Elektromobilität Sechs europäische Batteriefabriken: Volkswagen zementiert E-Strategie

Redakteur: Svenja Gelowicz

240 Gigawattstunden pro Jahr: Volkswagen will mit sechs Batteriefabriken seine Elektrostrategie absichern. Was der Autobauer vorhat und was es mit der Einheitszelle auf sich hat.

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VW-Chef Herbert Diess hat am Montag die Batteriestrategie des Autobauers präsentiert.
VW-Chef Herbert Diess hat am Montag die Batteriestrategie des Autobauers präsentiert.
(Bild: Volkswagen)

Über alle Kanäle hat Volkswagen tagelang mehr oder weniger geheimnisvoll seinen „Power Day“ angeprisen – ein Live-Ereignis, das freilich an Teslas „Battery Day“ im September erinnert. Am Montag (15. März) war es soweit: Konzernchef Herbert Diess kündigte bei der virtuellen Veranstaltung bis zum Jahr 2030 sechs europäische Batteriefabriken an.

Sie sollen jährlich Batteriezellen mit einen Energieinhalt von insgesamt 240 Gigawattstunden (GWh) liefern. Laut Thomas Schmall, Chef der VW-Komponentensparte Group Components, geht es 2023 mit der bereits bestehenden Northvolt-Fabrik in Schweden los. Die Zellen dort sollen für das Premiumsegment entstehen.

Volkswagen: Gigafabrik in Salzgitter

Volkswagen platziert bei seinem Batteriepartner Northvolt einen weiteren Auftrag zur Lieferung von Batterien im Volumen von über 14 Milliarden US-Dollar (11,7 Mrd. Euro) über die kommenden zehn Jahre. Außerdem erhöht der OEM seinen Anteil am Zulieferer, wie Northvolt am Montag anlässlich einer erweiterten Partnerschaft zwischen den Unternehmen in Stockholm mitteilte. Damit steigt das Gesamtauftragsvolumen in den Northvolt-Büchern auf über 27 Milliarden Dollar.

Außerdem soll der deutsche Standort Salzgitter, wo Volkswagen ebenfalls bereits Batteriezellen fertigt, deutlich größer werden. 100.000 Quadratmeter Baufläche wurden Schmall zufolge bereits vorbereitet, um dort ab 2025 in einer sogenannten Gigafabrik ab 2025 die neuen Einheitszellen für das Volumensegment zu produzieren und Neuheiten in Prozess, Design und Chemie zu entwickeln. 100 Millionen Euro hat der Konzern eigenen Angaben zufolge dafür bereits investiert. Unter anderem forscht VW in Salzgitter in einem Zell-Innovationslabor an Werkstoffen der Zukunft.

Eine weitere Fabrik soll entweder in Portugal, Spanien oder Frankreich entstehen. In Osteuropa ist ein vierter Standort angedacht, entweder in Tschechien, Polen oder Slowenien. Standort fünf und sechs sind noch offen, so Schmall.

Volkswagen will Einheits-Batteriezelle

Der Konzern hat außerdem eine neue, prismatische Einheitszelle für alle Marken angekündigt. Sie soll für 80 Prozent der Fahrzeuge passen, „eine Größe für alle“, so Diess: Damit will der zweitgrößte Autobauer Kosten „radikal“ senken – für Einsteiger-Modelle schrittweise um bis zu 50 Prozent und im Volumensegment um bis zu 30 Prozent.

Das verändere die Fahrzeugentwicklung: Künftig steht die Batterie im Zentrum bei der Entwicklung neuer Modelle. Autos werden dann um die Batterie herum definiert, kündigt Schmall weiter an. Ab 2023 soll dieses einheitliche Zellkonzept ausgerollt werden. Im Jahr 2030 will Volkswagen dann die 80 Prozent der Modelle damit bedienen. Das neue Zellkonzept soll weiter Ladezeiten verringern und die Reichweite um bis zu 30 Prozent steigern – auch, weil die Zelle leichter sei.

„Auch bei der Batterie werden wir unsere Größenvorteile zugunsten der Kunden nutzen. Im Durchschnitt werden wir damit die Kosten für Batteriesysteme auf deutlich unter 100 Euro pro Kilowattstunde senken“, so Thomas Schmall. Damit würde die E-Mobilität endgültig erschwinglich und zur bestimmenden Antriebstechnologie.

VW hat mehr Zellvarianten als Tesla

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte kürzlich betont, bei einheitlicher Technik und entsprechenden Ersparnissen habe Tesla derzeit noch die Nase vorn: „Zentral für die Frage, ob Synergien gelingen, ist eine richtige Einheitszelle für die Batterien.“ Zum Jahreswechsel habe es bei VW „rund zwei Dutzend mehr Zellvarianten gegeben als bei Tesla.“

Die Einheitszelle bietet laut Volkswagen zudem gute Voraussetzungen für den Übergang zur Festkörperzelle – dem nächsten Quantensprung in der Batterietechnologie, den Volkswagen ab Mitte des Jahrzehnts erwartet.

Volkswagen: Neue Wertschöpfung

Dabei will Volkswagen tiefer in die Wertschöpfung eintauchen. „Die Strategie der Einheitszelle hilft uns in die vertikale Integration unserer Wertschöpfungskette“, sagte Jörg Teichmann, Head of Value Engineering beim Wolfsburger Autobauer. Das Unternehmen wolle Lieferketten neu positionieren und sich zwischen „bauen und kaufen hin- und herbewegen“, so der VW-Manager. Dabei ziele man auf neue Partnerschaften. „Das ist eine historische Chance für unsere Partner uns uns.“ Ein Schritt dabei sei beispielsweise das industrielle Recycling, das Volkswagen anstrebt.

VW will mit Aral und BP beim Ladenetz zusammenarbeiten

Der Auf- und Ausbau eigener Produktionskapazitäten bei Bauteilen für Elektromodelle ist in der Autobranche ein wesentliches Thema. Um die verschärften Klimaziele einhalten zu können, müssen die Hersteller mehr Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in die jeweilige Flotte bringen. Gleichzeitig gibt es Engpässe bei den nötigen Batteriezellen – und eine erhebliche Abhängigkeit von Zulieferern vor allem aus Asien.

Volkswagen hat weiterhin angekündigt, mit Energie- und Mineralölkonzernen das öffentliche Ladenetz für Elektroautos in Europa vergrößern. Bis 2025 sollen gut 18.000 Schnellladepunkte auf dem Kontinent betrieben werden. Dabei kooperiert Volkswagen mit Unternehmen wie BP/Aral in Deutschland oder Iberdrola in Spanien.

Mit Material von dpa

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