Einst war Infineon mit der Übernahme gescheitert: Nun will Wolfspeed seine Leistungshalbleiter in Europa fertigen. Währenddessen investiert Borg Warner eine halbe Milliarde US-Dollar in das Unternehmen.
Wolfspeed sucht einen Standort in Europa für seine Chipproduktion. Auch Deutschland ist in der Auswahl.
(Bild: Wolfspeed)
Bereits im März hatte Gregg Lowe, Vorstandsvorsitzender des amerikanischen Halbleiterherstellers und Infineon-Konkurrenten Wolfspeed, im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gesagt, dass er gerne eine eigene Chipfabrik in Europa bauen würde. Auch Deutschland als Standort könne er sich vorstellen – vorausgesetzt, die Finanzierungsbedingungen seien günstig, sprich: Es fließen ausreichend Subventionen.
Nun scheinen die Pläne Gestalt anzunehmen: Gegenüber dem Handelsblatt wiederholte Lowe seine früheren Aussagen mit dem Hinweis, auch Standorte in Deutschland zu prüfen. Viele seiner Kunden, die zu einem großen Teil in der Automobilindustrie tätig seien, würden sich ein Werk in ihrer Nähe wünschen. Man habe sich bereits gut ein Dutzend potenzielle Standorte angeschaut – unter anderem in der Bundesrepublik.
Siliziumkarbid: Gefragte Leistungshalbleiter (nicht nur) für Elektroautos
Wolfspeed produziert ausschließlich Leistungshalbleiter – ein Bereich, bei dem insbesondere Deutschland mit Infineon und Bosch bereits sehr gut aufgestellt ist. Auch SiCrystal (Nürnberg), ein Tochterunternehmen von Rohm Semiconductor produziert hier. Wolfspeed fokussiert sich auf die immer stärker nachgefragten so genannten „Wide-Bandgap“-Verbindungshalbleiter Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN), beides Materialien mit großer Bandlücke.
Für Infineon wäre eine Ansiedlung von Wolfspeed ärgerlich: Der Münchner Konzern hatte 2016/17 versucht, den US-Konkurrenten von seinem Vorbesitzer Cree zu übernehmen und so sowohl SiC- und GaN-Know-how zu erlangen und um eine stärkere Präsenz auf dem wichtigen amerikanischen Markt zu erlangen. Das US-Unternehmen war damals noch ein kleinerer Anbieter mit etwa 500 Mitarbeitern. Gegenüber Leistungschips auf Siliziumbasis ermöglichen SiC- und GaN-Halbleiter höhere Schaltfrequenzen bei gleichzeitig geringerem Energieverlust. Damit sind sie besonders attraktiv für den Einsatz in Elektroautos oder für schnellere Mobilfunktechniken.
Letztlich scheiterte die Akquisition an den Bedenken der US-Regierung. Konkret legte der US-Ausschuss für ausländische Investitionen CFIUS (Committee on Foreign Investments in the United States) sein Veto ein.
Borg Warner investierte eine halbe Milliarde US-Dollar in Wolfspeed
Vergangenen Monat hat Wolfspeed auf seinem Investorentag angekündigt, insgesamt 6,5 Milliarden Dollar in den Kapazitätsausbau zu investieren. Dazu gehören zusätzliche Werkzeuge in der 200-mm-Fertigung des Unternehmens in Mohawk Valley und der Bau einer 445 Hektar großen Siliziumkarbid-Materialfabrik in North Carolina. Damit soll die bestehende Materialkapazität des Unternehmens um mehr als das Zehnfache steigen. Die erste Bauphase soll bis Ende des Geschäftsjahres 2024 abgeschlossen sein.
Mitte November 2022 hatte der Zulieferer Borg Warner bekannt gegeben, im Rahmen einer Partnerschaft 500 Millionen US-Dollar in Wolfspeed zu investieren und sich damit eine jährliche Kapazität von bis zu 650 Millionen US-Dollar für Siliziumkarbid-Bauelemente zu sichern. „Siliziumkarbid-basierte Leistungselektronik spielt für unsere Kunden eine immer wichtigere Rolle, da unser Geschäft mit Elektrofahrzeugen weiter an Fahrt gewinnt“, sagt Frédéric Lissalde, Präsident und CEO von Borg Warner. Er hofft auf eine zuverlässige Versorgung mit hochwertigen Siliziumkarbid-Bauelementen, die für die Wachstumspläne des Unternehmens im Bereich Wechselrichter „von großer Bedeutung“ seien.
Gemeinsame Entwicklung von neuen Siliziumkarbidprodukten
Wolfspeed und Borg Warner wollen prüfen, wie man zusammen neue Technik entwickeln kann. Gemeinsam wolle man Innovationen vorantreiben, den weltweiten Übergang zu Elektrofahrzeugen beschleunigen. Nach eigenen Angaben ist der Zugang zu Siliziumkarbid-Bauelementen für Borg Warners Wachstumsplan für Wechselrichter und der eigenen „Charging Forward“-Strategie von großer Bedeutung.
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