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Berylls-Studie

Zu viele Batteriepacks für zu wenige E-Autos

| Redakteur: Svenja Gelowicz

Für Batteriepacks droht eine Überkapazität: Laut einer Studie der Unternehmensberatung Berylls klafft die Batterieproduktion und deren Nachfrage noch für viele Jahre um bis zu 30 Prozent auseinander; bekannte Hersteller werden verschwinden. Für Batteriepackhersteller hat Berylls dennoch Empfehlungen.

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Ergebnis der Berylls-Studie: Zuviele Batteriepack-Fertigungskapazitäten für zu wenige E-Autos.
Ergebnis der Berylls-Studie: Zuviele Batteriepack-Fertigungskapazitäten für zu wenige E-Autos.
(Bild: Kreisel Electric)

Die Elektromobilität ist ein massiver Treiber für das Batteriegeschäft. Die Unternehmensberatung Berylls warnt nun vor einer Blase auf dem Batteriemarkt: Die Nachfrage wachse nicht so schnell wie die Kapazitäten, die gerade in Europa und Asien aufgebaut werden. Und diese Lücke wird sich laut einer Berylls-Studie in den kommenden Jahren nicht schließen – im Gegenteil: die Schere gehe zunächst weiter auf, bevor sich Kapazität und Bedarf wieder etwas annähern würde.

Problematisch sei dies nicht nur für bereits existierende Batteriehersteller, sondern für neue Player im Markt und vor allem für die Unternehmen, die sich auf das Paketieren der Akkus spezialisiert haben; und die nicht als Tochtergesellschaften oder Joint Venture eines OEMs oder eines großen Zellenzulieferers arbeiten. Schon heute steht nur ein kleiner Teil des Packaging-Geschäftes unabhängigen Drittanbietern zur Verfügung – und dennoch steigen neue Unternehmen in den übersättigten Markt ein.

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Die Hälfte der Player verschwindet bis 2020 wieder

Weltweit sind heute die meisten Batteriefertigungskapazitäten in China installiert und dort befindet sich momentan auch das Gros jener Unternehmen, die aus den einzelnen Zellen die Batteriepakete oder Packages herstellen. Die bereits installierten, geplanten und angekündigten Batteriepackfertigungskapazitäten weisen laut der aktuellen Berylls-Studie massive Überkapazitäten gegenüber der E-Auto-Produktion auf.

Die Studienautoren gehen davon aus, dass sich die Fertigungskosten einer Fabrik, die nur mit 30 Prozent ihrer Kapazität läuft, um 50 Prozent gegenüber einer Produktionsstätte erhöhen, die zu 80 bis 90 Prozent ausgelastet ist. Bis ins Jahr 2021 würde sich die Überproduktion dennoch massiv auf bis zu 30 Prozent vergrößern und sich auch nach 2025 nicht den benötigten Abnahmemengen annähern. Es wird erwartet, dass bis 2020 fast die Hälfte der Player von der Bildfläche verschwinden.

Dennoch haben mittlerweile nahezu alle globalen Autohersteller die Batterietechnik als Kernkompetenz für sich entdeckt und bauen massiv eigene Kapazitäten auf, viele von ihnen durch Joint Ventures mit Zellenherstellern. Für unabhängige Anbieter von Batteriepaketen bleiben nur etwa 15 Prozent des Gesamtmarktes.

Konsolidierungen unausweichlich

Dies verdeutlicht die Studie am Beispiel China, einem Markt, der durch Zellenherstellern und OEMs dominiert wird und in dem schon heute spezialisierten Batteriepaketherstellern nur ein sehr kleiner Teil des Gesamtmarktes bleibt. Dieser Umstand wird laut Berylls dadurch verschärft, das weltweit neue Unternehmen in den Markt drängen und sich gleichzeitig die Rohstoffpreise nach oben entwickeln. Die Folge wird eine harte Konsolidierung sein, etablierte Hersteller werden verschwinden, wenn sie sich keine neuen Geschäftsmodelle erschließen.

Nach acht Jahren sinkt Speicherfähigkeit und Fahrzeugreichweite

Nach etwa acht Jahren sind Lithium-Ionen-Autobatterien ausgelaugt: Ihre Speicherfähigkeit geht zurück und damit sinkt die Fahrzeugreichweite. Eine Weiterverwendung der Akkus ist jedoch unumgänglich, weil in ihnen wertvolle Rohstoffe wie Kobalt enthalten sind, für deren stoffliches Recycling derzeit weitgehend noch die entsprechenden Verfahren fehlen. Die Studie von Berylls zeigt nun, dass bis 2032 voraussichtlich eine Batteriekapazität von 1.522 GWh anfällt, die für den Einsatz als Second-Life-Speicher zu Verfügung steht.

Übersicht: Produktion der Rohstoffe für Batterien

Das sind die Empfehlungen für Batteriepackhersteller

Es gebe heute zwar vereinzelte Ideen, den ehemaligen Autobatterien ein zweites Leben als stationäre Energiespeicher zu geben, beispielsweise als Notstromversorgung für Krankenhäuser. In großem Maßstab würde dies jedoch kaum umgesetzt. Batteriepaketlieferanten, wie Bosch, Elring Klinger, aber künftig auch BMW, Daimler oder Volkswagen, könnten sich in diesem Industriezweig noch frühzeitig positionieren und ein profitables Standbein aufbauen. Denn die Kompetenzen, um aus einer ausgelaugten Autobatterie eine rundum zuverlässig arbeitende stationäre Speicherbatterie herzustellen, haben sie im Haus.

Die Experten von Berylls empfehlen weiterhin, sich Spezialbereiche anzuschauen – zum Beispiel Trucks, Bus und Off-Highway, also beispielsweise Traktoren oder Bergbaufahrzeuge. Berylls erwartet hier in den kommenden Jahren ebenfalls eine Verlagerung vom Verbrennungs- zum E-Antrieb. Die Fachleute sehen aber bislang kaum namhafte Lieferanten, die diese Segmente mit Antriebsenergie-Speicherakkus versorgen könnten.

Außerdem könnten sich Batteriepakethersteller durch den Einsatz innovativer Technologien zur Zellüberwachung USPs verschaffen.

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