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Fahrbericht Renault Twingo Electric: In der Stadt zu Hause

Autor / Redakteur: Holger Holzer/SP-X / Jens Scheiner

Der Elektroantrieb wurde bei der Entwicklung des Renault Twingo bereits mitgedacht. Nun gibt es ihn endlich zu kaufen.

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Den Renault Twingo gibt es nun auch elektrisch.
Den Renault Twingo gibt es nun auch elektrisch.
(Bild: Renault)

Bei Stadtautos drängt sich eine Elektroantrieb regelrecht auf. Auch dem Renault Twingo passt der neue Motor wie angegossen. Mit rund 190 Kilometern Reichweite und schnellem Wechselstromladen ist auch der gelegentliche Wochenendausflug aufs Land kein Problem. Zum Start gibt es zunächst ein umfangreich ausgestattetes Sondermodell für gut 25.000 Euro. Günstigere Varianten werden bis Jahresende nachgereicht. Auf das rund 21.000 Euro teure endgültige Basismodell müssen Kunden aber wohl noch etwas länger warten.

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Die Elektrovariante des fünftürigen Kleinstwagens teilt sich die Technik weitgehend mit dem Smart Forfour. Allerdings haben die Franzosen ihrem Modell bei gleicher Motorleistung (60 kW/82 PS) eine größere Batterie (21,4 statt 17,6 kWh) verpasst, was für eine alltagsgerechtere Reichweite sorgt. Auf einer ersten Testfahrt ließ sich erahnen, dass Renault dabei eher vorsichtig gerechnet hat; wer überwiegend in der Stadt unterwegs ist, dürfte auch Distanzen von 200 Kilometern und mehr ohne Stopp an der Steckdose absolvieren.

Renault Twingo Electric: CCS-Schnelllader sind tabu

Beim Laden verzichtet der Twingo auf einen schnellen Gleichstromanschluss (DC), reizt im Gegenzug aber das Potenzial von Wechselstrom (AC) komplett aus. An einer geeigneten Wallbox oder Ladesäule saugt er mit 22 Kilowatt, was den Akku in rund einer Stunde zu 80 Prozent füllt. Wer an der deutlich gängigeren Elf-kW-Wallbox oder -Ladesäule tankt, braucht etwas mehr als doppelt so lange. Die CCS-Schnelllader an der Autobahn sind tabu, was die Langstreckenfähigkeit des Twingo einschränkt.

Agil, wendig und mit guter Straßenlage

Als Reiseauto für die Autobahn taugen aber auch die konventionell motorisierten Varianten wenig: Wie alle Kleinwagen sind sie für lange Touren zu laut, zu unkomfortabel und zu eng. Zumindest bei den ersten beiden Punkten bedeutet der neue E-Antrieb gegenüber den üblichen Dreizylinderbenzinern ein großes Plus. Das leise und vibrationsarme Fahren ist im oft hektischen City-Verkehr ein echtes Wellness-Programm. Der flotte Antritt, der minimale Wendekreis (dank Heckantrieb) und die bauartbedingte Automatik dürften hingegen auch eiligeren Stadtbewohnern gefallen. Selbst auf kurzen Überlandetappen punktet der kleinste Renault, der durch die Unterflur-Akkus einen tief liegenden Schwerpunkt hat und damit sehr satt auf der Straße liegt.

Das Platzangebot leidet unter dem neuen Antrieb nicht, da die technische Plattform von Anfang an für die Elektrifizierung vorgesehen war. Ein Raumwunder darf man auf 3,6 Metern Gesamtlänge allerdings nicht erwarten, vor allem auf den beiden Plätzen im Fond zwickt es schon mittelgroßen Insassen. Auch der Kofferraum fällt mit gut 200 bis knapp 1.000 Liter klassentypisch klein aus. Im Cockpit gefallen die vielen Ablagen und das insgesamt freundliche Ambiente, bei der Materialqualität ist aber noch Luft nach oben.

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Unterm Strich überzeugt der Renault als Stadt- oder Zweitwagen. Die Laufruhe, die Kraft und das Zusatzgewicht des E-Antriebs lassen den Twingo Electric solider und verbindlicher wirken als die konventionellen Varianten. Dank des von Renault auf runde 10.000 Euro aufgestockten Umweltbonus liegt der Preis des E-Autos auf gleichem Niveau. Dass die bei der Konkurrenz teils vorhandene DC-Schnellladefähigkeit fehlt, dürfte sich bei einem Stadtauto von vielen potenziellen Kunden verschmerzen lassen.

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