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Zulieferer Webasto: Ambitioniert ins Jahr 2020

| Autor/ Redakteur: Tina Rumpelt / Claus-Peter Köth

Die Geschäfte der Webasto SE laufen gut, die Auftragsbücher sind voll. Für die Zukunft schmiedet Webasto-Chef Dr. Holger Engelmann große Pläne – unter anderem mit der Elektromobilität.

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Die Geschäfte der Webasto SE laufen gut. Webasto-Chef Dr. Holger Engelmann schmiedet entsprechend große Pläne – unter anderem mit der Elektromobilität.
Die Geschäfte der Webasto SE laufen gut. Webasto-Chef Dr. Holger Engelmann schmiedet entsprechend große Pläne – unter anderem mit der Elektromobilität.
(Foto: Webasto)

Im Jahr 2015 konnte der Zulieferer Webasto mit Sitz in Stockdorf bei München mit heute weltweit knapp 12.000 Mitarbeitern den Umsatz sowie das Ergebnis erneut steigern: Der Weltmarktführer für Schiebe- und Panoramadächer, Cabriodachsysteme und Standheizungen erwirtschaftete 2,94 Milliarden Euro Umsatz, als Ebit blieben unterm Strich 167 Millionen Euro. Wechselkursbereinigt lag der Umsatz zehn Prozent über 2014, das Plus beim Gewinn betrug 23 Prozent, die Umsatzrendite liegt bei 5,7 Prozent. Der Dachbereich – Schiebe- und Panoramadächer – erwirtschaftete 2015 rund 73 Prozent des Umsatzes, die Thermo-Aktivitäten 16 Prozent.

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Wachstumstreiber mit rund 25 Prozent Zuwachs ist das Dachgeschäft und da die großen Panoramadächer, von denen Webasto 19 Prozent mehr verkaufte als noch im Jahr zuvor. Große Hoffnungen setzen die Stockdorfer auch in das Konzept des „Multi Optional Roof“, kurz MOR. Die Idee dahinter: Webasto fertigt für die OEMs einbaufertige Dachmodule, die frei variabel sind: mal mit Schiebe oder Faltdach, mal mit Panoramadach, mal als feststehendes Glasdach, mal als Stahldach. Allesamt passend auf eine einheitliche Schnittstelle zum Fahrzeug. Das reduziert den Entwicklungsaufwand und die Komplexität beim Kunden. Und der OEM kann im Laufe des Modellzyklus‘ – je nach Nachfrage oder Marktentwicklung – ohne zusätzlichen Entwicklungsaufwand neue Dachvarianten nachschieben. Laut Dr. Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender der Webasto SE, „sind bereits jetzt Fahrzeuge namhafter OEMs mit diesem Konzept in der Serie zu sehen.“

Umsatzplus im Cabrio-Bereich

Auch aus dem Cabrio-Bereich kommen gute Nachrichten: gut zehn Prozent Umsatzplus. Das Oben-offen-Geschäft ist mit 317 Millionen Euro Umsatz Webastos kleinster Geschäftsbereich. Für viel Aufsehen sorgt aktuell die Cabrioversion des Range Rover Evoque, für den Webasto das Stoffdach entwickelte und liefert. „Die Branche beobachtet diesen Vorstoß in das Segment der offenen SUVs sehr genau“, berichtete Engelmann anlässlich der Präsentation der Unternehmenszahlen 2015 am 3. Mai in München. Haben die Briten damit Erfolg, könnte es bald einige Nachahmer geben. Aufträge für fast elf Milliarden Euro stehen in den Webasto-Büchern, gut eine Milliarde mehr als vor einem Jahr. Engelmann zeigte sich sehr zufrieden, zumal auch das erste Quartal 2016 sehr gute Ergebnisse brachte: der Umsatz steigt weiter. Der Webasto-Chef ist sich sicher, bis Ende des Jahres die Umsatzzielmarke von drei Milliarden Euro zu erreichen. Dabei steht China im Fokus. 42 Millionen Euro investierte Webasto dort 2015 unter anderem für mehr Fertigungskapazitäten. Mittlerweile unterhält das Unternehmen zehn Werke in China – ein weiteres ist in Planung – und fährt in Reich der Mitte rund ein Viertel seines Umsatzes ein. „China hält Kurs auf die Umsatzmilliarde“, so der Webasto-CEO.

Einstieg ins Geschäft mit der Elektromobilität

Webasto hat in 2015 sozusagen „Schwung geholt“ für die Zukunft. Webasto soll wachsen und zwar zügig. Engelmann will bis 2020 die Fünf-Milliarden-Marke beim Umsatz knacken. Das Unternehmen sei „sehr solide aufgestellt“, der Webasto-Chef verweist auf eine Eigenkapitalquote von 44 Prozent (789 Millionen Euro). Ein gutes Kapitalpolster für das, was die Unternehmensführung vorhat: den Einstieg ins Geschäft mit der Elektromobilität. Das soll nicht nur aus eigener Kraft gestemmt werden, sondern vor allem über Kooperationen und Zukäufe. „Wir haben die Produktfelder bereits definiert und uns auch schon Unternehmen angesehen, die zu uns passen könnten“, so Engelmann. „Es wird nichts mit dem Dach zu tun haben, aber es wird etwas sein, das zu uns passt“, mehr verrät er noch nicht. Eine Option wird wohl in Richtung Temperaturmanagement in Elektrofahrzeugen gehen. Mit dem Hochvoltheizer, einer Webasto-Eigenentwicklung, hat das Unternehmen bereits ein erstes zukunftsträchtiges Produkt im Markt der Elektromobilität.

Engelmann sieht die Stärken des Unternehmens für ein solches neues Geschäftsfeld vor allem in Webastos Kompetenzen als Systemintegrator und den langjährigen und exzellenten Kontakten zu den Automobilherstellern: „Wir wissen, was unsere Kunden wollen, nach welchen Spezifikationen sie arbeiten, wir orchestrieren global und regional vor Ort effiziente Lieferantennetzwerke.“ Das Elektro-Know-how werde zugekauft. Ein wichtiger Zukunftsmarkt für Elektromobilität sei China und auch dort habe Webasto einen sehr guten Draht zu den lokalen Herstellern.

Ambitionierte Ziele

Seit Anfang 2013 steht Engelmann dem Webasto-Vorstand vor. Nun hat er also seine Zukunftsstrategie festgezurrt und sich ambitionierte Ziele gesetzt. Da passt es auch dazu, dass er dem Unternehmen und den Mitarbeitern in aller Welt eine Vision geben will. „ONE Webasto“ heißt das Unternehmensprogramm, dessen Entwicklung Anfang 2015 aufgesetzt wurde und aktuell weltweit ausgerollt wird. Es geht um die Marke Webasto („Wer wir sind“), die Kultur des Unternehmens („Wie wir zusammenarbeiten“), um die Strategie der weltweiten Webasto-Gruppe („Wie wir unsere Zukunft gestalten“). Engelmann spricht bei den Werten von „Verantwortung mit Weitsicht“, von „Leidenschaft für Qualität und Innovation“, von „Herz und Verstand“ für die Kunden, von „Freude an der Zusammenarbeit“ und „zupackendem Optimismus“. Sein Credo: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Denn auch das ist klar: Wenn Webasto bis 2020, und das sind nur noch knapp fünf Jahre, von heute drei auf fünf Milliarden Euro Umsatz kommen will, müssen alle an einem Strang ziehen. „Die nächsten Jahre werden spannend“ – damit wird Engelmann auf alle Fälle recht behalten.

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