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Porsche Cayman GT4 Clubsport auf der Strecke

| Autor/ Redakteur: Max Friedhoff/SP-X / Jens Scheiner

Mit der GT4-Kategorie scheint sich langsam aber sicher ein neuer Standard in der internationalen Welt des Kunden-Motorsports zu etablieren. Auch Porsche schickt 2019 ein neues Modell ins Rennen: den Cayman GT4 Clubsport auf Basis der 718-Baureihe. Wir sind den neuen Rennwagen gefahren.

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Einer der Neulinge, der erst Anfang Januar dieses Jahres sein Debüt feierte, ist der Porsche Cayman GT4 Clubsport des Typs 982.
Einer der Neulinge, der erst Anfang Januar dieses Jahres sein Debüt feierte, ist der Porsche Cayman GT4 Clubsport des Typs 982.
(Bild: SP-X/Max Friedhoff)

Ja, es war ein langer Winter. Für die meisten Motorsportler endet die Saison im Spätherbst und beginnt erst wieder im kommenden Frühling. Genug Zeit, um von Siegen zu träumen und Niederlagen zu verdauen. Oder, um sich ein neues Rennauto zu kaufen. Typischerweise wechseln viele Piloten und Teams im Winter ihren fahrbaren Untersatz.

Einer der Neulinge, der erst Anfang Januar dieses Jahres sein Debüt feierte, ist der Porsche Cayman GT4 Clubsport des Typs 982. Der GT4-Kundensportrennwagen aus Zuffenhausen geht mit dem 982er-Modell in die zweite Generation. Eines der ersten Teams, die den neuen Cayman GT4 Clubsport in Empfang nehmen durften, ist Allied Racing aus dem bayrischen Huglfing.

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Neuer Heckflügel und mehr Power

Das Mittelmotor-Fahrzeug ist eine Evolution der letzten Cayman-Generation und trägt optisch unverkennbar die breiteren und aggressiveren Schürzen der aktuellen 718-Baureihe. Dazu gibt es einen neuen Heckflügel, der für eine bessere Aerodynamik eine sogenannte „Schwanenhals“-Halterung bekommen hat, bei welcher das Flügelprofil quasi kopfüber aufgehängt statt wie normalerweise aufgestellt wird. Noch deutlicher werden die Unterschiede zum straßenzugelassenen 718 Cayman bei einem Blick unter das Kleid aus Blech und Carbon: Vor der Hinterachse sitzt nämlich nicht wie im Serienmodell ein kleiner Vierzylinder-Turbomotor, sondern der aus dem Vorgänger-GT4 bekannte 3,8-Liter-Sechszylinder-Sauger. Dank einer neuen Ansaugung und diversen Optimierungen bei den Innereien schafft es der neue GT4 Clubsport auf 313 kW/425 PS – 40 PS mehr als bisher. Das Drehmoment liegt bei 425 Newtonmeter, geschaltet wird weiterhin über ein Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen und Wippen am Lenkrad.

Ich entere den blau-schwarzen GT4 mit der Startnummer 65, der in der „ADAC GT4 Germany“ von Jan Kasperlik und Lars Kern gesteuert wird. Der Innenraum ist – typisch Rennfahrzeug – auf Sicherheit und Minimalismus getrimmt und dennoch ein großer Schritt nach vorne im Vergleich zum Vorgängermodell. Der Schalensitz ist fest montiert und der Pilotenplatz von etlichen Metern Stahlrohr umgeben. Aus der Fahrerperspektive blickt man zunächst auf ein spektakuläres Carbon-Lenkrad aus dem Porsche 991 GT3 R und dann auf ein großes digitales Display, das mit allerlei Vitalwerten des GT4 aufwartet – beides Neuerungen, die erst mit der Generation 982 Einzug im GT4 hielten.

Hohe Dynamik und Agilität

Schon beim ersten Beschleunigen aus der Boxengasse wird deutlich: Die 40 zusätzlichen PS machen sich nicht nur auf dem Papier bemerkbar. Der GT4 dreht freier hoch als sein Vorgänger und untermalt das Ganze weiterhin mit einem fantastischen Saugmotor-Sound, den in der GT4-Kategorie nur noch wenige Fahrzeuge bieten. Das verbesserte längs-dynamische Erlebnis wird allerdings noch von der gesteigerten Querdynamik übertrumpft. Bereits nach wenigen Kurven gewinnt man als Fahrer das Vertrauen in den Rennwagen. Ein Vertrauen, das man sich im Vorgänger 981 noch deutlich härter erarbeiten musste. Der Neue liegt ruhiger, ist angenehmer um die Kurve zu bewegen und überzeugt dennoch mit einer für den Mittelmotor typischen Agilität, die Kunden und Fahrer schon bei der ersten Generation zu schätzen wussten.

Auch auf der Bremse ist man mit dem GT4 für jede Schlacht gerüstet. Selbst nach mehreren schnellen Runden auf dem für Scheibe und Belag anspruchsvollen Hockenheimring punktet der 982 mit einem gleichbleibenden Druckpunkt und nicht nachlassender Bremsleistung. Verbunden mit der feedback-freudigen Lenkung machen im Cayman nicht nur Geraden Spaß, sondern auch Anbremszonen und Scheitelpunkte. Dazu ist das Fahrzeug auf Anhieb sicher und schnell zu bewegen. Eigenschaften, die nicht nur die Profis in den weltweiten GT4-Meisterschaften zu schätzen wissen werden, sondern auch die Amateure in kleineren Meisterschaften wie dem Porsche Sports Cup. Auch, wenn der Preis für die „Competition“-Variante von knapp 187.000 Euro alles andere als amateurhaft ist.

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