Fahrbericht

Skoda Octavia RS: Souveräner Familiensportler

| Autor: Jens Scheiner

Aktuell dürfen wir den überarbeiteten Skoda Octavia RS in Rallye-Grün-Metallic und einem 2,0-Liter-TSI mit 169 kW / 230 PS testen.
Aktuell dürfen wir den überarbeiteten Skoda Octavia RS in Rallye-Grün-Metallic und einem 2,0-Liter-TSI mit 169 kW / 230 PS testen. (Bild: Sven Prawitz)

Anfang 2017 hat Skoda dem Octavia RS ein Facelift verpasst. Dabei haben Designer und Ingenieure den familientauglichen Sportler nicht nur optisch verändert, sondern auch die Ausstattung und Motoren aufgefrischt. Wir haben die zweitstärkste Version getestet.

Der Skoda Octavia Kombi gilt schon seit Jahren als preiswerte Alternative zu Passat, Insignia und Co. Etwa 90 Prozent seiner deutschen Käufer entscheiden sich für die Kombi-Variante, die neben einem Kofferraumvolumen von 1.740 Liter auch in Sachen Komfort punktet. Damit ist der Octavia-Kombi nicht nur das perfekte Familienauto, sondern ist in der RS-Version zudem ein kerniger Kraftprotz. Und da bereits jeder fünfte Octavia ein RS ist, haben die Tschechen dem Verkaufsschlager Anfang 2017 ein Facelift verpasst.

Außen zeigt der RS mit den Wabengittereinsätzen in den großen Lufteinlässen ein prägnantes Gesicht. Dazu trägt auch die neue Scheinwerferoptik bei: Vier Voll-LED-Scheinwerfer mit einem adaptiven Lichtsystem sowie im Stoßfänger integrierte LED-Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht prägen die Frontoptik. Außerdem trägt der breitere Kühlergrill das RS-Logo. Die Seitenlinie verläuft unauffälliger und ist im Gegensatz zum Vorgänger gerader gezeichnet. Das Heck schließt beim Combi mit einem Dachkantenspoiler ab, und die großen Endrohre der Abgasanlage sind in Edelstahl ausgeführt. Die markentypischen c-förmigen Rückleuchten wurden vom Vorgänger übernommen, sind jetzt aber auch mit LED-Technik verfügbar.

Zweitstärkste Motorvariante

Obwohl die Motorenentwickler im Vergleich zum Vorgänger weitere zehn PS aus dem 2,0-Liter starken Vierzylinder herausgeholt haben, ist unser Testwagen mit 169 kW/230 PS nicht der leistungsstärkste Octavia RS. Denn mit dem Octavia RS 245 haben die Ingenieure dank Software-Tricks zusätzliche 15 PS Leistung generiert und den 2,0-Liter-TSI auf 180 kW/245 PS getrimmt.

Allerdings spürt man die extra Power lediglich im Geldbeutel, denn mit 3.000 Euro Aufpreis unterscheidet sich der RS 245 nicht wesentlich vom schwächeren Schwestermodell – zumindest auf dem Datenblatt: Denn der „normale“ RS ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 247 km/h nur um 3 km/h langsamer und beim Spurt von 0 auf 100 km/h mit 6,7 Sekunden nur um eine Zehntel träger als die Power-Version. Wir haben uns bei den Testfahrten auf der Autobahn allerdings mit einer Höchstgeschwindigkeit von 237 km/h zufrieden gegeben.

Beim Beschleunigen ist uns aufgefallen, dass der Zweiliter-Vierzylinder seine Arbeit immer leicht verzögert aufnimmt und das, obwohl ein Drehmoment von 350 Newtonmetern zur Verfügung steht. Das kleine Leistungsloch erinnert etwas an das Turboloch der früheren Dieselmotoren. Für die Übertragung der Kraft auf die Vorderachse stehen wahlweise eine leichtgängig arbeitende manuelle Sechsgang-Schaltung, die bei uns im Testwagen verbaut war und gleichzeitig in Serie kommt oder ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe gegen einen Aufpreis von 1.800 Euro Aufpreis. Mit Handschaltung verbraucht der RS laut Skoda 6,5 Liter auf 100 Kilometer. Wir erreichten einen durchschnittlichen Verbrauch von 7,9 Litern bei einer ausgeglichenen Fahrweise auf der Autobahn, im Stadtverkehr sowie auf der Bundesstraße.

Der Fahrmodus „Sport“

Egal ob langsam oder schnell: Die Geräusche des Fahrtwindes hört man im Innenraum kaum. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten jenseits der 180 km/h sind Unterhaltungen mit den Fondpassagieren noch problemlos möglich. Dennoch ist für ein Auto mit dieser Power das Aggregat für unseren Geschmack ein bisschen zu laufruhig. Abhilfe schafft das Aktivieren des Fahrmodus „Sport“: Erst danach schaltet sich der Soundgenerator ein, und das Auto gibt ein kerniges Grollen von sich – allerdings nur im Innenraum, denn aus den Doppelendrohren röhrt es leider nicht. Gleichzeitig übernimmt die adaptive Fahrwerksregelung (für 1.015 Euro Aufpreis) über elektrisch gesteuerte Ventile die Arbeit der Dämpfer und passt das bei schnellen Kurvenfahrten automatisch das Fahrwerk an.

Von Haus aus liegen alle RS-Versionen straff auf der Straße und sind beim neuen RS 15 mm tiefer als der Vorgänger. Außerdem ist die hintere Spur 30 mm breiter als noch beim alten Modell. Die Lenkung arbeitet fest und präzise – die Rückmeldung ist nicht zu direkt. Bei schnellen Richtungswechseln oder Ausweichen verhält sich der Octaiva RS tadellos.

Dürftige Serienausstattung

Das Dreispeichen-Lenkrad liegt dabei gut in der Hand und hebt sich durch die roten Ziernähte etwas von der weitgehend in schwarz gehaltenen Innenausstattung ab. Das Cockpit wirkt mit dem vielen Kunststoff etwas eintönig. Zusätzliche Farbelemente in Form von weiteren roten Ziernähten an den Sitzen sowie dem Schaltknüppel sorgen für minimalen Kontrast. Die in Alcantara-Leder ausgeführten RS-Sportsitze geben einen guten Seitenhalt und sind serienmäßig an Bord. Leider ist nur der Fahrersitz elektrisch verstellbar, der Beifahrersitz muss manuell eingestellt werden.

Ebenfalls serienmäßig sind die Ambientebeleuchtung und eine neu gezeichnete Instrumenteneinheit mit farbigen Display. Es gibt insgesamt drei Infotainmentsysteme im Octavia RS: „Bolero“ mit Musiksystem und einem Acht-Zoll-Touchdisplay ist das günstigste. Beim „Business Admundsen“ ist außerdem noch ein Navi enthalten. Die in unserem Testwagen verbaute Topversion „Business Columbus“ beinhaltet ein 9,2-Zoll-Touch-Navigationssystem und WLAN-Hotspot mit einem optional buchbaren LTE-Modul. Leider muss man in der neuen Version fast alle Funktionen über die berührungsempfindlichen Flächen steuern. Das gelingt nicht immer so präzise, wie wir es gerne gehabt hätten. Der Kartenzoom beispielsweise funktioniert nur verzögert, sodass die Einstellung viel Fingerspitzengefühl benötigt. Die Routenberechnung dauert uns einen Tick zu lang, zeigt allerdings im Staufall zuverlässig eine alternative Strecke an.

Helferlein im Skoda Octavia RS

Auch der Spurhalteassistent hat nicht ganz reibungslos funktioniert: Bei einer verbreiterten Spur hat er sich entweder an der linken oder an der rechten Fahrbahnmarkierung orientiert, sodass wir immer extrem weit außen gefahren sind. Auch die Lenkeingriffe waren in diesem Fall sehr abrupt und wenig feinfühlig. Der Abstandstempomat für 820 Euro extra hält bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h die korrekte Distanz zum Vordermann und bremst im Notfall auf 0 km/h runter. Im Test hat das System ganz gut funktioniert, allerdings mussten wir nie bis zum Stand herunter bremsen.

Neu im Skoda ist der Crew Protect Assist, der bei einem drohenden Unfall Fenster und Schiebedach schließt, die Sicherheitsgurte von Fahrer und Beifahrer strafft und mit dem verbesserten Front Assist inklusive City-Notbremsfunktion und vorausschauendem Fußgängerschutz zusammenarbeitet. Erweitert haben die Ingenieure zudem die Funktionen des Parklenkassistenten. Serienmäßig ist allerdings nur der Frontradarassistent inklusive City-Notbremsfunktion mit Personenerkennung. Alle anderen Features unseres Testwagens sind aufpreispflichtig. Das treibt den Basispreis von 31.590 Euro kräftig in die Höhe: Insgesamt werden bei unserem Testwagen 42.859 Euro fällig. Damit bewegt er sich auf einem Level mit dem VW Passat, der in der Highline-Ausstattung und einem 162 kW/220 PS starken Aggregat für 42.550 Euro zu haben ist.

Der Skoda Octavia RS ist ein grundsolider Sportler, der außerdem über reichlich Platz und Komfort verfügt. Abgesehen von den kleinen Schwächen des Infotainmentsystems ist er jetzt auch technisch wieder auf dem neuesten Stand, spielt aber mittlerweile in der gleichen Preisklasse wie seine Konkurrenz.

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