Fahrbericht + Interview

Mercedes V-Klasse: Premium Van mit Pkw-Qualitäten

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Im Interview: Volker Mornhinweg, Chef der Van-Sparte von Mercedes-Benz

Das Interview führte Jens Meiners

Mit der V-Klasse unternimmt Mercedes-Benz einen neuen Anlauf im Segment der Großraumlimousinen: Nach der unter Qualitätsmängeln leidenden ersten V-Klasse und dem Nachfolgemodell Viano tritt der im spanischen Vitoria gefertigte Van nunmehr in dritter Modellgeneration an. Erneut wird es mit dem Vito ein Schwestermodell mit Nutzfahrzeugcharakter geben. »Automobil Industrie« sprach mit Volker Mornhinweg, dem Chef der Van-Sparte von Mercedes-Benz, über seine Pläne.

Jens Meiners: Wie schaffen Sie es, dass die V-Klasse nicht bloß als eine Personenwagen-Variante des Vito auftritt?

Volker Mornhinweg: Die Modelle sind völlig anders entwickelt und auch im Entwicklungsstrahl getrennt; wir haben die Ingenieure aufgeteilt und die neue V-Klasse konsequent als Mercedes-Benz Pkw entwickelt. Wir positionieren die V-Klasse als Großraumlimousine für Pkw-Kunden, den Vito hingegen als „kleinen Sprinter“ für gewerbliche Kunden.

Wie behalten Sie bei diesem Ansatz die Kosten im Griff?

Wir haben bei der V-Klasse Synergien mit der Pkw-Entwicklung verfolgt und die Modulstrategie von Mercedes-Benz Cars übernommen. So konnten wir Features wie die Assistenzsysteme relativ einfach adaptieren und applizieren. Beim Vito gelingt es schon über die Stückzahl, entsprechende Skaleneffekte zu generieren.

Volker Mornhinweg, Chef der Van-Sparte von Mercedes-Benz.
Volker Mornhinweg, Chef der Van-Sparte von Mercedes-Benz.
(Foto: Daimler)

Sie haben bei der V-Klasse nur den Vierzylinder-Dieselmotor im Angebot.

Wir haben im Bereich NVH (Noise, Vibration, Harshness) viel investiert und bieten jetzt eigentlich die gleiche Performance wie der auslaufende Sechszylinder-Dieselmotor – bei einem Verbrauch, der um 30 Prozent niedriger liegt.

Kommen noch Ottomotoren?

Ja, aber keine Sechszylinder. Die heutigen Kundenanforderungen umfassen diese Option nicht mehr, weil wir die Performance auch beim Vierzylinder haben. Vor allem der Vito ist ein Fahrzeug für Menschen, die damit ihr Geschäft machen und erfolgreich sein wollen – und deshalb ist die Nachfrage einfach nicht da.

Welche Getriebestrategie verfolgen Sie?

Wir haben das Transportergetriebe in Sachen Leichtgängigkeit weiterentwickelt und haben bei unserer Siebengang-Automatik jetzt eine schöne Spreizung. Das ist im Prinzip das gleiche Getriebe wie im Sprinter, aber natürlich adaptiert. Und der Kunde kann jetzt mit dem „Agility Select“-Schalter zwischen den Programmen Comfort, Eco und Sport sowie Manuell umschalten.

Sie fertigen die Schaltgetriebe im eigenen Haus. Könnte es sein, dass Sie das eines Tages auslagern, wie bei den kommenden Personenwagen?

Dazu gibt es im Moment keine Entscheidung.

Sprechen Sie mit der V-Klasse auch ehemalige R-Klasse-Kunden an?

Das ist schwer zu sagen, hier müssen wir noch Erfahrungen sammeln.

Sie haben einmal AMG geführt; planen Sie für die V-Klasse AMG-Designpakete oder sogar ein echtes Derivat?

Nein, das ergibt keinen Sinn. Ich würde aber sagen, dass die V-Klasse sehr fahrdynamisch dasteht, durch ihre Formensprache niedrig und maskulin wirkt. Da brauchen wir keinen Nachschlag.

Bringen Sie einen Allradantrieb?

Bei der V-Klasse ja; beim Vito lassen Sie uns abwarten.

Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit mit Renault-Nissan? Haben Sie bei V-Klasse und Vito zusammengearbeitet?

Wir haben zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit der Entwicklung der Fahrzeuge begonnen; deshalb hat sich hier die Frage gar nicht gestellt.

Arbeiten sie derzeit an weiteren gemeinsamen Projekten?

Wir diskutieren kontinuierlich Möglichkeiten.

Gleichen Sie dabei Ihre Anforderungen und Standards an?

Am Ende entscheidet jeder Partner selbst. Wir definieren unsere Anforderungen an Laufzeit und Belastung – und so wurde auch der Citan adaptiert. Und das sehen wir auch deutlich bei den Themen Garantie und Qualität. Da ist der Citan hervorragend. Übrigens haben wir auch den Windowbag, der im Euro-NCAP-Test in seltenen Fällen in Toleranzgrenzlagen nicht optimal funktionierte, neu entwickelt. Der Citan wurde erneut getestet und erreicht jetzt vier Sterne.

Werden Sie auch den Vito über die Marke Freightliner verkaufen?

Diese Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Volkswagen hat auf dem Genfer Salon den Multivan als Crossover namens „Alltrack“ gezeigt. Würde dieser Ansatz auch bei Ihnen funktionieren?

So etwas hatten wir bereits vor zwei Jahren als Studie. Es gibt zwar unendlich viele Ideen, wir wollen aber unsere Kunden nicht durcheinanderbringen, sondern strukturiert an den Markt gehen. Natürlich haben wir später alle Möglichkeiten.

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