Digitale Lieferketten Wie BMW und BASF Effizienzen mit Datenräumen heben

Von Claus-Peter Köth 3 min Lesedauer

Globale Lieferketten werden komplexer, Materialverfügbarkeiten schwanken, Effizienzanforderungen steigen. Damit gewinnt die digitale Vernetzung zwischen OEMs und Zulieferern an Bedeutung.

BMW und BASF haben einen wichtigen Schritt hin zu einem standardisierten Datenaustausch entlang der automobilen Wertschöpfungskette gemacht. (Bild:  KI-generiert)
BMW und BASF haben einen wichtigen Schritt hin zu einem standardisierten Datenaustausch entlang der automobilen Wertschöpfungskette gemacht.
(Bild: KI-generiert)

Die BMW Group und BASF haben gemeinsam einen wichtigen Schritt hin zu einem standardisierten Datenaustausch entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette gemacht. Im Fokus steht der standardisierte Austausch von Bedarfs- und Kapazitätsdaten im sogenannten Demand and Capacity Management (DCM)-Prozess, der den Catena-X-Datenraum als technologische Basis nutzt.

Im Fokus steht der standardisierte Austausch von Bedarfs- und Kapazitätsdaten im sogenannten Demand and Capacity Management (DCM)-Prozess.(Bild:  CatX Service GmbH)
Im Fokus steht der standardisierte Austausch von Bedarfs- und Kapazitätsdaten im sogenannten Demand and Capacity Management (DCM)-Prozess.
(Bild: CatX Service GmbH)

Datenaustausch als Grundlage resilienter Lieferketten

Die zunehmende Volatilität globaler Lieferketten zwingt Unternehmen der Automobilindustrie dazu, ihre Planungs- und Kooperationsprozesse neu zu denken. Während Informationen über Bedarfe und Kapazitäten früher häufig über manuelle Prozesse oder isolierte, unternehmensspezifische IT-Systeme ausgetauscht wurden, ermöglichen Datenräume einen deutlich effizienteren Ansatz. Die BMW Group und BASF zählen zu den ersten Unternehmen, die einen produktiven, standardkonformen Datenaustausch im Bereich Demand and Capacity Management, kurz DCM, im Kontext von Catena-X umgesetzt haben. Technische Grundlage sind zwei Catena-X-zertifizierte Systeme: die MIRA DCM-Suite und ein BMW-internes System. Sie ermöglichen den sicheren Austausch der Teilebedarfs- und Kapazitätsdaten über Unternehmensgrenzen hinweg. „Man muss sich das vorstellen, wie beim E-Mail-Versand: Es ist egal, welches E-Mail-Programm ich nutze – solange alle Anbieter dem gleichen Standard folgen, können Anwender die für sie beste Lösung wählen und trotzdem miteinander kommunizieren“, erläutert Katharina Zipse, Geschäftsführerin der CatX Service GmbH

Der fortlaufende und automatisierte Abgleich der Informationen erlaubt es beiden Unternehmen, frühzeitig auf Veränderungen in der Lieferkette oder der Märkte zu reagieren. Materialbedarfsänderungen oder Engpässe werden transparent sichtbar und können bereits mit längerer Vorlaufzeit in einem Planungshorizont von mehreren Monaten adressiert werden. Dadurch lässt sich der manuelle Abstimmungsaufwand reduzieren, während Absicherungsmaßnahmen zur Teileverfügbarkeit zielgerichteter geplant werden können.

Catena-X als digitales Rückgrat der Zusammenarbeit

Der Datenaustausch zwischen BMW und BASF geschieht innerhalb des Catena-X-Datenraums. Dessen Ziel ist es, einen branchenweiten Standard für den sicheren und interoperablen Austausch von Daten entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette zu schaffen. Dabei ergänzt Catena-X bestehende IT-Landschaften und unterstützt standardisierte Datenflüsse.

Technische Grundlage sind zwei Catena-X-zertifizierte Systeme: die MIRA DCM-Suite und ein BMW-internes System.(Bild:  CatX Service GmbH)
Technische Grundlage sind zwei Catena-X-zertifizierte Systeme: die MIRA DCM-Suite und ein BMW-internes System.
(Bild: CatX Service GmbH)

Catena-X ist ein offenes, kollaboratives Datenökosystem und verbindet OEMs, Zulieferer und Technologiepartner in einem gemeinsamen digitalen Netzwerk. Informationen können dabei standardisiert ausgetauscht werden, während die Datenhoheit bei den jeweiligen Unternehmen verbleibt. Diese Kombination aus Interoperabilität und Datensouveränität gilt als zentraler Erfolgsfaktor für die Akzeptanz des Systems.

Proaktive Planung zwischen OEM und Zulieferer

Der Mehrwert des Datenaustauschs zeigt sich vor allem in der verbesserten Kommunikationsqualität. Durch den automatisierten Abgleich von Bedarf und Kapazität erhalten sowohl OEM als auch Lieferant ein aktuelles, vollständiges und vor allem einheitliches Bild der Situation. Änderungen in der geplanten Materialverfügbarkeit oder auf Seiten des Marktes können schneller kommuniziert und deren Auswirkungen effizienter analysiert werden. Potenzielle Engpässe werden frühzeitig identifiziert und gemeinsam adressiert.

Der Ansatz verschiebt die Zusammenarbeit somit von einer reaktiven Abstimmung im kurzfristigen Horizont von wenigen Tagen und Wochen hin zu einer proaktiveren Planung mit deutlich längerem Vorlauf. Gerade in Zeiten zunehmender Marktunsicherheiten bietet diese Transparenz einen strategischen Vorteil. Konkret lassen sich Produktionsunterbrechungen reduzieren, gleichzeitig steigt die Effizienz der gesamten Wertschöpfungskette.

Ausblick

Die Kooperation zwischen der BMW Group und BASF verdeutlicht exemplarisch, welche Rolle der standardisierte Datenaustausch künftig in der Automobilindustrie einnehmen wird. Daten sind inzwischen - wie Material oder Energie - ein zentraler Produktionsfaktor, der über den Erfolg eines Unternehmens entscheidet. Nun heißt es jedoch, diese Daten richtig zu nutzen.

Mit Catena-X entsteht eine gemeinsame „Datensprache“ für die Branche. Standardisierte Datenmodelle, sichere Austauschmechanismen und klare Regeln für die Datennutzung schaffen die Grundlage für neue Formen der Zusammenarbeit. Mit zunehmender Beteiligung weiterer Zulieferer kann sich der Ansatz in Richtung eines breiten Branchenstandards entwickeln. Für die Automobilindustrie bedeutet dies ein entscheidender Fortschritt – hin zu einer stärker kollaborativen, transparenten und resilienten Wertschöpfungskette.

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