Dekra-Zukunftskongress Nutzfahrzeuge

Mercedes-Benz: Abbiegeassistent für Lkw

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Kopplung der Assistenzsysteme

Der Abbiegeassistent geht jetzt in die Serienvorbereitung. Passive Systeme haben Grenzen, wie Professor Dipl.-Ing. Hansjörg Leser von der Unfallanalyse Berlin auf dem Nutzfahrzeugkongress der Dekra verdeutlichte. „Selbst bei einer optimalen seitlichen Abweisvorrichtung am Lkw kann ein Überrollen von Radfahrern nicht mit absoluter Sicherheit verhindert werden“, so Leser. Zudem werde das große Sichtfeld der Weitwinkel-Außenspiegel erkauft mit einer stark verkleinerten Darstellung. Das führe zu einer signifikant schlechteren Wahrnehmung von bewegten und unbewegten Objekten.

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Mit der obligatorischen Einführung des Notbremsassistenten ab November 2015 in alle neu zugelassenen Lkw und Busse wird die aktive Sicherheit bei den Nutzfahrzeugen weiter erhöht. Denkbar ist die Kopplung des Abbiegeassistenten mit dem bei Mercedes-Benz „Active Brake Assist“ genannten Notbremsassistenten. Das kann sich Professor Dr.-Ing. Jörg Zürn, Leiter Entwicklung Mercedes-Benz Vans, zwar vorstellen, sieht aber bis dahin noch Zeit verstreichen, weil die Fahrer sich daran erst gewöhnen müssten. Zürn verwies in dem Zusammenhang auf die sogenannte „Wiener Straßenverkehrskonvention 1968“. Demnach kann der Fahrer über den Betrieb eingebauter Assistenzsysteme im Fahrzeug selbst entscheiden. Seit dem Jahr 2000 habe Mercedes-Benz etwa den Spurhalteassistenten in Fahrzeuge eingebaut. Anfangs häufig abgestellt, weil er den Fahrer störte, steigt zunehmend das Verständnis für die Sicherheitsfunktion und das sogenannte „Lane Departure Warning System“ bleibt mehr als früher eingeschaltet.

Das Abschalten von sicherheitsrelevanten Assistenzsystemen ist für Prof. Dr. Egon-Christian von Glasner, Präsident der Europäischen Vereinigung für Unfallforschung und Unfallanalyse, generell ein Anachronismus. Das ist einer von vielen Punkten in der Wiener Straßenverkehrskonvention, die überarbeitet werden müsse, so von Glasner: „Die Sicherheit hat Vorrang vor individuellen Vorlieben.“

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