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Kleinteile aus dem Baumarkt
Schon dieses Spiel aus hell und dunkel und die vielen verschiedenen Linien lassen alle Konturen verschwimmen. Doch das ist dem Tarnmeister noch nicht genug: Dazu polstert er bestimmte Karosserieteile noch mit Gummimatten, Kunststoffleisten oder Hartplastik-Covern, die besonders charakteristische Details verbergen sollen. „Dafür laufe ich ständig mit offenen Augen durch Baumärkte und Möbelhäuser und sammele lauter Kleinteile ein, die mir bei der Tarnung helfen“, erzählt der Geheimniskrämer und wedelt ganz stolz mit einer Silikonform, die er bei Ikea entdeckt hat. Während normale Leute darin die Eiswürfel für ihre Cocktails bereiten, hat Kubik diese Form bei der Tarnung des Cascada gute Dienste geleistet.
Blickdichter Stoff im Innenraum
Natürlich wird auch der Innenraum vor neugierigen Blicken geschützt. Dafür hat Kubis eigens einen Spezialstoff mit Netzstruktur aufgetrieben, der sogar die Luft der Klimaanlage durchlässt, ansonsten aber absolut blickdicht ist. Damit diese Netze auch sicher nicht verrutschen, werden sie nicht nur mit Klebeband befestigt. Ohne mit der Wimper zu zucken, greift Kubis dafür auch zum Akkuschrauber und versenkt ein Dutzend Kreuzschlitzschrauben direkt im Armaturenbrett. „Skrupel darf man in diesem Geschäft nicht haben“, sagt er mit einem Schulterzucken. Viel wichtiger sind da pfiffige Ideen wie die Blickschutzfolie vor den ebenso geheimen Instrumenten, die sich Kubis aus dem Computerhandel besorgt hat. Denn was neugierige Blicke auf fremde Laptop-Monitore abhält, das hält auch den Bordcomputer des neuen Corsa geheim.
Falsche Anbauteile
Kubis, der jeden Prototypen vom Designer, dem jeweiligen Chefingenieur und sogar vom TÜV-Prüfer abnehmen lassen muss, kaschiert aber nicht nur die charakteristischen Merkmale eines neuen Autos. Er erfindet bisweilen auch welche: Da werden fiktive Auspuffrohre unter die Karosse geschraubt oder Kühlöffnungen angedeutet, wo gar keine sind. Mal trägt ein Sparmodell eine sportliche Turbo-Hutze auf der Haube und ein anderes Mal wird aus einem konventionellen Stufenheck mit einem Plastikrucksack ein schnittiges Coupé. Beim Fünftürer werden die hinteren Türen überklebt. Der Dreitürer simuliert mit dünnen schwarzen Streifen zwei zusätzliche Klappen. Und Anbauteile aus dem Vorrat des Vorgängers tun ihr übriges, um den Betrachter zu verwirren, erzählt der Tarnmeister. Manche Hersteller schrauben sogar keck die Markenzeichen der Konkurrenz an ihre Prototypen oder erfinden einfach neue Logos, um die neugierigen Beobachter in die Irre zu führen. Ganz so weit geht Kubis nicht. Doch wer die Prototypen des aktuellen Corsa doch mal zu Gesicht bekommt, wird sich schwer tun, den Kleinwagen als Opel zu erkennen. „Einen Blitz jedenfalls sieht man weder innen noch außen.“
Tarnung ohne Tarnung
Zwar hat sich Kubis in seinem Job schon so manche verrückte Tarnung einfallen lassen. Doch die beste Idee hatte offenbar einer seiner Vorgänger bei der Entwicklung des ersten Corsa Combo. Statt den kleinen Lieferwagen in ein auffälliges Streifenkostüm zu stecken und so erst recht alle Blicke auf ihn zu ziehen, haben die Tarnmeister ihn einfach mit der Werbung für eine fiktive Gärtnerei beklebt und ihn ganz offen auf Testfahrt geschickt, erzählt Kubis und kann sich das Lachen nicht verkneifen: „Den Trick hat bis heute keiner gemerkt.“
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