Suchen

Additive Fertigung

Stratasys und McLaren kooperieren

| Autor: Thomas Günnel

McLaren Racing und Stratasys haben im Januar ihre Zusammenarbeit bekanntgegeben. Jetzt stellten beide Unternehmen deren Inhalte am Sitz von McLaren im englischen Woking vor.

Firmen zum Thema

Der britische Rennstall McLaren kooperiert mit dem Anbieter von Konzepten für den 3-D-Druck, Stratasys.
Der britische Rennstall McLaren kooperiert mit dem Anbieter von Konzepten für den 3-D-Druck, Stratasys.
(Bild: LAT/McLaren)

Stratasys ist seit Januar offizieller Lieferant von 3D-Druck-Konzepten für das McLaren-Honda Formel-1-Team. Mittels der Polyjet- und FDM (Fused Deposition Modeling) -Verfahren stellt der Rennstall auf Druckmaschinen von Stratasys Prototypen, Produktionswerkzeuge und Bauteile für die Formel-1 her. Jetzt luden beide Unternehmen zum McLaren-Haupsitz im englischen Woking ein, um über den Stand der Zusammenarbeit zu informieren. „Wir verändern und verbessern die Designs unserer Formel-1-Rennwagen ständig – und wir müssen sie schnell testen können. Die additive Fertigung reduziert unsere Vorlaufzeiten deutlich“, erklärte dabei Neil Oatley, Leiter der Abteilung Design und Entwicklung bei McLaren Racing. In der aktuellen Rennsaison hat das Team einen 3-D-Drucker vor Ort, für Rennstreckentests und Rennen.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 15 Bildern

Additiv gefertigte Fahrzeugteile

Konkret entstanden seit Januar bereits mehrere Fahrzeugteile additiv, die für Tests oder im tatsächlichen Rennwagen zum Einsatz kommen: eine Strukturklammer für Hydraulikleitungen, flexible Buchsen für Funkkabel, Bremskühlleitungen aus Kohlenstofffaser und eine Heckklappenverlängerung aus kohlenstofffaserverstärktem Verbundmaterial. Verglichen mit den jeweiligen vorherigen Herstellverfahren, ließen sich die Teile in deutlich kürzerer Zeit herstellen. Das verwendete FDM (Fused Deposition Modeling)-Verfahren nutzt ein thermoplastisches Material, hier ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere), das ein temperaturgesteuerter Extrudierkopf schichtweise aufträgt.

Außerdem fertigt das Rennteam Ergonomie-Prototypen zum Beispiel der Steuereinheiten für die Rennfahrer additiv. Zum Einsatz kommt dabei das so genannte Polyjet-Verfahren, bei dem ein flüssiges Polymer schichtweise aufgetragen und mit UV-Licht sofort ausgehärtet wird. Der Vorteil des Verfahrens: Es lassen sich unterschiedliche Materialien und Farben während der Fertigung verwenden – im Fall der Steuereinheit entsteht so ein entsprechend plastisches und authentisches Modell des Originals. „Die Formel 1 ist einer der besten Prüfstände für unsere additiven Fertigungskonzepte – und wir können hier neue Materialien und Applikationen entwickeln, die auch andere Automobilhersteller verwenden können“, sagte Andy Middleton, Präsident von Stratasys EMEA, während der Veranstaltung, und fügte an: „Und glauben Sie mir, McLaren fordert uns.“

Fahrzeuge personalisieren

Konkret erwartet Middleton in naher Zukunft das Thema „mass customization“, also die großserientaugliche Personalisierung von Fahrzeugen, bei vielen OEMs. Auch das automatisierte Fahren eröffne hier neue Möglichkeiten, weil sich neue Anwendungsfelder ergäben. Bis zum serientauglichen Einsatz der additiven Fertigung vergehe aber noch einige Zeit, Middleton schätzte hier grob fünf bis zehn Jahre. Etwas eher, in etwa drei Jahren, sollen aber bereits strukturelle Teile für Formel-1-Fahrzeuge additiv entstehen. Ein nächstes Entwicklungsziel sind laut Middleton große, mehrere Meter lange Teile. Notwendig seien dazu entsprechend ausgerüstete Maschinen mit beweglichen Achsen, denen zum Beispiel Roboter das für die Fertigung notwendige Material zuführen. Außerdem arbeite Stratasys daran, keramische Materialien zu drucken. Die Medizinbranche nutze dieses Material vorrangig für Implantate, im Automobil seien so aber belastbarere und vor allem temperaturbeständigere Bauteile denkbar.

Über Stratasys

Seit mehr als 25 Jahren ist Stratasys Ltd. einer der Branchenführer für Konzepte für den 3-D-Druck und Additive Fertigung. Das Unternehmen mit Firmensitzen in Minneapolis, Minnesota und Rehovot, Israel, beschäftigt mehr als 2.700 Mitarbeiter, verfügt weltweit über 1.200 Patente und Patentanmeldungen für additive Fertigungsverfahren und hat bereits mehr als 30 Auszeichnungen für seine Technologien und Führungseigenschaften erhalten.

Über McLaren

Das McLaren-Team wurde im Jahr 1963 vom neuseeländischen Rennfahrer Bruce McLaren gegründet. In Monaco feierte McLaren 2016 das 50. Jubiläum als Teilnehmer der Formel 1. Seit 1966, dem Jahr der ersten Teilnahme an einem Formel-1-Rennen, hat McLaren 20 Weltmeistertitel und über 180 Grand-Prix-Titel gewonnen. Die McLaren Technology Group wurde erweitert, um mehr als nur Formel-1-Rennen abzudecken: McLaren baute in den 1990er Jahren den Supersportwagen McLaren F1, und mit der Gründung von McLaren Automotive wurden später eine Reihe von Hochleistungswagen hergestellt, darunter der legendäre McLaren P1. McLaren Applied Technologies entwickelt Geschäftspartnerschaften, die auf dem Know-how in den Bereichen Hochleistungsdesign, Performancemanagement und Simulationssystemen beruhen. Außerdem entwickelt das Unternehmen Steuereinheiten für die gesamte Formel 1, Indy Car- und NASCAR-Rennen, baut und wartet diese.

Das McLaren-Honda-Team bestreitet die FIA Formel-1-Weltmeisterschaft 2017 mit dem zweifachen Weltmeister Fernando Alonso und dem belgischen Neuling Stoffel Vandoorne, der 2016 beim Großen Preis von Bahrain mit seinem Renndebüt für McLaren-Honda in einem einmaligen Rennen punkten konnte. Die Kooperation mit Stratasys gab das Unternehmen bereits im Januar 2017 bekannt.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 44626080)

Über den Autor

 Thomas Günnel

Thomas Günnel

Redakteur/Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE