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Porsche 911: Der letzte seiner Art

| Autor: Christian Otto

Porsche hat auf dem Hockenheimring den neuen 911 Carrera S und Carrera 4S der Baureihe 992 vorgestellt.
Porsche hat auf dem Hockenheimring den neuen 911 Carrera S und Carrera 4S der Baureihe 992 vorgestellt. (Bild: Porsche)

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Mit dem 992 zeigen die Zuffenhausener, was einen Sportwagen heute ausmacht: Fahrdynamik und Leistung treffen auf Vernetzung. Doch in einem Punkt bleibt Porsche das letzte Mal altmodisch: Zum Marktstart gibt es den neuen 911 nur als Verbrenner.

Wer auf den Hockenheimring zu einem Workshop lädt, will das zu präsentierende Produkt auch im Grenzbereich zeigen. So lautete auch bei Porsche die Devise: Vollgas. Zwar durften die geladenen Journalisten den neuen 911, interne Bezeichnung 992, nicht selber durch die Kurven jagen. Doch die geschulten Fahrer vermittelten sehr gut, was mit der aktuellen Variante des Ur-Vater aller Sportwagen möglich ist.

Doch neben schnellen Runden sollte der Workshop auch zeigen, wo man beim 992 nochmals eine technische Schippe gegenüber dem Vorgänger drauf gesetzt hat. Beim Thema Elektrik/Elektronik dürfen sich künftige 911-Kunden nun auf das Advanced Cockpit freuen, dass auch schon im neuen Cayenne mitfährt. Und auch wenn der 992 vor allem noch das Fahren in den Mittelpunkt stellt, sind ein großes Angebot von Online-Diensten ein zusätzliches Verkaufsargument. Laut der Verantwortlichen sollen diese Dienste nochmals wesentlich tiefer in das System integriert worden sein.

Überarbeiteter Sprachassistent

Auch die Assistenten bringen noch mehr Komfort und zeigen – wie der Sprachassistent – dass der Kunde künftig nicht mehr umständliche Befehle geben muss. So regelt das Fahrzeug die Heizung nach oben, sobald der Insasse beispielsweise die Aussage „Mir ist kalt“ tätigt. Ein Rastplatz wird gesucht, wenn ein „Ich muss mal“ dem Fahrer über die Lippen kommt.

Im Bereich Fahrwerk fallen vor allem die unterschiedlichen Außendurchmesser von Vorder- und Hinterrädern auf. Die hinteren Felgen haben ein Zoll mehr. Das soll die Performance erhöhen und auch eine höhere Temperaturstabilität bieten. Passend dazu, bezieht Porsche neue Pirelli-Reifen, die vor allem bei Nässe ihre Fähigkeiten ausspielen sollen.

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Das Thema Nässe bedient Porsche beim 992 sogar mit einem neuen Fahrmodus namens „Wet“. Damit dieser optimal funktioniert, nimmt ein Sensor im Radhaus die jeweilige Feuchtigkeit auf der Straße, beispielsweise durch die entstehende Gischt, wahr. Dann wird der Fahrer auf die besonderen externen Bedingungen hingewiesen und kann den Wet-Mode wählen, der das Fahrzeug motorseitig und aerodynamisch so abstimmt, dass ein Ausbrechen kaum mehr möglich ist.

Auf einer Nass-Strecke demonstrierten das die Testfahrer sehr eindrucksvoll: Der Modus sorgt dafür, dass sich der 992 auch bei extremen Gasstößen und einem maximalen Lenkradeinschlag kaum von der Ideallinie entfernt. Er wird geradezu auf Gutmütigkeit getrimmt.

Mehr Leistung und mehr Gewicht

Dabei ist das Thema Leistung weiterhin beim 911 ein wichtiges Argument, mit dem man neue aber auch bestehende Kunden überzeugen will. So liefert der Motor mit der Kennung 9A2 evo beim Carrera S und Carerra 4S 331 kW/450 PS was einem Leistungsplus von 22 kW/30 PS entspricht. Das Kürzel evo soll deutlich machen, dass man auf den Erfahrungen des Motors des Vorgängers aufbaut und diesen evolutioniert hat. Neu sind die Turbolader mit größerer Turbine und Verdichterrad, die zudem nun symmetrisch am Motor angeordnet sind. Sie sollen ein direkteres Ansprechverhalten generieren. Eine Hürde war allerdings die Unterbringung des Otto-Partikelfilters im engen Motorraum des 911. Dessen Integration führte zu sechs Kilogramm Mehrgewicht.

Damit das Mehr an Leistung auch auf die Straße kommt, hat Porsche für den 992 auch zwei neue Getriebe entwickelt. Zum Marktstart des 992 wird es zunächst nur ein Doppelkupplungsgetriebe mit acht Gängen geben. Ein manuelles Getriebe, das im 991 von etwa zehn Prozent der Kunden bevorzugt wurde, wird später folgen. Das direkte Schalten wird nun allerdings nur noch über die Lenkrad-Paddles ermöglicht. Mit dem zentralen Schaltknauf lassen sich hingegen nur noch die Stufen D, N und R einstellen. Grund für diese Änderung war eine Befragung der Kunden, die das sportliche Schalten am Lenkrad klar bevorzugen.

Eine Plattform für alle zweitürigen Sportwagen

Auch an der Karosserie haben die Porsche-Entwickler einiges verändert: So kommt beim 992 erstmals der „Modulare-Mittelmotor-Baukasten“ (MMB) zum Einsatz. Auf dessen Plattform sollen künftig alle zweitürigen Sportwagen bei Porsche (911, 718 Boxster und 718 Cayman) basieren. Stichwort „Mittelmotor“. Die neue Motoraufhängung ist ganze 17 Zentimeter weiter nach vorne gewandert. Das soll ein Nicken des Motors bei Lastwechseln mit einer steiferen Lagerung unterbinden.

In den Abmessungen ist der 992 rund zwei Zentimeter länger als sein Vorgänger. Die Karosseriestruktur kommt mit gut einem Drittel weniger Stahlblech aus und setzt stattdessen auf viel Aluminium. Die reine Karosseriestruktur soll etwa fünf Prozent leichter sein als bisher. Allerdings ist das Gesamtfahrzeug um rund 50 Kilogramm schwerer geworden. Zudem gibt es nur noch die breite Karosserie, die bisher den Allrad-Modellen vorbehalten war. Das soll eine breitere Spur an Vorder- und Hinterachse ermöglichen. Zusammen mit den größeren Rädern und breiteren Reifen lässt das den 992 bei Kurvenfahrten stabiler werden. Zudem sind die Federraten nochmals erhöht worden. Auch die Lenkung ist direkter übersetzt.

Der 992 ist allerdings über diese technischen Finessen hinaus schon eine Besonderheit. Denn laut Porsche wird er das letzte Modell der Zuffenhausener sein, das zum Marktstart nur mit einem Verbrenner angeboten wird. Das Fahrzeug ist allerdings so konzipiert, dass beispielsweise mit einem Facelift auch eine Hybridisierung möglich ist. Alle anderen Modelle des Sportwagenherstellers werden künftig nur noch teil- oder vollelektrisch ausgeliefert.

Den Anfang bei den vollelektrischen Modellen macht der Taycan. Auch er wird wie der 992 künftig in Zuffenhausen gefertigt. Ob der in den Kurven von Hockenheim allerdings auch so viel Spaß macht wie der Elfer, wird sich noch zeigen.

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