf das Segment der Fahrzeuge, die zu einem Preis von unter 10.000 Euro angeboten werden. Dies ist ein Resultat der aktuellen Studie zum globalen Low-Cost-Markt des Essener Marktforschungs- und Beratungsunternehmens R. L. Polk.

Schwerpunt in Asien

Der Schwerpunkt der Low-Cost-Produktion liegt auf den Schwellenmärkten Asiens, wo schon heute mit 4,7 Millionen Einheiten die Hälfte der Billigautos hergestellt wird. Die andere Hälfte verteilt sich mit Anteilen von zehn bis fünfzehn Prozent relativ gleichmäßig auf die Regionen Latein Amerika, Europa (ohne Russland), Russland und Japan (vgl. Abb. 1 in der Bildergalerie). Obwohl sich bereits erste Exportströme abzeichnen, richtet sich die Produktion der Low-Cost-Modelle hauptsächlich auf die jeweilige lokale Nachfrage.

70 Prozent Wachstum

Auch zukünftig wird sich das Wachstum der Low Cost Fahrzeuge fortsetzen und bis 2017 ein Volumen von mehr als 16 Millionen hergestellten Einheiten erreichen. Mit einem Produktionsanstieg von über 70 Prozent wird das Segment in den nächsten zehn Jahren deutlich schneller wachsen als die weltweite Produktion, die um knapp 30 Prozent zulegen wird (vgl. Abb. 3 in der Bildergalerie). Eine starke Expansionsphase erwarten die Marktforscher von Polk bereits mittelfristig für den Zeitraum von 2008 bis 2011, in dem zahlreiche neue Modelle wie zum Beispiel der Tata Nano, der VW Up! oder die neue Stufenhecklimousine von Toyota mit dem Codenamen EFC auf dem Low-Cost-Markt eingeführt werden.

Verdoppelung durch Erstmotorisierung

Schwerpunkt der Low-Cost-Produktion wird der asiatische Raum bleiben. Vor allem der Erstmotorisierungsprozess in Indien führt dazu, dass sich das Volumen produzierter Low-Cost-Modelle in Asien zukünftig auf mehr als neun Millionen Einheiten verdoppeln wird. Knapp 60 Prozent der Billigautos werden somit zukünftig allein auf dem asiatischen Kontinent (ohne Japan) hergestellt werden. Einen weiteren Beitrag am Wachstum der Low-Cost-Produktion werden die Märkte Lateinamerika und Russland leisten. Die russische Low-Cost-Produktion wird sich bis 2018 ebenfalls verdoppeln und dann über 1,6 Millionen Einheiten erreichen (vgl. Abb. 2 in der Bildergalerie).

Geringes Potenzial in China

Allerdings warnen die Markforscher vor übertriebenen Erwartungen und weisen auf bestehende Risiken für Low-Cost-Fahrzeuge hin. Vor allem in China wächst die Käuferschicht mit hohen Einkommen und gestiegenen Ansprüchen, die den Erwerb höher positionierter Modelle bevorzugt. Außerdem sind viele chinesischen Konsumenten so sprunghaft zu Reichtum gekommen, dass sich der Einstieg in die Mobilität nicht durch ein Low-Cost-Fahrzeug, sondern direkt über einen höherpreisigen Pkw vollzieht.

Bessere Ausstattung in Russland

In Russland werden die Emissions- und Sicherheitsstandards zunehmend den westlichen Normen angeglichen und es ist eine deutlich anziehende Kaufkraft und steigende Ansprüche der russischen Konsumenten zu beobachten. Zusätzlich unterstützt durch günstige Finanzierungsmöglichkeiten richtet sich die Nachfrage daher zukünftig weniger auf einen günstigen Einstiegspreis, sondern verstärkt auch auf höhere Ausstattungsvarianten sowie den Einsatz moderner Technologien.

Dacia Logan bleibt Weißer Elefant

Für die gesättigten Triademärkte existiert lediglich ein begrenztes Low-Cost-Potenzial. Strenge Emissions- und Sicherheitsstandards, die Konkurrenz durch stark ausgeprägte Gebrauchtwagenmärkte und hohe Kundenanforderungen verhindern einen Low-Cost-Boom auf den entwickelten Märkten.

Die Essener Marktforscher weisen zwar auch auf den überraschenden Erfolg des Dacia Logan in Westeuropa hin, betonen aber gleichzeitig, dass die Erfolgsgeschichte des Logan nicht repräsentativ ist. Aufgrund der günstigen Voraussetzungen des Logan, wie zum Beispiel eines bestehenden Händlernetzes der französischen Muttergesellschaft Renault, warnt die Studie davor, die Erfolgsgeschichte des rumänischen Low-Cost-Modells auf andere Anbieter von Billigautos zu übertragen.

Chancen nutzen

Die aktuelle Studie von R.L. Polk kommt daher zu dem Ergebnis, dass das Thema Low Cost nur ein regional begrenztes Potenzial hat. In den gesättigten Märkten sehen die Marktforscher für das Segment der familientauglichen Pkw unter 10.000 Euro lediglich geringfügige Marktchancen. Unter Berücksichtigung der Situation auf den aufstrebenden Schwellenmärkten sollten sich jedoch auch etablierte Hersteller des Themas Low-Cost-Pkw annehmen. Immerhin besteht die Chance, Millionen von Erstkäufern der zukunftsträchtigen Wachstumsmärkte im Zuge der Erstmotorisierung an eine Marke zu binden.

(ID:256494)