Produktion VW-Werkschef: Wolfsburg wieder stabiler

Quelle: dpa

Nach Coronakrise und Chipmangel soll es für das Stammwerk des Volkswagenkonzerns wieder aufwärts gehen. Werkschef Rainer Fessel sieht jedoch weitere Herausforderungen.

Rainer Fessel
Rainer Fessel
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen sieht nach dem Abrutschen der Produktion durch Chipmangel und Coronakrise wieder Chancen für eine bessere Auslastung des Stammsitzes Wolfsburg. Das Zukunftsprojekt Trinity bleibe zudem mit dem Heimatstandort „eng verknüpft“, sagte Werkschef Rainer Fessel am Montag (19. Dezember) – auch wenn unklar ist, ob die dafür geplante neue Fabrik wirklich benötigt wird.

Das Hauptwerk, in dem die VW-Modelle Golf, Tiguan und Touran sowie der Seat Tarraco entstehen, war zuletzt dauerhaft nicht ausgelastet. 2021 hatte der Konzern hier weniger als 400.000 Autos ausgeliefert – ein Tiefstand seit Ende der 50er Jahre. 2022 dürfte es etwas aufwärts gegangen sein, schätzte Fessel: „Wir werden auf jeden Fall die 400.000 übertreffen. Aber es ist kein Geheimnis, dass wir damit nicht zufrieden sind.“

Im September 2023 stellt VW den neuen Tiguan vor. Außerdem startet in Wolfsburg im neuen Jahr eine Teilfertigung des E-Modells ID 3, die 2024 zur Vollproduktion ausgebaut werden soll. Fessel räumte zugleich ein: „2023 wird aber noch mal ein besonders herausforderndes Jahr.“

Weiter schwankende Halbleiter-Versorgung

Die Versorgung vor allem bei Halbleiter-Elektronik schwanke weiter. Der Manager glaubt nach eigenen Worten dennoch, die Produktion spürbar steigern zu können: „Ziel ist wieder eine höhere sechsstellige Stückzahl in Wolfsburg.“ Fessel sprach in dem Zusammenhang von „guten Nachrichten – gerade nach Zeiten mit viel Kurzarbeit und geringer Auslastung“.

Allein in Wolfsburg sind bei VW rund 60.000 Menschen für Konzern und Kernmarke tätig, davon über ein Drittel in der Produktion. Viele sollen nach den Kollegen in Zwickau, Emden und Hannover ebenfalls für die E-Mobilität weiterqualifiziert werden. „Wir wollen dabei bereits 2023 stark Fahrt aufnehmen“, kündigte der Werkschef an.

„Bei uns ist die Situation völlig anders, weil hier Verbrenner noch eine große Rolle in den nächsten Jahren spielen werden.“ Daher bedeute die Transformation in Wolfsburg „eine Integration in die bestehende Produktion des Werks. Das ist eine komplexe Aufgabe, aber wir sichern damit auch die Arbeitsplätze am Standort nachhaltig.“ Die Fortbildung der Mitarbeiter werde schrittweise ausgeweitet: Bis zum Sommer sollen mindestens 1.200 Beschäftigte für den Umgang etwa mit Hochspannung geschult sein und 200 für den Anlauf der ID-3-Fertigung.

Trinity könnte ins Stammwerk integriert werden

Nördlich des Werksgeländes sollte nach ursprünglicher Planung eine separate Fabrik für den digitalisierten Trinity gebaut werden. Dieses Vorhaben soll jedoch wackeln, seitdem der neue Konzernchef Oliver Blume die Software- und Plattformstrategie überarbeitete. Alternativ könnte das Projekt ins Stammwerk einbezogen werden. „Die Option gibt es, aber es ist noch keine Entscheidung getroffen“, sagte Fessel. „Wir gewinnen jetzt Zeit, um das Ganze zu realisieren.“

Blume – weiter auch Porsche-Chef – hatte beschlossen, die Entwicklung eigener Software und einer einheitlichen Elektronik-Plattform für den Trinity gegenüber dem Ansatz seines Vorgängers Herbert Diess deutlich zu entzerren. Es gab zuvor heftigen Widerstand der Töchter Audi und Porsche, die jetzt eigene Systeme zunächst parallel weiterentwickeln.

Der Trinity, der mit größtenteils selbstproduzierten Programmen fahren und eine komplett neue Steuerungstechnik erhalten soll, wird von 2026 auf das Ende des Jahrzehnts verschoben. Damit geht die Frage einher, ob VW das für ihn geplante separate Werk für zwei Milliarden Euro im Wolfsburger Ortsteil Warmenau überhaupt braucht – oder ob das Projekt nicht mit im Stammwerk unterkommen kann.

Die Übergangszeit soll mit Elektromodellen für den Hauptsitz gefüllt werden, die auf dem aktuellen oder erneuerten Baukasten MEB basieren. Geplant ist etwa ein Elektro-SUV im Format des heutigen Tiguan.

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