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Zulieferer 50 Jahre Automatgetriebe von ZF

| Redakteur: Claus-Peter Köth

1965 startete die ZF Friedrichshafen AG die Serienfertigung ihres ersten Pkw-Automatgetriebes mit der Bezeichnung 3HP12. Aktuell markieren die zweite Generation des 8-Gang-Automatgetriebes (8HP) und das 9HP für Pkw mit Front-Quer-Antrieb die Speerspitzen im Konzern – noch in diesem Jahr wird das neue 8-Gang-Plug-in-Hybridgetriebe in Serie gehen.

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2015 feiert ZF nicht nur sein 100-jähriges Jubiläum, es jährt sich auch zum 50. Mal der Serienstart eines ZF-Automatgetriebes.
2015 feiert ZF nicht nur sein 100-jähriges Jubiläum, es jährt sich auch zum 50. Mal der Serienstart eines ZF-Automatgetriebes.
(Foto: ZF )

Es ist das schlichte Kürzel „HP“, mit dem ZF zum weltweit führenden Hersteller für Pkw-Automatgetriebe geworden ist. Es steht für die beiden Kernkomponenten, die diese Getriebebauform ausmachen: „H“ für den hydraulischen Drehmomentwandler als Anfahrelement, „P“ für die Planetenradsätze. Prinzipiell sind beide Komponenten trotz vielfacher Weiterentwicklung noch heute Kernelemente der meisten Automatgetriebe, mit zwei Einschränkungen: Der hydraulische Drehmomentwandler wird in den Antriebssträngen von Hybridfahrzeugen durch eine elektrische Maschine ersetzt. Außerdem ist die Steuerelektronik mit der zugehörigen Software in modernen Getrieben ein mindestens genauso wichtiges Element für die Gesamtfunktion wie Hydraulik und Mechanik.

1965: 3HP – 3-Gang-Premiere für drei Kunden

Ab 1940 entwickelten sich Getriebesysteme, die Fahrern das Schalten komplett abnehmen, vor allem in US-Fahrzeugen zu einem immer begehrteren Komfortmerkmal. Nach ausgiebigen Analysen stand für die ZF-Verantwortlichen Ende der fünfziger Jahre fest: Auch in Europa hat eine derartige Technologie großes Potenzial. Als Voraussetzung dafür galten jedoch maßgeschneiderte Produktneuentwicklungen: US-Automatgetriebe waren schlicht zu groß und für zu hohe Drehmomente ausgelegt, um sie einfach für die Anforderungen europäischer Autos adaptieren zu können.

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Dass die ZF-Ingenieure das Thema Automatgetriebe im Automobil auf Anhieb beherrschten, hatten sie 1958 mit einem selbstkonstruierten 2-Gang-System – dieses blieb ein reiner Prototyp – bewiesen: In mehreren Erprobungsfahrzeugen verbaut, bewältigte es eine Fahrt von Friedrichshafen über das 2.700 Meter hoch gelegene Stilfser Joch nach Italien und zurück völlig problemlos. Was danach aber blieb, war der Wunsch nach mehr Gängen.

Diesen erfüllte das 3HP12 mit seinen drei Schaltstufen: 1965 kam es als das erste von ZF in Serie gefertigte Pkw-Stufenautomatgetriebe auf den Markt. Außerdem punktete es mit seiner kompakten Bauweise sowie mit Lamellenkupplungen. Letztere setzte ZF anstatt der vergleichsweise verschleißanfälligen Bremsbänder ein, die bei damaligen Wettbewerbskonstruktionen üblich waren. Seine Fahrzeugpremiere erlebte das 3HP12 noch im selben Jahr im Peugeot 504 und BMW 2000. Bald darauf hielt es auch bei Alfa Romeo Einzug.

Mindestens ebenso richtunggebend wie das neue Produkt war die am Jahresende 1965 gefällte ZF-Vorstandsentscheidung, mit einer Investition von zehn Millionen D-Mark dauerhaft in das Geschäft mit Pkw-Automatgetrieben einzusteigen: Sie sollte sich als eine der wichtigsten Weichenstellungen in der Nachkriegsgeschichte von ZF erweisen. Dem raschen Leistungszuwachs der Fahrzeuge geschuldet, präsentierte ZF nur zwei Jahre nach seinem ersten Automatgetriebe das weiterentwickelte 3HP20: Anstatt wie bisher maximal 166 Nm Eingangsdrehmoment bewältigte dieses nun bis zu 235 Nm – und empfahl sich daher besonders für die leistungsstarken BMW-Modelle 2500 und 2800. Mit dem 1975 vorgestellten 3HP22, nun konzipiert für Motoren mit bis zu 320 Nm, verdoppelte ZF kurzerhand die Kundenzahl: Auch Citroën, Maserati und Opel zeigten sich ob der hohen Schaltqualität überzeugt.

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