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Serie: Kreativ in der Krise Webasto-Chef Engelmann: „Werden noch regionaler agieren“

Redakteur: Christian Otto

Die Coronakrise hat die Automobilindustrie fest im Griff. Die Zulieferer bereiten dennoch das Hochfahren der Produktion parallel zu ihren OEM-Kunden vor. Wir haben bei Tier-1-Chefs dazu nachgefragt. Heute im Gespräch: Holger Engelmann, CEO der Webasto SE.

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Webasto-Chef Dr. Holger Engelmann kündigt im Gespräch den Hochlauf der Produktion in Europa und den USA an.
Webasto-Chef Dr. Holger Engelmann kündigt im Gespräch den Hochlauf der Produktion in Europa und den USA an.
(Bild: Webasto)

Herr Engelmann, in der vergangenen Woche gab es erste politische Entscheidungen zu einem langsamen Exit aus dem Corona-Lockdown. Wie planen Sie nun den Hochlauf Ihrer Produktion? Welche Szenarien haben Sie durchgespielt?

Wir sind global mit allen unseren Kunden und Lieferanten in engem Austausch und stimmen unter anderem auch den Hochlauf der Produktion individuell mit ihnen ab. Die Szenarien sind dabei von Kunde zu Kunde und von Region zu Region unterschiedlich. In Europa und den USA wird die Produktion in Kürze wieder anlaufen. In China haben inzwischen alle unsere Werke ihre Produktion wieder aufgenommen.

Wird die Corona-Krise den Technologiewandel in Richtung Elektromobilität beschleunigen, wenn beispielsweise eine Ökoprämie als Konjunkturmaßnahme verabschiedet wird?

Wir sehen die Krise als Chance, mit geeigneten, passgenauen Anreizen und Investitionen, den Umstieg auf umweltfreundliche Fahrzeuge zu beschleunigen. Parallel ist es jedoch wichtig, finanzielle Anreize auch für die dafür nötige Infrastruktur bereit zu stellen – sei es für die Ladelösung zuhause und im Unternehmen, wie wir sie anbieten, oder im öffentlichen Raum.

Menschen, die zusammenarbeiten, müssen sich treffen und auch mal zusammen Essen gehen.

Corona zeigte die Anfälligkeit der Lieferketten. Braucht es hier in der Automobilindustrie eine Anpassung und wenn ja, wie könnte diese aussehen?

Ich gehe davon aus, dass derzeit jedes Unternehmen, vor allem in der Automobilindustrie seine Lieferketten genau betrachtet. Als globaler Systempartner nahezu aller Automobilhersteller ist es seit jeher unser Prinzip, im Markt für den Markt zu produzieren und Komponenten einzukaufen. Wir werden dieses Prinzip sicherlich weiter optimieren und damit noch regionaler agieren.

Planen Sie selbst, künftig stärker regional agierende Lieferanten zu beauftragen?

Wir haben bereits heute eine sehr hohe Lokalisierungsquote. Zudem überprüfen wir unsere Lieferketten stetig. Durch die Corona-Pandemie werden wir sicherlich den regionalen Aspekt in Zukunft nochmal stärker berücksichtigen.

Wird der digitale Arbeitsplatz in der Nach-Corona-Ära physische Kontakte und Dienstreisen mehr als bisher ersetzen?

Aufgrund unserer bisherigen positiven Erfahrungen werden wir uns nach Abklingen der Corona-Pandemie sehr genau ansehen, welche Termine wir in Zukunft digital gestalten werden und wann persönliche Treffen und Dienstreisen Sinn machen. Die digitale Kommunikation wie beispielsweise vermehrte Videokonferenzen wird für uns hierbei sicherlich eine größere Rolle spielen als bisher, um unsere Effizienz zu erhöhen und dabei gleichzeitig das Klima und unser Reisebudget zu schonen. Gerade bei internationalen und interdisziplinären Projekten ist jedoch ein persönlicher Kontakt nicht zu ersetzen. Menschen, die zusammenarbeiten, müssen sich treffen und auch mal zusammen Essen gehen. Das eine wird das andere deshalb nie vollständig ersetzen.

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