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Peugeot 308 R-Hybrid – Turbo mit E-Power

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GTI-Killer und Porsche-Gegner

Doch Delaire weiß, dass er viel erzählen kann und man ihm nur das wenigste glauben wird. Dafür ist einfach zu viel Zeit verstrichen, seit so leidenschaftlichen und leistungsstarken Autos wie dem 205 GTI T16 mit einem anstelle der Rückbank eingebauten Turbo-Motor. Deshalb lässt Monsieur Delaire seinen Worten Taten folgen und hat diesen R-Hybrid tatsächlich in einen 308 eingebaut. Im letzten Frühjahr zum ersten Mal auf der Motorshow in Shanghai präsentiert, tingelt er jetzt mit seinem Schaustück über kleine Rennstrecken in ganz Europa und beweist aller Welt, dass der Golf der Gallier nicht nur das Zeug zum GTI-Killer hat, sondern dass ein Peugeot sogar einem Porsche gefährlich werden kann.

Elektroschub phasenweise

Deshalb ist es mit dem leisen Surren kurz hinter der Boxengasse auch schnell wieder vorbei und mit einem beherzten Tritt kommt das vertraute Brüllen zurück. Zwar könnte man mit den 3 kWh aus dem Akku unter dem Sitz im besten Fall 15 Kilometer elektrisch fahren. Doch viel wichtiger ist Delaire der Boost aus der Batterie, den man am Steuer des 308 in mehreren Stufen abrufen kann: Im normalen Hybrid-Modus arbeitet nur die vordere E-Maschine, stopft das Turboloch des 270 PS-Benziners und gleicht die Leistungslücken beim Gangwechsel aus. Deshalb fährt der Peugeot mit seiner automatisierten Sechs-Gang-Schaltung nochmal flüssiger als die flotten DSG-Modelle aus dem VW-Konzern. Drückt man die rote Taste im Lenkrad, aktiviert man den Sport-Mode und fühlt sich wie ein Formel1-Fahrer beim Kickdown mit Kers-System. Dann wirft sich nämlich auch der hintere Motor mit ins Zeug und mit zusammen 400 PS und 530 Nm wird selbst der Golf R zum Spielzeugauto. Messerscharf und pfeilschnell schnürt der Peugeot um den Kurs und macht vor allem am Kurvenausgang einen Höllenspaß, wenn er mit Vollgas gerade zieht und die nächste Kehre ins Visier nimmt. Dass er 200 Kilo mehr wiegt als das Serienmodell, merkt man dabei nicht. Dass die Spur unter den weit ausgestellten Kotflügeln acht Zentimeter breiter ist und die anstelle des Tanks unter den Rücksitz geschraubte Lithium-Ionen-Batterie den Schwerpunkt nochmal drückt, dagegen umso mehr – selten hat ein Kompakter so satt auf dem Asphalt gekauert wie der 308 R-Hybrid.

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Bis zu 730 Newtonmeter

Noch nicht genug? Dann bittet Delaire zum kurzen Stopp auf der Start-Ziel-Geraden und aktiviert die Launch-Control. Erst sie schaltet die vollen 500 PS und 730 Nm frei, bringt den Verbrenner mit blockierten Vorderrädern auf Touren und öffnet die Bremsen erst wieder, wenn die maximale Vorspannung erreicht ist: So muss es sich anfühlen, wenn eine Mirage vom Flugzeugträger katapultiert wird. Und ganz ähnlich ist die Geräuschkulisse. Denn jetzt surren nicht nur die Stromer. Sondern es quietschen mächtig die Reifen und natürlich brüllt endlich auch wieder ein Motor. „Schöne neue Welt!“, strahlt Delaire vom Beifahrersitz.

Kleinserie möglich

Jetzt hat Delaire nur noch ein Problem: Er muss die Begeisterung aus dem Projekt irgendwie in die Buchhaltung tragen. Denn während der Ingenieur seine Formel Fun schon gefunden hat, müssen jetzt die Erbsenzählern in ihrem Elfenbeinturm, eine Gleichung aus Stückzahl, Preis und Umbautiefe suchen, die zumindest eine Kleinserie des 308 R-Hybrid möglich macht, sagt der Ingenieur. Doch stimmen den Projektleiter Termine wie dieser verhalten optimistisch: „Sie würden uns neun Monate nach der Messepremiere nicht weiter an dem Projekt arbeiten lassen, wenn sie mit dem R-Hybrid nicht noch mehr geplant hätten.“

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