Volkswagens Batteriepläne „Wir gehen stärker ins Risiko – was man sonst eher den Zulieferern überlässt“

Autor: Christoph Seyerlein

Um die eigenen Elektroziele erreichen zu können, will Volkswagen eigene Batteriefabriken hochziehen. Das wird verdammt teuer. Dennoch wollen die Wolfsburger das riskieren und planen einen Börsengang.

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VW-Technikvorstand Thomas Schmall: „Wir machen uns unabhängiger von den großen Zelllieferanten.“
VW-Technikvorstand Thomas Schmall: „Wir machen uns unabhängiger von den großen Zelllieferanten.“
(Bild: Volkswagen)

Die knappe Verfügbarkeit von Batterien könnte für Volkswagens ambitionierte Elektrostrategie zum Zünglein an der Waage werden. Im Jahr 2030 sollen beispielsweise bereits rund 70 Prozent aller in Europa verkauften Neuwagen der Kernmarke VW Pkw reine Elektroautos sein. Doch noch bremsen Engpässe bei den Zellen. Deshalb forcieren die Wolfsburger den Aufbau eigener Batteriewerke.

Allein in Europa will der Konzern mit Partnern für einen zweistelligen Milliardenbetrag sechs Gigafactories mit einer Kapazität von jeweils 40 Gigawattstunden hochziehen. Gut fünf Millionen Pkw jährlich sollen jene Fabriken mit Batterien ausstatten können.

Neue Form des Lieferantenmanagements nötig

Im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ gab Technikvorstand Thomas Schmall nun detailliertere Einblicke in die Volkswagen-Pläne. „Wenn wir die Produktionsprozesse selbst beherrschen, werden wir integraler Teil der vorgelagerten Rohstoffkette. Und wir machen uns unabhängiger von den großen Zelllieferanten. Das ist der Grundgedanke, der uns leitet“, erklärte der Topmanager.

Aktuell ist Volkswagen in der Batteriebeschaffung noch komplett abhängig von Lieferanten. Das Geschäft gestaltet sich dabei komplizierter als mit klassischen Autozulieferern. Bei Batterien müsse man laut Schmall „tiefer in die Lieferkette hineingehen, also hin zu den Vorlieferanten der großen Zulieferer“. Auch mit einer eigenen Zellfertigung werde man darauf in Zukunft aber noch angewiesen sein. „Wir wollen Zellen selbst herstellen, wollen zugleich aber auch Zellen von außen beziehen“, sagte der Vorstand.

Mehr als 20 Prozent Eigenanteil geplant

Perspektivisch peilt Volkswagen mehr als 20 Prozent Eigenanteil in der Zellfertigung an. Dafür braucht es nach Schmalls Einschätzung externe Geldgeber. „Der Bau von Zellwerken ist extrem teuer“, betonte er und brachte einen Börsengang der Batteriesparte ins Spiel. Davon habe neulich auch Konzernchef Diess bereits gesprochen.

Schmall fügte an: „Um wirklich die beste Lösung zu finden, schließen wir zunächst nichts aus ‒ zumindest für das Zellgeschäft. Das alles wird so groß und so entscheidend für unsere Zukunftsfähigkeit sein, dass man sich sehr genau überlegen muss, wie man das wirtschaftlich gestaltet.“ Eine einzelne Gigafactory ließe sich nicht an die Börse bringen, ist Schmall überzeugt. Deswegen wolle Volkswagen das „auf höherer Ebene“ bündeln.

Die Batteriehoheit ist Volkswagen offenbar so wichtig, dass man sich dabei nicht auf sonst etablierte Partner verlassen will. „Wir gehen stärker ins Risiko – was man als Autohersteller sonst eher den Zulieferern überlässt“, sagte Schmall. „Wir wollen das Batteriegeschäft entscheidend drehen. Wir als Volkswagen wollen auf den Fahrersitz und das operative Geschäft mit den neuen Fabriken steuern“, kündigte der Technikvorstand an.

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Entwicklungsredakteur