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Fahrzeugvergleich Alte Rivalen: BMW 520d vs. Mercedes E 220 d

| Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Thomas Günnel

Mercedes-Benz und BMW wetteifern schon lange mit der E-Klasse und der 5er-Reihe um die Gunst der Käufer. Wir haben die aktuellen Modelle verglichen: BMW 520d versus Mercedes E 220 d.

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Mercedes-Benz und BMW wetteifern schon lange mit der E-Klasse und der 5er-Reihe um die Gunst der Käufer. Wir haben BMW 520d und Mercedes E 220 d verglichen.
Mercedes-Benz und BMW wetteifern schon lange mit der E-Klasse und der 5er-Reihe um die Gunst der Käufer. Wir haben BMW 520d und Mercedes E 220 d verglichen.
(Bild: BMW/Daniel Kraus)

Businesslimousinen bieten Klub- und Loungeatmosphäre und das Gefühl von Geborgenheit im Verkehr. Für zwei Vertreter der Spezies gilt das im Speziellen: BMWs 5er und die E-Klasse von Mercedes-Benz. Passend motorisiert mit Dieselmotor haben wir den Mercedes E 220 d „Avantgarde“ mit 143 kW/194 PS und den BMW 520d „Sport Line“ mit 140 kW/190 PS verglichen.

Oberklassefeeling bieten beide knapp fünf Meter langen Autos, wobei sich die Frage stellt, was außer etwas mehr Länge die Spitzenmodelle S-Klasse und 7er-Reihe mehr haben. In der neuen E-Klasse und 5er-Reihe fühlt sich jeder bestens platziert. Im Fond des Mercedes haben die Insassen geringfügig mehr Beinfreiheit, ansonsten kommt es auf den Ausstattungsgrad der Limousine an, die der Käufer wählt. Neben der Basislimousine gibt es mehrere Ausstattungsoptionen, wobei immer auch die Version „Sport“ im Angebot ist. In der Basisausführung gibt es den Mercedes mit serienmäßiger Neunstufenautomatik für rund 47.350 Euro und den BMW mit der eingerechneten optionalen 2.250 Euro kostenden Achtstufenautomatik für 48.500 Euro.

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Die Serienausstattung zum „Avantgarde“ fällt beim Mercedes etwas reichhaltiger aus, wo abgesehen von der Automatik unter anderem der aktive Parkassistent mit Rückfahrkamera und dem automatischen Längs/Quer-Parken sowie ein Fahrer-Knie-Airbag und das Konnektivitätspaket „Komfort“ dazugehören. Dennoch ist die Serienausstattung beider Fahrzeuge sehr reichhaltig, doch der Wunsch nach „Assistenten“ und das „Must-have“ treiben den Preis in die Höhe – denn die Liste der Sonderausstattungen und Pakete ist lang und verlockend. So addiert sich bei den bereitgestellten hoch ausgestatteten Testwagen der Preis auf rund 75.000 Euro und hat damit fast alles, was das Fahren sicher, komfortabel und zur Freude werden lässt.

Displays und Online-Funktionen

Bei der E-Klasse goutiert der Fahrer die intuitive Bedienung über die Lenkradtasten ebenso wie das weiterentwickelte Command-System, wobei bei den Lenkradtasten mehr Rückmeldung im Finger wünschenswert ist. Das online-fähige Infotainmentsystem „Command Online“ liefert unter anderem in Echtzeit Verkehrsdaten und lässt sich per Touchpad bedienen. Im Mercedes gibt es ein „Widescreen Cockpit“ mit zwei hochauflösenden Displays, Bildschirmdiagonale 31,2 cm. Das Instrumentendisplay kann die Fahrzeugfunktionen in drei Anzeigemodi darstellen, das zweite Display ist Bestandteil des Command Online-Systems. Zusammen bieten sie einen klasse Überblick.

Beim neuen BMW 5er ist das zentrale Display jetzt als Touchscreen ausgeführt. Das logisch aufgebaute Bedienkonzept des Infotainmentsystems wurde optimiert und überzeugte im Test, auch mit dem „Online Entertainment“ und der Telefonausrüstung mit kabelloser Ladefunktion für Smartphones. Für Multimedia und das Navigationssystem gibt es nun auch Gestensteuerung. Klasse ist das eingebaute Head-up-Display mit sehr guter Kartendarstellung und brillanten Farben. Im E 220 d kostet die Anzeige im Fahrersichtfeld 1.778 Euro zusätzlich.

Beim Fahren sitzen alle Insassen „in der ersten Reihe“, wenn es um Komfort geht. Selbst übelste Fahrbahnoberflächen bügelt im E 220 d die Luftfederung einfach weg. Damit nimmt er es in der Federungsqualität mit der größeren S-Klasse auf. Die Unwägbarkeit der Straße ist auch im BMW nicht wahrzunehmen. Das Fahrwerk des 5er spricht unaufdringlich an und vermittelt ebenfalls ein Fahrgefühl der Oberklasse. Doch ohne Frage: Die Luftfederung des Mercedes E 220 ist einen Tick besser.

Teilautonom fahren

Einen Schritt in das teilautonome Fahren bieten beide Limousinen – Mercedes mit dem „Fahrerassistenz-Paket“ und BMW mit dem „Driving Assistant Plus“. In beiden Paketen übernimmt das System aktiv die Spurführung und den Spurwechsel einschließlich des Bremsens. So sichern sie das teilautomatische Staufahren. Bei beiden Fahrzeugen lässt sich serienmäßig der gewünschte Fahrmodus wählen. Das Mercedes „Dynamic Select“ bietet fünf Fahrprogramme. Neben „Komfort“ und „Effizient“ sind zwei Sportmodi sowie ein individuelles Fahrverhalten wählbar. Je nach Wahl werden Parameter wie Charakteristik von Motor, Getriebe, ESP und Lenkung angepasst.

BMW bietet den Modus „Comfort“ mit Standard-Motor- und Getriebeeinstellungen sowie „Eco Pro“ für geringen Kraftstoffverbrauch und die Einstellung „Sport“, für dynamisches Fahren. Mit dynamischer Dämpferkontrolle lässt sich das sportliche Fahren intensivieren, dabei passt sich unter anderem die Charakteristik der Dämpfer der jeweiligen Fahrsituation an. Hierzu werden zusätzlich Kartendaten vom Navigationssystem verarbeitet, um die Fahrwerksabstimmung vorausschauend etwa auf nahende Kurven und Kreuzungen oder auf den jeweiligen Straßentyp wie Autobahn oder Landstraße vorzubereiten. Große Fahrfreude bietet die Vierradlenkung, die der Limousine eine höhere Beweglichkeit verleiht und flotte Kurvenfahrten erleichtert.

Weil beide Businesslimousinen in der Güte so eng beieinanderliegen, entscheidet das Faible des Käufers, kann er doch den Mercedes E 220 d sehr sportlich fahren und im BMW 520d sehr komfortabel reisen – vice versa. Wir entschieden uns meist für den effizienten Betrieb, um zu testen, wie sich defensives Fahren auf den Dieselverbrauch auswirkt, wobei im aufgeführten Durchschnittsverbrauch auf 100 km ein Viertel Autobahnverkehr inbegriffen ist.

„Die derzeit saubersten Diesellimousinen“

Der starke und laufruhige Diesel des Mercedes E 220 d leistet 143 kW/194 PS und stemmt 400 Nm bei 1.600 U/min auf die Kurbelwelle. Der 2,0-l-Vierzylinder-Turbodiesel beschleunigt die Limousine kräftig und erreicht mit der fein schaltenden Neunstufenautomatik in 7,3 Sekunden aus dem Stand die 100 km/h; Höchstgeschwindigkeit 240 km/h. Die elektromechanische Servolenkung arbeitet optimal, reagiert direkt und gibt dem Fahrer genügend Feedback von der Straße. Der Turbodiesel-Vierzylinder im BMW 520d schöpft aus 2,0 Liter Hubraum 140 kW/190 PS und ist gleich dem E 220 d kräftig und laufruhig. Mit seinem maximalen Drehmoment von 400 Nm bei 1.750 U/min beschleunigt die ausgezeichnete Achtstufenautomatik die Limousine in 7,8 Sekunden von null auf 100 km/h; maximal auf 238 km/h.

Keine Einwände gegen diese beiden Dieselmotoren. Der BMW 520d und der Mercedes E 220 d sind derzeit die saubersten Diesellimousinen, wie „Auto Motor und Sport“ mitteilte. Das Automagazin ermittelt seit zwei Jahren mit dem britischen Spezialisten „Emissions Analytics“ unter anderem die Emissionen von Dieselfahrzeugen. Mit der NOx-Emission von 26 mg/km und 41 mg/km unterschreiten der 520d beziehungsweise der E 220 d das NOx-Limit von 168 mg/km deutlich. Der Wert wurde im Straßenbetrieb per RDE-Test („Real Driving Emissions“) mit einem aufwendigen „Portable Emission Measuring System“ (PEMS) gemessen und gilt für Neuwagen seit 1. September 2017.

Freilich unterschreiten die beiden Dieselmotoren auch den geltenden NOx-Grenzwert von 80 mg/km im EU-Labortest des NEFZ und des neuen WLTP-Prüfstandszyklus. Mercedes setzt für die NOx-Nachbehandlung auf das Adblue-gestützte SCR-System, BMW auf die aufwendigere Kopplung mit zusätzlichem NOx-Speicherkatalysator.

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Sehr sparsame Antriebe

Trotz dieses technischen Aufwands im Abgasstrang glänzen beide Limousinen auch durch geringe CO2-Emission. Zwar erreichen sie natürlich nicht die NEFZ-Laborwerte für den CO2-Ausstoß von 108 g/km (4,1 l/100 km) beziehungsweise 110 g/km (4,2 l/100 km) für BMW 520d und Mercedes E 220 d, doch der in unserem Fahrzeugtest ermittelte Verbrauch ist erstaunlich niedrig. Im Mittel begnügten sich der BMW mit 5,6 l/100 km (148 g CO2/km) und der Mercedes mit 5,8 l/100 km (153 g CO2/km), ein Kraftstoffverbrauch, den sie mit Benzinmotoren bei Weitem nicht erreichen.

Interessant ist ein Vergleich mit dem Elektroauto Tesla Model S (270 kW/367 PS). Bei einem Test kam „Auto Bild“ kürzlich auf einen Energieverbrauch von 23,3 kWh/100 km. Beim mittleren Strompreis von 29,16 Cent/kWh kostet so die 100-km-Fahrt circa 6,80 Euro – die zwei Dieselmotoren kommen bei dem Testverbrauch und einem Literpreis von rund 1,08 Euro bei der Fahrtstrecke auf rund 6,20 Euro. Gut, der Tesla emittiert dort, wo er fährt, kein CO2 – doch seinem Stromverbrauch sind 123 g CO2/km anzulasten: Weil die Kraftwerke im Jahr 2016 deutschlandweit 527 g CO2 ausstießen, um eine Kilowattstunde (kWh) Strom zu erzeugen.

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