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Verkehrspsychologie Studie zu Fahrertypen: Bestrafer oder Philosoph?

| Redakteur: Thomas Günnel

„Was soll das Gedrängel, Du Vollidiot?!“ – Wenn die Ansichten über das Fahrverhalten zu weit auseinandergehen, wird es oft undiplomatisch und gefährlich. Goodyear und die London School of Economics and Political Science erforschen deshalb die unterschiedlichen Fahrertypen.

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Interaktionen zwischen Autofahrern sind oft schwierig und emotional. Eine Studie von Goodyear und der London School of Economics and Political Science erforscht die unterschiedlichen Fahrertypen.
Interaktionen zwischen Autofahrern sind oft schwierig und emotional. Eine Studie von Goodyear und der London School of Economics and Political Science erforscht die unterschiedlichen Fahrertypen.
(Bild: Goodyear Dunlop)

Der Straßenverkehr birgt für Autofahrer großes Potenzial für Stress und Frustration – häufig die Ursache für gefährliche Fahrmanöver und andere risikante Verhaltensweisen. Studien zur Verkehrssicherheit konzentrierten sich bislang meist auf Einflüsse der physischen Umwelt auf Fahrer, wie den Verkehrsfluss. Der Reifenhersteller Goodyear Dunlop und die London School of Economics and Political Science (LSE) forschen nun an den sozialen Hintergründen. Dazu befassen sich die Wissenschaftler intensiv mit den Interaktionen zwischen Autofahrern und ihren gegenseitigen Einstellungen. Die Sozialpsychologen der LSE haben in der ersten Phase des laufenden Forschungsprojekts mittels Fokusgruppen und Tiefeninterviews sieben grundverschiedene Fahrer-Profile herausgearbeitet.

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Die sieben Fahrer-Typen

  • Der Belehrer muss sicherstellen, dass andere Fahrer wissen, was sie falsch gemacht haben, und erwartet Anerkennung seiner Bemühungen, andere zu belehren.
  • Der Besserwisser denkt, er ist von inkompetenten Mit-Verkehrsteilnehmern umgeben und begnügt sich damit, andere Fahrer aus dem geschützten Bereich seines Fahrzeugs heraus herablassend anzuschreien.
  • Der Wettkämpfer muss immer an vorderster Stelle fahren und ärgert sich, wenn ihn jemand daran hindert. Es ist möglich, dass er beschleunigt, wenn ihn jemand überholen will, oder dass er dicht auffährt, damit niemand vor ihm einfädeln kann.
  • Der Bestrafer möchte andere Fahrer für wahrgenommenes Fehlverhalten bestrafen. Gut möglich, dass er aus seinem Auto aussteigt und andere Fahrer direkt konfrontiert.
  • Der Philosoph akzeptiert Fehlverhalten und versucht, dieses rational zu erklären. Es gelingt ihm, seine Gefühle beim Autofahren zu kontrollieren.
  • Der Vermeider verhält sich gegenüber Fahrern, die Fehlverhalten zeigen, distanziert, sieht sie als potentielle Gefahr.
  • Der Aussteiger hört Musik oder telefoniert, um sich selbst zu isolieren. Er lenkt sich ab – auch vom Verkehrsgeschehen, um nicht mit anderen Autofahrern in Beziehung treten zu müssen. In erster Linie ist dies eine Strategie, um frustrierende Erlebnisse zu vermeiden.

Die Straße als unsichere soziale Umgebung

„Die meisten dieser Verhaltensweisen können leider zu gefährlichen Situationen führen. Je besser wir verstehen, wie wir uns als Autofahrer verhalten und was die Ursachen hierfür sind, desto eher können wir an uns arbeiten und selbst zu mehr Sicherheit beitragen“, erläutert Olivier Rousseau, Vice President bei Goodyear für den Bereich Pkw-Reifen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika, über die Ergebnisse sowie den Zweck der Untersuchung.

Dr. Chris Tennant, Sozialpsychologe und Leiter des Forschungsprojektes bei der LSE, ergänzt: „Interaktionen zwischen Autofahrern können die Straße zu einer schwierigen und unsicheren sozialen Umgebung machen. Während wir uns über die Fahrweise der anderen Gedanken machen, hängt auch deren Verhalten davon ab, was wir tun. Wir tragen hierdurch dazu bei, bei unserem Gegenüber jene Persönlichkeitsaspekte hervorzurufen, die wir selbst nicht mögen. Keiner ist dabei stets ausschließlich die eine oder die andere Persönlichkeit.“

Finale Studienergebnisse im Oktober 2015

Die zweite Phase des Projekts umfasst eine europaweite Studie, die sich auf 15 Länder erstreckt. Die finalen Ergebnisse werden für Oktober 2015 erwartet.

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