Suchen

Fahrbericht Subaru Forester E-Boxer: Elektrisch ins Gelände

| Autor: Jens Scheiner

Eine neue Plattform, ein kleiner E-Motor samt Akku, Otto- statt Dieselmotor: fertig ist Subarus erster elektrifizierter Forester. Sparsamer soll das Modell sein und keine Abstriche im Gelände machen. Ob das funktioniert zeigt unser Test.

Firmen zum Thema

Subaru hat den Forester überarbeitet und ihm neben einer neuen Plattform auch ein Mild-Hybrid-System spendiert. Wir haben das SUV getestet.
Subaru hat den Forester überarbeitet und ihm neben einer neuen Plattform auch ein Mild-Hybrid-System spendiert. Wir haben das SUV getestet.
(Bild: Jens Scheiner/»Automobil Industrie«)

Never change a running system. Das IT-Sprichwort trifft weitestgehend auch auf den neuen Subaru Forester zu: Wie seine Vorgänger setzt auch die 5. Generation des SUV auf den bekannten Boxermotor mit Allradantrieb und CVT-Getriebe. Neu hingegen ist, dass der Benziner erstmals auf der Subaru Global Platform (SGP) aufbaut und eine Mildhybrid-Unterstützung durch einen Elektromotor bekommt. Damit soll der Forester nicht nur sparsamer werden, Subaru will damit auch Flotten-CO2-Strafzahlungen vermeiden.

Dafür hat Subaru bereits den legendären Impreza WRX STi aus dem Programm genommen, ebenso das Schaltgetriebe, die Turbo-Benziner und den Boxer-Diesel, der zwar sparsam, aber nicht Euro-6d-konform war.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 13 Bildern

Durstig im Stadtverkehr

Der neue Antriebsmix im Subaru Forester E-Boxer besteht aus dem 2,0-Liter-Boxer-Ottomotor mit 110 kW/150 PS und einem 12,3 kW/16,7 PS starken Elektromotor mit einer 13,5 kW großen Lithium-Ionen-Batterie. Damit sollen laut Subaru der CO2-Ausstoß um 14 g/km auf 154 g/km und der Benzinverbrauch auf 6,7 Liter pro 100 Kilometer sinken.

Im Test haben wir den angegebenen Verbrauch zu keiner Zeit erreicht, allerdings lag der Benzinkonsum bei einem Durchschnittstempo von 120 km/h immerhin bei rund 7,5 Liter. Im hektischen Stadtverkehr und mit Unterstützung des kleinen Elektromotors, der beim vorsichtigen Rollen hin und wieder den Vortrieb übernommen hat und kurze Strecken elektrisches Fahren erlaubt, pendelte sich der Verbrauch bei knapp neun Litern ein – wenn man denn langsam fährt und sanft beschleunigt. Fairerweise sei gesagt: Ein Bergsteiger würde sich wohl auch nicht für einen 100-Meter-Sprint anmelden. Insgesamt arbeiten die beiden Antriebe harmonisch zusammen. Das Zu- und Abschalten, das Rekuperieren beim Bremsen und Gleiten sowie das Boosten beim Ampelstart funktionieren gut.

Obwohl der Forester ein Nutzfahrzeug ist, fühlt er sich in der Stadt erstaunlich wohl: Dank des erhöhten Fahrwerks und hoher Reifen gleitet er sanft über Kopfsteinpflaster, Temposchweller und große Löcher in der Fahrbahndecke. Er lässt sich dabei trotz seiner 1,8 Tonnen präzise und spielend durch enge Gassen oder unübersichtliche Parkhäuser manövrieren, nicht zuletzt dank der zahlreichen Sensoren sowie der Rückfahr- und Seitensichtkamera an Bord. Insgesamt ist die Rundumübersicht dank der großen Fenster und der schmalen B-Säule richtig gut.

Umfangreiche Ausstattung schlecht verpackt

Unübersichtlich wird es allerdings beim Blick auf die Armaturentafel und das Cockpit: Das mit Leder überzogene Lenkrad ist, typisch für asiatische Modelle, überladen mit zahlreichen Knöpfen und Schaltern für beispielsweise die Lenkradheizung, den Spurhalteassistent mit Lenkunterstützung, die adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung, die Schalter für das digitale Kombiinstrument im Cockpit und viele mehr. Links hinter dem Volant geht das Schaltermosaik weiter, unter anderem für das adaptive Kurvenlicht, das Fußgängerwarnsystem und das Fahrerüberwachungssystem.

Weil den Ingenieuren offensichtlich der Platz ausgegangen ist, finden sich oben, neben dem Schalter für das elektrische Panoramaglasschiebedach zwei weitere Knöpfe zum An- und Ausschalten des Spurhalteassistenten sowie des Kollisionswarnsystems. Daneben ist in der Mittelkonsole ein Dreh-Drücksteller für die unterschiedlichen Fahrmodi (Snow/Dirt und Snow/Mud) untergebracht.

Zu guter Letzt thront mittig auf der Armaturentafel ein kleiner Bildschirm unter anderem für die Funktionsweise des E-Boxer Mildhybridsystems und die Darstellung der Seitensichtkamera. Darunter befindet sich der 8-Zoll-Große Infotainmentbildschirm mit Touchfunktion, darunter wiederum ist das Klimabediensystem mit weiteren Schaltern und Rädchen platziert. Vor dem Losfahren ist man also gut beraten, sich erstmal mit den zahlreichen Funktionen vertraut zu machen, zumal nicht alle Assistenten auf Anhieb funktionieren.

Infrarot- und Kamerasensoren überwachen den Fahrer

Der Spurhalteassistent beispielsweise soll im Geschwindigkeitsbereich zwischen 60 und 200 km/h arbeiten, hat sich aber immer wieder selbst deaktiviert – ohne erkennbaren Grund. War er aktiv, hat er das Fahrzeug einen Tick zu grob zurück in die Spur gezogen. Auch das Fahrerüberwachungssystem hat den Fahrer erstaunlich oft ermahnt den Blick auf die Straße zu richten, obwohl dies gar nicht nötig gewesen wäre. Einziges Indiz dafür: eine getragene Sonnenbrille. Ein Redaktionskollege hat den Forester ebenfalls getestet, hier funktionierte das „Driver Monitoring“ sehr gut. Hintergrund: Mittels Infrarot-LED und Kamera erfasst das System das Gesicht des Fahrers und registriert, wenn dieser zum Beispiel zu lange von der Straße weg schaut oder ermüdet.

Ebenfalls unnötig ist aus unserer Sicht der Fahrmodus Sport, der ebenfalls über das Lenkrad aktiviert wird: Denn selbst in diesem Modus ist der Subaru alles andere als sportlich. Beim kräftigen Tritt aufs Gaspedal klingt der Boxermotor extrem gepeinigt und dreht bis kurz vor den roten Bereich – das typische CVT-Spiel. Die Geräuschkulisse gleicht dabei einem startenden Jet. Wirklich vorwärts kommt der Forester auf den ersten Metern allerdings nicht. Bis das CVT-Getriebe die Kraft auf den Asphalt bringt, vergehen ein paar Momente (11,8 Sekunden bis Tempo 100), ab dann geht es locker weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit von 188 km/h. Insgesamt lenkt und fährt sich der Forester, im Gegensatz zum Intelligent-Modus direkter, untersteuert weniger und federt sehr ordentlich. Schnell gefahrene Kurven mag er dennoch nicht und zeigt das mit recht heftigen Wankbewegungen.

Gebaut für das Gelände

Außerdem sind die Ledersitze nicht wirklich gut konturiert und es fehlt etwas an Seitenhalt. Dafür sind sie auf langen Strecken sehr bequem. Das gilt auch für den Einsatz im Wald auf unruhigem Geläuf. Denn dafür ist der Subaru eigentlich gebaut: Dank der erhöhten Bodenfreiheit von 22 Zentimetern und einem ausgewogen und reaktionsschnellen Allrad- und Traktionssystem, sind Ausflüge ins Gelände ein Kinderspiel. Hier spielt auch der E-Motor seine Stärken aus und hilft vor allem mit mehr Druck beim Anfahren.

Beim Kriechen im extrem holprigen Gelände reicht allein die elektrische Kraft aus, um langsam vorwärts zu kommen. Auch rumpeln die Heckpassagiere nicht mit den Knien gegen den Sitz des Vordermanns oder stoßen sich den Kopf am Dach. Denn der Forester bietet dank der neuen Plattform Platz in alle Richtungen und auch der Gepäckraum ist mit mindestens 509 Litern Platz ordentlich; bei umgelegten Sitzen werden 1.779 Liter daraus – obwohl sich im Kofferraumboden die Lithium-Ionen-Batterie befindet.

Trotz dieses Energiespeichers ist der Subaru Forester E-Boxer kein Verbrauchswunder. Dafür ist der Preis für die recht üppige Serienausstattung voll im Rahmen: Der Japaner startet zu Preisen ab 34.107,90 Euro in Verbindung mit dem 110 kW/150 PS starken 2.0-Liter E-Boxer, der immer an das stufenlose Lineartronic-Automatikgetriebe und den Allradantrieb gekoppelt ist. Dazu gibt es zahlreiche Assistenzsysteme und fünf Jahre Garantie. Unser Testwagen in der Platinum-Ausstattung kommt insgesamt auf 43.151,98 Euro, lässt dafür keinen Wunsch offen – vielleicht nur einen: den nach einem sparsamen Diesel; oder einer Brennstoffzelle, für die die Fahrzeugplattform auch ausgelegt ist.

(ID:46836249)

Über den Autor

 Jens Scheiner

Jens Scheiner

Redaktioneller Mitarbeiter Online/Print, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE