Suchen

Karriere Motorsport-Engineering in Deutschland studieren

| Autor/ Redakteur: Annette Laqua / Wolfgang Sievernich

Die Fachhochschule Stralsund schreibt ab dem Wintersemester 2016/17 als erste Hochschule in Deutschland den Studiengang Motorsport-Engineering aus. Er soll beim Berufseinstieg in den Motorsport helfen.

Firmen zum Thema

An der Fachhochschule Stralsund können Studenten zum Wintersemester 2016/17 erstmals den Studiengang Motorsport Engineering belegen.
An der Fachhochschule Stralsund können Studenten zum Wintersemester 2016/17 erstmals den Studiengang Motorsport Engineering belegen.
(Bild: FH Stralsund)

Deutschland gilt allgemein als Maschinenbauland, und angehende Maschinenbaustudenten können zwischen einer Vielzahl unterschiedlicher Universitäten und Fachhochschulen wählen. Und auch die Liste der möglichen Spezialisierungen ist sehr lang. Doch Motorsport gab es darin bisher noch nicht, was sich dank der FH Stralsund nun ändert: Die Fachhochschule in Mecklenburg-Vorpommern hat einen sieben Semester dauernden Bachelor-Studiengang Motorsport-Engineering ausgeschrieben. „Zu Beginn werden vor allem ingenieurwissenschaftliche Grundlagen gelehrt, denn die Studenten sollen eine fundierte maschinenbauliche Grundausbildung erhalten“, erklärt Professor Peter Roßmanek vom Fachbereich Maschinenbau der FH Stralsund.

Maschinenbau als Grundlage

So finden sich auf den Stundenplänen vor allem Fächer wie Technische Mechanik, Technische Thermodynamik, Maschinenelemente und Konstruktion. Später folgen dann spezifische Vertiefungsfächer zu den Themenbereichen Fahrwerk, Motorentechnik und Karosserie. Das klingt bis hierhin wie ein normales Studium der Fahrzeugtechnik, doch der Unterschied steckt im Detail. „In allen Fächern werden vom ersten Semester an Rennwagen und Anwendungen im Rennsport in den Mittelpunkt gestellt“, so Roßmanek. „Das bezieht sich vor allem auf praktische Beispiele zur Theorie sowie auf die Labore. Für die Zukunft arbeiten wir unter anderem daran, dass auch das Pflichtfach Englisch noch mehr technische Themen erhält. Englisch ist bekanntlich die Sprache des Motorsports; wer dort arbeiten möchte, sollte sie beherrschen“, ergänzt Professor Wolfgang Schikorr, der als Dekan des Fachbereichs Maschinenbau in die Konzeption des neuen Studiengangs involviert war.

Rennsport inklusive

Um das in der Theorie gelernte Engineering-Wissen gleich anwenden zu können, ist eine über zwei Semester dauernde Projektarbeit vorgeschrieben, die in einem Rennteam der FH Stralsund absolviert werden muss. „Wir haben unsere studentischen Teams des Konstruktionswettbewerbs Formula Student, Baltic Racing und ThaiGermit, mit Bedacht in den Studienplan integriert“, so Schikorr. „Die Projektarbeit wurde auf zwei Semester angesetzt, damit die Studenten einen kompletten Zyklus der Entstehung eines Rennwagens miterleben: von der Idee über die Konzeption bis zur Fertigung und dem Zusammenbau.“ Und er ergänzt: „Wir hoffen, dass sich die Studenten durch die aktive Mitwirkung in einem Rennteam mehr Selbstständigkeit erarbeiten und auch ihre eigenen Netzwerke aufbauen, von denen sie nach ihrem Abschluss dann profitieren können.“

Partner gesucht

Dass die hauseigenen Rennteams eine wichtige Rolle spielen, freut auch Nicole Geier aus der Marketing-Abteilung von Baltic Racing. „Zuwachs können wir immer gebrauchen, denn jedes Jahr fallen allein schon die Teammitglieder weg, die ihr Studium beendet haben. Wir hoffen natürlich, dass die Studenten nicht nur für die Zeit der Projektarbeit, sondern schon eher zu unserem Team stoßen. Je länger sie Teil der Mannschaft sind, desto besser ist der Einblick, den sie erhalten. Und desto einfacher ist es für sie, das passende Thema für die Projektarbeit zu finden.“ Der Studiengang Motorsport-Engineering entstand aus eigener Initiative der FH Stralsund. Spezieller Input aus der Industrie oder dem Motorsport war nicht nötig. „Wir gehen jetzt erst einmal ins erste Jahr, wollen in Zukunft aber versuchen, mehr und mehr Partner aus dem Rennsport zu gewinnen. Aktuell sprechen wir beispielsweise mit einer deutschen Rennstrecke über eine mögliche Zusammenarbeit. Und wir stehen mit einigen englischen Hochschulen, die bereits länger einen solchen Studiengang in ihrem Programm haben, im ständigen Austausch“, so Prof. Schikorr.

Bekanntheitsgrad steigern

Doch warum wagt die direkt an der Ostsee gelegene FH als erste in Deutschland das Experiment einer Spezialisierung auf Motorsport-Engineering? „Zum einen wollen wir uns als Hochschulstandort interessant machen, indem wir ein attraktives und in unserem Land bisher einmaliges Angebot schaffen“, erklärt Schikorr. „Zum anderen wollen wir den Studenten aber auch die Chance geben, ihre freiwilligen Aktivitäten in einem studentischen Rennteam als Studienleistung anrechnen zu lassen.“ Als potenzielle Tätigkeitsfelder für die Absolventen gibt die Fachhochschule die Bereiche Rennsport, sportliche Serienfahrzeuge und motorsportnahe Ingenieurdienstleistungen an. „Da unsere Studenten im Prinzip eine solide Ingenieurausbildung genießen, sind sie keinesfalls nur an die Tätigkeitsfelder im Motorsport gebunden, sondern können im gesamten Bereich der Fahrzeugtechnik eingesetzt werden“, sieht Schikorr sogar noch ein größeres Spektrum für seine zukünftigen Absolventen. Trotzdem wünscht er sich, dass die mit gut 2.200 Studenten pro Jahr relativ kleine und familiäre FH Stralsund durch den neuen Studiengang auch im Motorsport-Umfeld an Bekanntheit zulegen kann.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 44395527)