Projekt Atlas-L4 Projekt zum fahrerlosen Lkw erfolgreich beendet 

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

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Sind autonom fahrende Lkw für den Hub-to-Hub-Transport machbar? Diese Frage stellten sich zwölf Partner im Projekt Atlas-L4 vor drei Jahren. Jetzt präsentierten sie ihre Ergebnisse.

Während der Abschlussveranstaltung des Projektes „ATLAS-L4“ gab es Mitfahrten in den Prototypentrucks.(Bild:  MAN)
Während der Abschlussveranstaltung des Projektes „ATLAS-L4“ gab es Mitfahrten in den Prototypentrucks.
(Bild: MAN)

Automatisierter Transport zwischen Logistikzentren auf Schnellstraßen im Level 4: Dafür steht das Kürzel „ATLAS-L4“. Im zugehörigen Forschungs- und Entwicklungsprojekt haben zwölf Projektpartner drei Jahre am autonom fahrenden Lkw auf Schnellstraßen und Autobahnen entwickelt. Ihr Fazit: Mission erfüllt! Heißt konkret: Die Partner haben Prototypen gebaut und die technische Machbarkeit autonom fahrender Lkw nachgewiesen.
Im Projekt bauten sie dazu die notwendigen Komponenten auf: darunter ein redundantes Bremssystem, Bordnetz und Lenkung. Es entstand ein Validierungskonzept und das Control Center für die technische Aufsicht ging in Betrieb. Die Unternehmen führten Risikoanalysen und Safety-Betrachtungen für das Level 4 durch. Außerdem definierten sie funktionale Sicherheitsmaßnahmen wie Redundanzen und Degradationskonzepte für das autonome Fahrsystem. Im April 2024 fuhr der erste autonome Lkw auf einer deutschen Autobahn: auf rund zehn Kilometern zwischen den Anschlussstellen Allershausen und Fürholzen an der A9; noch mit Sicherheitsfahrer.

Erster autonomer Lkw rollt durch Texas

Mit einer leeren Kabine – ohne Sicherheitsfahrer – fährt das Unternehmen Aurora seit Anfang Mai in den USA: Hier rollt der erste autonome Truck im Lieferverkehr zwischen zwei Logistikhöfen. Das Ziel – die Hub-to-Hub-Automatisierung mit einem Lkw nach Level 4 – hat auch das Projekt Atlas-L4 erreicht, wenn auch bislang noch mit Sicherheitsfahrer. Bis ein Serien-Lkw alleine über die deutsche Autobahn fährt, wird es außerdem noch etwas dauern: „Für einen autonomen Truck in Serie müssen noch diverse Detailfragen geklärt werden“, teilt MAN mit. Am Projekt beteiligt waren rund 150 Ingenieurinnen und Ingenieure von MAN Truck & Bus, Knorr-Bremse, Leoni, Bosch, Fernride, BTC Embedded Systems, Fraunhofer AISEC, Technische Universität München, Technische Universität Braunschweig, Tüv Süd, Autobahn GmbH und das Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften.

Knapp 60 Millionen Euro Budget

Das Gesamtbudget von Atlas-L4 belief sich auf 59,1 Millionen Euro. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat das Projekt gefördert. Die Basis war das im Jahr 2021 verabschiedete Gesetz, das autonomes Fahren auf fest definierten Strecken unter einer technischen Aufsicht grundsätzlich ermöglicht. Anfang Mai präsentierten die Projektbeteiligten die Ergebnisse des Projektes – mit Fahrdemonstrationen auf dem Gelände des ADAC Testzentrums Mobilität in Penzing und auf der Autobahn, einer Ausstellung auf rund 1.000 Quadratmetern und wissenschaftlichen Fachvorträgen.

Die Aufgaben der Projektpartner

  • MAN Truck & Bus war im Projekt verantwortlich für die Gesamtsystementwicklung und die Integration aller Komponenten in das Fahrzeug. Die Datenübertragung zum Fahrzeug und die Inbetriebnahme des Control Centers verantwortete MAN. Das Control Center überwacht die Testfahrten im Sinne der im Gesetz zum autonomen Fahren vorgesehenen technischen Aufsicht.
  • Knorr-Bremse entwickelte die redundant ausgelegte Bremssystemarchitektur inklusive Lenkungsredundanz durch Steer-by-Brake.
  • Leoni lieferte das Bordnetz und die elektronische Leitungsverteilung des Automatisierungssystems.
  • Robert Bosch Automotive Steering entwickelte ein fehlertolerantes Lenksystem, das alle Anforderungen für die SAE-Level-4-Automatisierung erfüllt.
  • Das Münchner Startup Fernride, das sich auf autonomes Fahren auf Logistikgeländen spezialisiert hat, untersuchte die Möglichkeiten von Teleoperation im vom Projekt adressierten Hub-to-hub-Szenario. Mit der Teleoperations-Technik des Unternehmens können autonome Fahrzeuge überwacht und bei Bedarf ferngesteuert werden. 
  • Der Test-Tool-Hersteller BTC Embedded Systems verantwortete szenarienbasierte und simulative Testansätze zur Gesamtfahrzeugverifikation und Sicherheitsvalidierung unter besonderer Berücksichtigung kritischer Fahrsituationen.
  • Das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC erweiterte im Projekt erstmalig seine Methoden für Cybersicherheits-Risikoanalysen auf automatisierte Lkw und forschte an Lösungen für ein holistisches Security-Management. Auf dieser Grundlage entstanden Security-Risikoanalysen und Schutzkonzepte für die Lkw und ihr Ökosystem.
  • Das Institut für Regelungstechnik der TU Braunschweig erarbeitete unter anderem Konzepte für den sicheren Betrieb von Level-4-Lkw und für die technische Self-Awareness von automatisierten Fahrzeugen. 
  • Der Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TU München steuerte seine Expertise zu Fahrdynamikaspekten bei und erarbeitete ein Interaktionskonzepte für die technische Aufsicht.
  • Tüv Süd brachte bei den Projekttestfahrten seine Erfahrung mit Testumgebungen für automatisierte Fahrzeuge ein, testete die Fähigkeiten der Fahrzeuge und die Validität der Simulation und bewertete im Rahmen des Freigabeprozesses die Sicherheit der Fahrzeuge. 
  • Mit dem Gesetz zum autonomen Fahren fällt die Genehmigung von Betriebsbereichen auf Autobahnen in die Zuständigkeit der Autobahn GmbH. Im Rahmen des Projekts entwickelte sie ein digitales Managementsystem für die Betriebsbereichsgenehmigung und brachte ihre Expertise beim kooperativen und vernetzten Fahren ein. 
  • Die WIVW GmbH baute einen Teleoperator-Arbeitsplatz auf, der durch die Kopplung mit der Fahrsimulation die Steuerung eines virtuellen Lkw erlaubt. Die erarbeiteten Anforderungen an einen Teleoperator-Arbeitsplatz können so in ein konkretes Konzept umgesetzt, implementiert, visualisiert und evaluiert werden.

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