Zustandsüberwachung

Start-up Indtact: Sensoren für Körperschall

| Autor: Svenja Gelowicz

Entwickeln Körperschallsensoren: die Indtact-Gründer Clemens Launer und Raino Petricevic (v. li.).
Entwickeln Körperschallsensoren: die Indtact-Gründer Clemens Launer und Raino Petricevic (v. li.). (Bild: iNDTact)

Das Würzburger Sensor-Start-up Indtact hat 2016 den deutschen Gründerpreis gewonnen und nennt Konzerne wie ZF, Airbus, EBM-Papst oder Bosch Rexroth als Kunden. Seine Sensoren verleihen Bauteilen einen Tastsinn. Schon bald will das Start-up den Sprung in die Großserie wagen.

Vier Wochen lang hat Porsche Consulting das Start-up auseinandergenommen: Indtact wurde umstrukturiert, die Produktion und das Kundenmanagement optimiert, Standards überprüft. Innerhalb von wenigen Monaten haben Raino Petricevic, 49, und Clemens Launer, 36, Gründer des Sensorik-Unternehmens Indtact, ihr Start-up auf einen Stand gebracht, für den sie sonst wohl Jahre gebraucht hätten. „Ohne das Coaching hätten wir unsere Produktion nicht so im Griff“, resümiert Petricevic, „wir setzen jetzt Ansätze um, die sich bereits in der Großindustrie bewährt haben.“

Das Coaching war ein Teil des Award-Pakets des Deutschen Gründerpreises: 2016 setzten sich die Würzburger an die Spitze der Preisverleihung, ein Jahr zuvor gewannen sie bereits den Bayerischen Gründerpreis. Was beeindruckte die Juroren an der Technologie so sehr, dass sich das unterfränkische Start-up gegen die Konkurrenz aus Gründer-Hochburgen wie Berlin, München oder Stuttgart durchsetzen konnte?

Dafür lohnt sich ein Blick an den Anfang: Denn der Tech-Chef des Unternehmens Petricevic arbeitete zuvor schon viele Jahre im Bereich der Sensorentwicklung. Den Businessplan für Indtact schrieb er in einem halben Jahr nieder – und traf schließlich im Innovations- und Gründerzentrum Würzburg (IGZ) auf Clemens Launer. Mit ihm gründet er schließlich 2013 die Firma, zwei Business Angels finanzieren die Seed-Phase. Bereits im zweiten ersten Jahr generiert Indtact Umsätze, ab dem dritten Jahr trägt sich das Unternehmen fast selbst und steht heute ganz auf eigenen Füßen. „Wir haben seitdem kein Wachstumsinvest in Anspruch genommen“, sagt Petricevic, dies sei aktuell aber ein Thema.

Tastsinn für Festkörper

Indtact-Sensoren detektieren Körperschall; also Schwingungen, die sich über Festkörper ausbreiten. Der hochsensible Sensor könne dies laut Petricevic im nieder- und hochfrequenten Bereich. Dadurch reagieren die Sensoren sehr empfindlich auf akustische Emissionen, Schwingungen oder winzige Materialveränderungen. Die Sensoren sind mit einem Computer verbunden. „Der Computer ist das Gehirn; dort sind Informationen über verschiedenste Zustände hinterlegt und auch die Erfahrung, wie die jeweilige Information zu interpretieren ist“, sagt Petricevic.

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Die Körperschallsensoren seien günstig und robust – und verfügten trotzdem über eine extrem hohe Bandbreite und Sensitivität. Deshalb sei das Produkt so interessant für die Industrie. Wie das funktioniert? Der Basissensor sei genial, erklärt Entwicklungsingenieur Bernhard Schultz, 31, er ist zuständig für das Produktmanagement. Das Erfolgsrezept stecke darin, wie Sensor und Daten aufgebaut und verarbeitet sind – und dieses Geheimnis hütet Indtact wie einen Schatz.

Sensorsysteme für Predictive Maintenance

Gerade tüfteln die Ingenieure an Sensorsystemen für Zustandsüberwachung. „Wir ,verheiraten‘ den Körperschallsensor und weitere Sensoren mit einer elektronischen Steuereinheit. In der Hardware soll dann in Kürze die gesamte Informationsverarbeitung stattfinden“, erklärt Bernhardt. Diese Systeme arbeiten dann Plug-and-Play, also autark von einer Produktions-IT – zum Beispiel, um Anlagen zu überwachen, für Predictive Maintenance.

Ein fühlendes System hat Indtact auch für Porsche entwickelt. Hintergrund des Projekts: Die größte Fehlerquelle beim Zusammenbau von Autos sind nicht richtig eingerastete Steckverbindungen. Die Idee von Indtact: über einen Sensor den Körperschall des Steckers erfassen. Der Werker trägt den Sensor so, dass dieser nicht das Auto zerkratzt oder ihn bei der Arbeit stört. Das System wertet mittels Körperschall und Schwingung richtig gesteckte Stecke gegen falsch gesteckte aus – und warnt bei Abweichungen vom Normalverhalten.

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500.000 Sensoren pro Jahr kann Indtact ausliefern

Der Prototyp funktioniere gut, sagt Petricevic, jetzt müsse eine künstliche Intelligenz auf verschiedene Stecker eintrainiert werden. Gerade verhandelt Indtact mit der Managementberatung MHP darüber, die Indtact-Hardware mit einer MHP-Auswertesoftware zu kombinieren.

Im Würzburger IGZ hat sich Indtact über zwei Etagen ausgebreitet, in der unteren fertigen Mitarbeiter die Produkte. „Wir haben die gesamte Wertschöpfungskette im Haus“, erzählt Petricevic, die Serienfertigung planen die Würzburger für 2019, dafür wollen sie sich weiter vergrößern. Bereits jetzt könne das junge Unternehmen bis zu 100.000 Systeme und über 500.000 Sensoren pro Jahr ausliefern. Kunden sind namhafte Konzerne: ZF, Airbus, Bosch Rexroth oder EBM-Papst.

Indtact agiert und denkt global, gerade der asiatische Markt lockt – eine Außenstelle in Singapur gibt es längst. Gerade hat das Unternehmen den German-Singapore-Accelerator gewonnen; der Preis: ein Unterstützungspaket bei der Ausweitung des Marktes auf South-East-Asia. Die Würzburger wollen keine Nische besetzen, Mobilität breit denken und nicht weniger, als die ganze Welt mit Tastsinn auszustatten, sagt der Tech-Chef: „Wir werden jedes Jahr größer und sind nach oben offen, was das Wachstum angeht. Es geht jetzt langsam los“, meint Petricevic

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