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Tradition 50 Jahre Mercedes-Benz Pagode

| Autor / Redakteur: Wolfram Nickel/SP-X / Michael Ziegler

Seine Aufgabe war nicht leicht: Der Mercedes 230 SL (Baureihe R 113) sollte vor einem halben Jahrhundert nicht nur den legendären Roadster 300 SL und den rundlich-femininen 190 SL ersetzen, mit ihm führte Mercedes auch fortschrittliche Sicherheitstechniken ein.

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50 Jahre Mercedes-Benz 230 SL – Spitzname Pagode.
50 Jahre Mercedes-Benz 230 SL – Spitzname Pagode.
(Foto: Mercedes Benz)

Vor 50 Jahren führte Mercedes mit dem 230 SL einen neuartigen Roadster ein. Er war, wie man es nicht anders erwarten durfte, zwar stark, schnell und nicht gerade billig. Vor allem aber setzte der Stuttgarter Maßstäbe in Sachen Sicherheit und mehr noch beim Design. Unter dem Einfluss des genialen Konstrukteurs Béla Barényi und des jungen Stardesigners Paul Bracq vereinten sich Knautschzonen und feine Formen zeitloser Eleganz zu einem atemberaubenden Fahrzeug.

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Mit klaren Linien und einem leicht und licht wirkenden Dachpavillon vollzog der Franzose Bracq eine Neuausrichtung des Automobildesigns, das sich von den rundlichen Formen der fünfziger Jahre und von betont maskulinen Wettbewerbern wie Jaguar E-Type oder Chevrolet Corvette deutlich differenzierte. Zur Sensation geriet bei der Premiere auf den Genfer Salon vor allem die Gestaltung des SL-Hardtops, das nach innen gewölbt war und deshalb an das Dach eines fernöstlichen Tempels, eben einer Pagode, erinnerte.

Erfolgsschlager: 230, 250 und 280 SL

Mit luxuriöser Ausstattung, Sechszylinder-Motorisierung, Zuverlässigkeit und sportlichen Fahrtalenten war der 230 SL das Bindeglied zwischen wenig alltagstauglichen Supersportwagen und soften Boulevardcruisern. Die Basis für eine achtjährige Erfolgsgeschichte, in der Mercedes rund 49.000 Einheiten vom 230 SL und seinen Evolutionsstufen 250 SL und 280 SL verkaufte – 15 Mal mehr als vom kostspieligeren Vorgänger 300 SL.

Der Open-Air-Star zelebrierte sein offizielles Deutschland-Debüt auf der IAA 1963, also parallel zur Premiere des damals noch 901 genannten Porsche 911. Diesen betrachtete Mercedes als wichtigsten deutschen Konkurrenten, zumal beide Sechszylinder in der gleichen Leistungs- und Preisliga spielten. 21.700 Mark berechnete die Marke mit dem Stern 1963 für den 230 SL, 200 Mark weniger als der Porsche 911 kosten sollte. Wichtiger waren Optionen für mehr Fahrkomfort, darunter zwei hintere Notsitze statt der nüchternen Ablage und eine aufpreispflichtige Getriebeautomatik, die den 230 SL für „die zarte Hand der Damen geeignet“ machte, wie die zeitgenössische Presse nach ersten Testfahrten begeistert notierte.

Sportlicher Cruiser

Tatsächlich kombinierte der 230 SL die Talente des unproblematischen Tourenwagens mit denen des schnellen Sportlers nahezu perfekt. Die leichtgängige Kugelumlauflenkung mit optionaler Servohilfe überzeugte ebenso wie die damals besonders groß dimensionierten 14-Zoll-Räder mit serienmäßigen Gürtelreifen und der Langstreckenkomfort des mit profaner Großserientechnik aus der damaligen S-Klasse ausstaffierten SL.

Kritiker des Neuen monierten Details wie den Tank, der nur 65 Liter fasste und den Wunsch nach hinteren Scheibenbremsen. Dafür sorgte Mercedes Abhilfe mit der ersten Modellpflege im Herbst 1966: Ab dann gab es eine entsprechend modifizierte Bremsanlage, einen 82-Liter-Tank und einen nominell gleichstarken 2,5-Liter-Einspritzmotor.

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