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China Market Insider Warum Chinas E-Auto-Blase nun zu Platzen beginnt

Autor / Redakteur: Henrik Bork* / Svenja Gelowicz

Manche Hersteller chinesischer E-Autos kämpfen gerade um ihre Existenz. Die Coronakrise verstärkt die Probleme und könnte für einige der rund 50 Unternehmen endgültig das Aus bedeuten.

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Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
Mit dem Format „China Market Insider“ berichtet die »Automobil Industrie« regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt.
(Source: Deposit Photos)

Die chinesischen Verkaufszahlen für Elektrofahrzeuge sind von Januar bis April dieses Jahres um 43 Prozent gefallen, gab der Verband der chinesischen Automobilhersteller CAAM kürzlich bekannt. Es handelt sich bei dieser Zahl um den kumulativen Rückgang der Verkäufe über die ersten vier Monate des Jahres hinweg. Aber auch die monatlichen Verkaufszahlen zeichnen ein deutlich negatives Bild: Im Monat April etwa sind in China 72.000 E-Autos verkauft worden, was einen Rückgang von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat bedeutet.

Dramatische Situation für chinesische E-Auto-Hersteller

Einen Kampf um „Leben oder Tod“ sieht das chinesische Wirtschaftsjournal „Zhongguo Jingying Bao“ daher in der einst boomenden E-Mobilitätsbranche Chinas heraufziehen. Andere Marktbeobachter formulieren es weniger dramatisch, doch fast alle sagen schwierige Zeiten vor allem für jene Herausforderer unter den rund 50 Produzenten in China voraus, die sich bislang noch nicht wirklich am Markt behaupten konnten.

Die Schwierigkeiten der E-Auto-Startups haben alle schon im vergangenen Jahr begonnen.

Brian Gu, Präsident Xpeng Motors

„Die Schwierigkeiten der E-Auto-Startups wie sinkende Verkaufszahlen, eine harte Umgebung für Fundraising und die Reduzierung der Subventionen haben alle schon im vergangenen Jahr begonnen”, sagte Brian Gu, Präsident des chinesischen E-Auto-Herstellers Xpeng Motors kürzlich in einem Interview.

Seine Firma, in die unter anderem der Internet-Riese Alibaba investiert hat, konnte im vergangenen Jahr 16.000 E-Autos verkaufen und gehört damit zu den größten Herausforderern von Tesla und Co. Doch selbst er denkt, dass die Folgen des Coronavirus die Probleme der Industrie weiter zuspitzen werden.

Sinkende Ölpreise machen Verbrenner in China attraktiv

Nach einem kurzen Boom sind die Verkäufe von E-Fahrzeugen in China bis April schon den zehnten Monat in Folge gesunken. Bei BYD etwa sind die Verkäufe von Januar bis April um mehr als 63 Prozent gesunken. Der OEM verdient derzeit besser an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Die wegen Corona weltweit sinkenden Ölpreise könnten viele Verbraucher nun noch zurückhaltender beim Umstieg auf Elektro machen, vermuten Analysten.

Einzelne chinesische OEMs haben sich im ersten Quartal 2020 zwar tapfer geschlagen. NIO, Li Auto und Xpeng Motors hätten Absatzzahlen vorzuweisen, die okay sind, erklärt Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Verbandes für Personenkraftwagen CPCA. Dennoch sei die Stimmung in der Branche ziemlich schlecht. NIO zum Beispiel habe im vergangen Jahr einen Nettoverlust von mehr als elf Milliarden Yuan eingefahren, knapp anderthalb Milliarden Euro.

Chinas Regierung hat Subventionen, die eigentlich in diesem Jahr auslaufen sollten, wegen der Coronakrise um zwei Jahre verlängert. Doch sie hält an ihrer schrittweisen Reduzierung der Subventionen fest und fördert nur noch Elektroautos unterhalb des Verkaufspreises von 300.000 RMB (knapp 39.000 Euro), die zudem noch andere Auflagen erfüllen müssen.

Zeichen für Existenzkämpfe

Besonders bei kleineren Herstellern mehren sich nun die Zeichen für ernste Existenzkämpfe. Qiantu Motor etwa, ein Tochterunternehmen der CH Auto Technology, konnte bislang nur 200 Exemplare des Typs K50 verkaufen. Nun habe die Firma Schwierigkeiten, ihre Angestellten zu bezahlen, berichtet das chinesische Wirtschaftsjournal. Ein Reporter des Blattes traf vor dem Werkstor im ostchinesischen Suzhou auf Angestellte und Automobilzulieferer, die zum Teil schon seit mehreren Monaten auf ihr Geld warten.

Auch Singulato Motors (Zhiche Auto) ist einst mit großen Hoffnungen gestartet. 17 Milliarden Yuan (mehr als zwei Milliarden Euro) konnte das E-Auto-Startup an Kapital einsammeln. Der schon mehrfach verschobene Launch des ersten Modells hätte Anfang des Jahres stattfinden sollen, ist jedoch noch immer nicht in Sicht. Und auch andere heimische OEMs scheinen nicht aus der „Powerpoint-Phase“ herauszukommen, berichten chinesische Medien.

„3+3+3+3“: Wer die Gewinner der Marktbereinigung sind

Experten erwarten wegen dieser und ähnlicher Nachrichten in diesem Jahr eine beschleunigte Marktbereinigung in China. Die Gewinner könnten die „3+3+3+3“ sein, sagte Anfang des Jahres der prominente Gründer von Meituan, Wang Xing. Gemeint sind die drei Staatsbetriebe auf Zentralebene FAW, Dongfeng und Changan, die drei Staatsbetriebe in der Hand von Lokalregierungen SAIC, GAC und BAIC, die drei privaten Konzerne Geely, Great Wall und BYD sowie die drei Startups Li Xiang (CHJ Automotive), NIO und Xpeng.

Über den Autor

*Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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