Interview

ZF-Chef Sommer: „Wir stellen uns dem Wettbewerb“

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Bilanz und Blick in die Zukunft

Wie lautet Ihre Bilanz der strategischen Neuausrichtung des ZF-Konzerns nach gut einem Jahr?

Wir haben die Neuausrichtung organisatorisch komplett umgesetzt und sehen bereits die ersten positiven Auswirkungen. Gleichwohl ist an vielen Stellen kulturell ein anderes Zusammenarbeiten gefordert. Das ist mit einem gewissen Wertewandel im Unternehmen verbunden, den sie nicht von heute auf morgen erreichen. Wir müssen noch viel Arbeit leisten, bis wir die Vorteile der neuen Struktur in der vollen Wirkung etabliert haben.

Welche Akzente wollen Sie als neuer ZF-Chef diesbezüglich setzen?

Der Slogan: „Bei ZF zu Hause, am Standort daheim“ gefällt mir sehr gut. Ich erwarte eine Gesamt-ZF-Kultur, ohne dass die Bedeutung der Standorte und deren spezifische Kultur zwangsläufig in den Hintergrund treten müssen.

Und welche strategischen Ziele verfolgen Sie?

Wir werden aus dem Vorstand heraus eine Langfriststrategie entwickeln, indem wir ein Zielbild definieren, wo der Konzern in 10 bis 15 Jahren stehen soll. Basis dafür bildet die Grundstruktur, die wir mit „Go4ZF!“ gelegt haben.

Was treiben Sie stärker voran, das System- oder das Komponentengeschäft?

Sie müssen die Funktionalität der Systeme verstehen, um zu wissen, was die Funktion der nächsten Generation für Ansprüche an die Komponenten stellt. Nur so finden Sie das richtige Preis-Leistungs-Verhältnis. Deshalb werden wir hier nicht in eine Richtung marschieren, sondern immer eine sinnvolle Ergänzung aus System- und Komponentengeschäft vorantreiben.

Was halten Sie vom „Internet der Dinge“, also der Internetfähigkeit Ihrer Produkte?

Das ist für mich ein wichtiges Zukunftsthema. Im August feierten wir zum Beispiel die Asien-Premiere für unsere Telematik-Plattform Openmatics. Bis Ende 2012 werden wir 50 Flottenfahrzeuge der Kowloon Motor Bus Company in Hongkong damit ausrüsten. Das innovative System besteht aus jeweils einer On-Board-Unit pro Fahrzeug und einem zentralen webgestützten Portal, die miteinander kommunizieren. Im Anwendungsfokus stehen geringere Kraftstoff- und Wartungskosten sowie mehr Fahrgastkomfort und -sicherheit. Grundsätzlich treiben wir die Integration von Elektronik, Sensorik und Software in unseren Produkten kräftig voran.

Zur Person

Dr. Stefan Sommer, 49, studierte Maschinenbau an der Ruhr-Universität in Bochum und promovierte dort am Lehrstuhl für Regelungs- und Steuerungstechnik. Ab 1994 war er zunächst Entwicklungsingenieur bei ITT Automotive Europe, bevor er 1997 zu Continental Automotive Systems ging. Zur Jahresmitte 2008 wechselte Sommer zur damaligen ZF Sachs AG und übernahm dort das Vorstandsressort Fahrwerk. Ab Oktober 2010 zeichnete er als Vorstand Materialwirtschaft der ZF Friedrichshafen AG und ab Januar 2012 als stellvertretender Vorstandsvorsitzender verantwortlich. Seit 1. Mai 2012 ist Dr. Sommer Vorsitzender des Vorstands der ZF Friedrichshafen AG.

Das Interview mit ZF-Chef Dr. Stefan Sommer erscheint auch im »Automobil Industrie« Special "Die Top 20 der OEM-Plattformen" am 7. Dezember 2012.

Das Interview führte Claus-Peter Köth.

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