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Klassische Fahrzeuge 40 Jahre BMW 2002 Turbo

| Autor / Redakteur: Wolfram Nickel/sp-x / Thomas Günnel

Er beschäftigte den Deutschen Bundestag und war ob seiner aggressiven Optik umstritten wie keine andere Weltpremiere der IAA 1973. Dabei wollte der 2002 Turbo doch nichts weniger als ein Wegweiser in die Zukunft sein. Als erstes europäisches Serienauto mit Turboaufladung bot der BMW eine Leistungssteigerung, die heute bei Benzinern und Dieselmotoren unverzichtbar scheint.

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Er war ob seiner aggressiven Optik umstritten wie keine andere Weltpremiere der IAA 1973. Als erstes europäisches Serienauto mit Turboaufladung bot der BMW 2002 Turbo eine Leistungssteigerung, die heute bei Benzinern und Dieselmotoren unverzichtbar scheint.
Er war ob seiner aggressiven Optik umstritten wie keine andere Weltpremiere der IAA 1973. Als erstes europäisches Serienauto mit Turboaufladung bot der BMW 2002 Turbo eine Leistungssteigerung, die heute bei Benzinern und Dieselmotoren unverzichtbar scheint.
(Foto: BMW )

Alles nur Legende und schlechte Nachrede. Kein serienmäßig ausgelieferter BMW 2002 Turbo hat als böser Drängler mit Spiegelschrift auf dem Frontspoiler die Überholspur der Autobahn freigeräumt. Nur auf Pressebildern, Prospekten oder nachgerüstet durch den Zubehörhandel trug der kompakte Münchner Muskelmann die umstrittenen Aufkleber mit dem Schriftzug „2002 turbo“. Noch vor der Premiere auf dem Podium der IAA 1973 ließ BMW diese Speed-Insignien entfernen, vielleicht auch, weil sie ihren Zweck längst erfüllt hatten. Das erste europäische Serienfahrzeug mit Abgasturbolader war schon vor dem offiziellen Debüt durch die Medienberichterstattung weltbekannt geworden. Nicht nur von vielen Sportwagenenthusiasten aus Japan, auch aus Ländern wie Angola, Guatemala oder Panama trafen Kundenbestellungen ein. Und dies nachdem Presse und Politiker leidenschaftlich wie noch nie über den Auftritt eines neuen Automodells gestritten hatten, das gesellschaftlich inakzeptabel wirkte. Immerhin hatte die bundesdeutsche Unfallstatistik im Jahr 1970 mit über 21.000 Verkehrstoten einen Allzeit-Negativ-Rekord verzeichnet, Verkehrssicherheitskampagnen und neue Gesetze schienen gerade erste vorsichtige Erfolge bei der Senkung der Unfallzahlen zu zeitigen, die Industrie präsentierte immer neue Sicherheits-Forschungsfahrzeuge – und dann ein Auto in Kriegsbemalung?

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Politisch inkorrektes Tuning

Der wilde Auftritt des Spitzenmodells der sonst so zurückhaltenden BMW 02-Serie schaffte es sogar, zum Inhalt einer Anfrage im Deutschen Bundestag zu werden. Spoiler, Streifen und aufdringliche Kotflügelverbreiterungen – so etwas galt nicht länger als politisch korrekt, auch Opel Manta mit mattschwarzen Hauben oder spoilerbewehrte Ford Escort RS gerieten unter Beschuss der Kritiker. Andererseits gelang es BMW so, die bereits über sieben Jahre alte 02-Baureihe zum Publikumsmagneten der Frankfurter Neuheitenschau zu machen und mehr Furore zu bewirken als alle anderen frisch lancierten Supersportler.

Porsche 911 Turbo – als Prototyp

Tatsächlich debütierte gleichzeitig auch der deutsche Übersportler Porsche 911 als auffälliger Turbo, dies jedoch nur als Prototyp. So konnte der BMW 2002 den Anfang setzen als erster deutscher Serien-Turbo, nachdem nur ein Jahr zuvor die aufregende Sportwagenstudie BMW Turbo Begeisterungsstürme entfacht hatte – auch ob des aufgeladenen, heißblütigen 2,0-Liter-Vierzylinders unter dem Kleid des Flügeltürencoupés. Ganz neu war die Turbotechnik damals bereits nicht mehr. Allerdings wussten nur Insider, dass die ersten Serienautos mit Turbolader aus der Heimat des Rock'n’Roll stammten. Während Elvis Presley mit „Blue Hawaii“ und Chubby Checker mit „Let's twist again“ im Jahr 1962 die Radiocharts stürmten, rockte General Motors mit Turbotechnik in den Modellen Oldsmobile Jetfire und Chevrolet Corvair Monza Spyder die V8-Szene.

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