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Neue Mobilität Studie: Geschäftsmodell Carsharing geht nicht auf

| Autor/ Redakteur: sp-x/dpa / Andreas Grimm

Alternative Mobilitätsangebote klingen gut, werden in der Praxis aber nicht genutzt: Laut einer Studie des CAR-Instituts steigt selbst in den Großstädten der Fahrzeugbestand, während alternative Angebote wenig Erfolg haben.

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Eine Auto-Müdigkeit in der deutschen Bevölkerung sei nicht zu erkennen, will eine Studie herausgefunden haben.
Eine Auto-Müdigkeit in der deutschen Bevölkerung sei nicht zu erkennen, will eine Studie herausgefunden haben.
(Bild: Daimler)

Ungeachtet aller Diskussionen um eine Verkehrswende halten die Deutschen bislang am eigenen Auto fest. Neue Mobilitätsdienstleistungen ändern daran nichts, hat eine am Sonntag (1. Dezember) veröffentlichten Studie des CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen festgestellt. Sowohl bundesweit als auch speziell in den Großstädten steigt die Pkw-Dichte laut der Studie immer weiter, gleichzeitig gehen die Geschäftsmodelle von Carsharing und Co. nicht auf.

Im laufenden Jahr kommen bei einem Bestand von 47,1 Millionen Autos demnach 567 Wagen auf 1.000 Einwohner. Zehn Jahre zuvor waren 1.000 Menschen in Deutschland noch mit 504 Autos klar gekommen. Seit 2009 ist die Zahl der Pkw in Deutschland um 5,8 Millionen oder 1,4 Prozent auf 47,1 Millionen Fahrzeuge gestiegen. Auch in den eigentlich gut mit öffentlichem Nahverkehr erschlossenen Ballungsräumen legte die Zahl der angemeldeten Autos zu. Beispielsweise in München, Hannover, Leipzig, Braunschweig und Düsseldorf wuchs der Bestand in dem beobachteten Zehnjahreszeitraum stärker als im bundesdeutschen Schnitt von 14 Prozent. Allerdings wurde hier nicht das Bevölkerungswachstum berücksichtigt.

Eine Auto-Müdigkeit in der deutschen Bevölkerung sei nicht zu erkennen, urteilt das CAR in der Zehn-Jahres-Bilanz sogenannter Mobility-Services. Das oft gebrachte Argument, Großstädter wollten kein Auto, stehe im Widerspruch zu den Fakten, so CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer.

Praktische Probleme beim Carsharing

Carsharing-Angebote haben Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer zufolge wenig Erfolg. Der Bestand von 20.200 Fahrzeugen entspreche einem Anteil von 0,04 Prozent aller Pkw. Unter den 2,46 Millionen Fahrberechtigten vermutet der Autoexperte viele „Karteileichen“, die ihre Mitgliedschaft nicht aktiv nutzen. Auch in den kommenden Jahren werde das persönlich nutzbare Auto seine Bedeutung behalten, Abo-Modelle könnten den Besitz zudem risikoloser und komfortabler ausgestalten.

Neben dem mäßigen Kundenzuspruch ist Carsharing laut Dudenhöffer ein schwieriges Geschäft: Der Anbieter habe hohe Kapazitätskosten durch die vielen Fahrzeuge im Bestand; bei geringer Auslastung oder nicht kostendeckenden Preisen würden die Unternehmen schnell in die Verlustzone fahren. Von den zahlreichen Carsharing-Diensten der Autohersteller seien nicht zuletzt deswegen mittlerweile nur noch wenige übrig. Opel, Mazda und Citroën etwa haben ihre Angebote längst wieder eingestellt, die Branchenführer Car2go (Daimler) und Drive Now (BMW) schlossen sich zusammen, um profitabler zu werden.

Bundesverband Carsharing widerspricht Studie

Der Bundesverband Carsharing kritisierte die Studie als „Polemik mit wissenschaftlichem Anstrich“. Carsharing sei seit Jahren ein Wachstumsmarkt, sagte Verbandsgeschäftsführer Gunnar Nehrke der Deutschen Presse-Agentur. Bundesweit hätten nur 3 Prozent der Einwohner über 16 Jahren eine Carsharing-Möglichkeit, in Städten wie Hamburg und Berlin beteiligten sich aber bereits 16 Prozent. „Hier zeigen sich erste Anzeichen, dass Carsharing die Nische verlässt“, sagte Nehrke.

Er betonte, die Politik habe private Autos und persönliche Dienstwagen jahrzehntelang gefördert, die Industrie „mit ungeheuren Marketing-Budgets“ dafür geworben. Ein eigenes Auto zu besitzen, sei für viele Deutsche „zum Mobilitäts-Paradigma schlechthin“ geworden. Deshalb fordere der Verband, dass Bund, Länder und Kommunen die flächendeckende Bereitstellung von Carsharing-Angeboten ebenso systematisch fördern wie den klassischen Individualverkehr.

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