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Gastkommentar

Verzichtet Tesla zurecht auf Lidar-Technik?

| Autor/ Redakteur: Florian Petit* / Maximiliane Reichhardt

Elon Musk stellt die Notwendigkeit von Lidar-Sensoren für autonome Fahrzeuge in Frage. Florian Petit, Mitgründer des Münchner Start-ups „Blickfeld“, findet: der Verzicht auf Lidar-Sensoren ist keine Option.

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Florian Petit ist einer der drei Gründer des Lidar-Start-ups „Blickfeld“ aus München.
Florian Petit ist einer der drei Gründer des Lidar-Start-ups „Blickfeld“ aus München.
( Bild: Blickfeld )

Die Lidar-Technologie ist keine Technologie, die sich noch etablieren muss, die Vorteile der präzisen Umfelderfassung in 3-D sind für autonom fahrende Autos überzeugend – eigentlich. Elon Musk hat vor einigen Wochen auf einer Investorenkonferenz diese Annahme allerdings nicht nur in Frage gestellt, sondern rundheraus abgetan. Lidar-Sensoren seien teuer und überflüssig, weshalb Tesla beim autonomen Fahren ausschließlich auf Kamera und Radar setze. Mit dieser Strategie steht Tesla bisher alleine da – alle weiteren großen Player im Bereich der selbstfahrenden Autos setzen auf eine Sensor-Kombination, die Lidar beinhaltet.

Warum sollten sie das auch nicht tun? Lidar-Sensoren erfassen Abstände zuverlässig, in Echtzeit und in 3-D. Damit erfüllen sie einen essentiellen Teil der Grundvoraussetzung von Mobilität: Kollisionen vermeiden durch sicheres Messen von Abständen.

Unterschiede zwischen Kamera und Lidar

Technisch betrachtet bestehen folgende Unterschiede zwischen Kameras und Lidar-Sensoren: Die von Tesla bevorzugten Kameras erfassen ihre Umwelt in 2-D-Bildern, selbstfahrende Autos benötigen allerdings 3-D-Informationen, um sicher autonom navigieren zu können. Um dem System also die benötigten Informationen zur Verfügung stellen zu können, müssen die aufgenommenen 2-D-Daten mit Hilfe von Algorithmen in 3-D-Informationen übersetzt werden.

Damit dies geschehen kann, muss die selbstlernende Software mit Hilfe von Tausenden virtuell und real gefahrenen Kilometern alle möglichen Situationen kennenlernen. Stößt das Fahrzeug aber auf eine unbekannte Situation, in der das 2-D-Farbbild in eine falsche 3-D-Information umgewandelt wird, können brenzlige Situationen entstehen. Die Möglichkeit zur Interpretation schafft Raum für Fehler.

Lidar-Sensoren dagegen erfassen 3-D-Daten auf unmittelbare Weise: Sie messen Abstände per „Time-of-Flight“-Messung mit Laserpulsen und erzeugen so zuverlässige 3-D-Daten, die keinen Interpretationsspielraum bieten. Diese direkte Abstandsmessung durch Lidar-Systeme ist daher ein wichtiger Beitrag zur Sicherheit.

Zusammenspiel von Lidar, Kamera und weiteren Sensoren

Nun bringen verschiedene Umfelderfassungstechniken verschiedene Charakteristika und damit Vorteile mit sich. Lidar misst zuverlässig Distanzen, kann aber beispielsweise keine Farben erkennen, womit Kameras wiederum keinerlei Problem haben. Um selbstfahrende Autos so sicher wie möglich auf die Straße zu bringen, wird ein Verbund aus verschiedenen Umfelderfassungstechnologien benötigt – die Zukunft liegt in der Sensor-Fusion. Lidar ist dabei ein wichtiger Baustein, um hochautomatisiertes Fahren zu ermöglichen.

*Florian Petit ist Mitgründer der Blickfeld GmbH

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