Suchen

Wirtschaft Studie: Mehrheit der Autohersteller nennt nachhaltige Wertschöpfung als Vergabekriterium

Redakteur: Svenja Gelowicz

Vor allem Sublieferanten haben einer aktuellen Studie zufolge Nachholbedarf beim Wandel zu mehr Nachhaltigkeit. Welche Faktoren die Unternehmen dabei am meisten unter Druck setzen und was das größte Hindernis für Umwelt-Maßnahmen ist.

Firmen zum Thema

In seiner Lackiererei im ungarischen Győr testet Audi ein neues Verfahren zur Karosserieabdichtung. Das soll die Umwelt schonen, dank präziserer Abläufe würde fast kein Abdichtmaterial verschwendet.
In seiner Lackiererei im ungarischen Győr testet Audi ein neues Verfahren zur Karosserieabdichtung. Das soll die Umwelt schonen, dank präziserer Abläufe würde fast kein Abdichtmaterial verschwendet.
(Bild: Audi)

Neun von zehn Unternehmen der Automotive-Branche in Deutschland haben Nachholbedarf, wenn es um nachhaltiges Wirtschaften geht. Das ist ein Ergebnis der Studie „Green Transformation in der Automobilindustrie“ von der Unternehmensberatung Staufen. Die Autoren befragten dafür über 250 Automobilhersteller und Zulieferer aus Deutschland. Ein Hindernis für mehr Nachhaltigkeit sei demnach die fehlende wirtschaftliche Rentabilität vieler ökologischer Maßnahmen. Mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen gab an, dass die kaufmännische Sicht den ökologischen Blick dominiere. Weitere Hindernisse seien hohe Risiken und Unsicherheiten im Unternehmensumfeld (50 Prozent), eine fehlende übergeordnete Strategie (32 Prozent) und fehlende personelle Ressourcen (31 Prozent).

Gesetze und Unternehmensverantwortung als größte Treiber

Doch die Richtung zumindest der OEMs ist klar: Über 60 Prozent haben eine Nachhaltigkeitsbewertung als Vergabekriterium bei der Lieferantenauswahl festgelegt. Laut der Studie hätten von den Automobilzulieferern nur etwa 40 Prozent eine solche Vorgabe implementiert. Die wichtigsten Treiber für Unternehmen sind Gesetze und Regularien, die gesellschaftliche Verantwortung und Wettbewerbsvorteile.

Maßnahmen fokussieren Energie- und Materialeinsparungen

Die Studienautoren haben zwei Kenngrößen entwickelt, dargestellt als Dezimalwert zwischen Eins und Vier. Damit wollen sie die wichtigsten Stellhebel für mehr Nachhaltigkeit verdeutlichen: Interessant ist dabei vor allem der sogenannte „Green Maturity Index“, der angibt, welchen Reifegrad die Nachhaltigkeitsmaßnahmen in den einzelnen Unternehmen haben. In die Berechnung eingeflossen sind Angaben zum Fortschritt der Umsetzung, der Tiefe der Durchdringung und der thematischen Breite.

Dieser Index liegt insgesamt bei 2,36 Punkten. Der Reifegrad auf Unternehmensebene liege mit 2,70 etwas höher als in der Wertschöpfungskette (2,02). Insgesamt sehen sich fast neun von zehn Autoherstellern als stark engagiert, bei den Zulieferern ist es nur jeder zweite.

Vor allem die Sublieferanten ab Tier-2-Ebene hätten dabei Nachholbedarf. Sie konzentrierten sich dabei eher darauf, Energie und Material zu sparen und so die Kosten zu senken. Doch gerade bei CO2-Neutralität mangele es noch.

„Bei dieser Abstufung von OEMs hinunter zu den tieferen Gliedern der Lieferkette zeigt sich deutlich der Einfluss der Endkunden“, sagt Thilo Greshake, Leiter Bereich Automotive bei Staufen. „Ein hoher Markenwert vergrößert die Anstrengungen für Nachhaltigkeit, da ökologische Fragen in Kaufentscheidungen einfließen.“

(ID:46945695)