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Wirtschaft

Audi: geringerer Gewinn und neue Strategie

| Autor: Thomas Günnel, Christian Otto

Audi hat heute (15. März) seine Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 vorgestellt. Der Gewinn des Automobilherstellers ist deutlich gesunken – mit einer neuen Strategie und neuen Modellen will der Konzern das ändern.

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Audi hat seine Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 vorgestellt. Im Bild (v.l.): Dr.-Ing. Horst Glaser (Generalbevollmächtigter Technische Entwicklung); Prof. Dr.-Ing. Hubert Waltl (Mitglied des Vorstandes, Produktion und Logistik); Dr. Bernd Martens (Mitglied des Vorstands, Beschaffung); Axel Strotbek (Mitglied des Vorstands, Finanz und IT); Prof. Rupert Stadler (Vorsitzender des Vorstands); Prof. h.c.Thomas Sigi (Arbeitsdirektor und Mitglied des Vorstands, Personal und Organisation); Dr. Dietmar Voggenreiter (Mitglied des Vorstands, Vertrieb und Marketing); Toni Melfi (Pressesprecher)
Audi hat seine Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 vorgestellt. Im Bild (v.l.): Dr.-Ing. Horst Glaser (Generalbevollmächtigter Technische Entwicklung); Prof. Dr.-Ing. Hubert Waltl (Mitglied des Vorstandes, Produktion und Logistik); Dr. Bernd Martens (Mitglied des Vorstands, Beschaffung); Axel Strotbek (Mitglied des Vorstands, Finanz und IT); Prof. Rupert Stadler (Vorsitzender des Vorstands); Prof. h.c.Thomas Sigi (Arbeitsdirektor und Mitglied des Vorstands, Personal und Organisation); Dr. Dietmar Voggenreiter (Mitglied des Vorstands, Vertrieb und Marketing); Toni Melfi (Pressesprecher)
(Bild: Audi)

„2016 war ein sehr herausforderndes Jahr für unser Unternehmen“, eröffnete Audi-Chef Rupert Stadler heute (15. März) die Jahrespresskonferenz der Audi AG. „Das Thema Diesel hat deutliche Spuren bei uns hinterlassen, sowohl finanziell als auch in Bezug auf ‚Management Attention‘.“ Stadler ging kurz auf die Konsequenzen daraus ein, unter anderem auf die Rückstellungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro für die Folgen des Abgasskandals in den USA. Das Kernthema war aber das abgelaufene Geschäftsjahr, in dem Audi seine Auslieferungen um 3,6 Prozent auf rund 1,9 Millionen Automobile steigerte. Vor allem die Modelle Q7 und A4 trugen demnach dazu bei.

Die Umsatzerlöse des Konzerns stiegen im gleichen Zeitraum um 1,5 Prozent auf 59,3 Millionen Euro. Nach Sondereinflüssen lag das operative Ergebnis bei 3,1 Milliarden Euro – Vorjahr: 4,8 Milliarden Euro –, was einer operativen Umsatzrendite von 5,1 Prozent entspricht. Allerdings bleibt der Hersteller damit hinter den Premium-Konkurrenten Mercedes-Benz und BMW zurück. Gerade in China schwächelt das Geschäft von Audi seit Ende des vergangenen Jahres und belastet den Jahresauftakt 2017. Am chinesischen Markt forciert man aber die Partnerschaften, wie jene mit dem Joint-Venture-Partner FAW-VW.

„Es geht nicht nur ums Volumen“

Künftig soll zudem der Kundenkontakt wichtiger sein, als der reine Absatz – das vor Jahren ausgegebene Ziel absatzstärkster Premium-OEM zu werden, scheint dafür zu weichen: „Anstatt beim Volumen die Nummer eins zu sein, geht es künftig viel mehr um den Kundenkontakt und um die Qualität von Kundenbeziehungen“, sagte Axel Strotbek, Mitglied des Vorstands, Finanz und IT. Als wichtige neue Kenngröße gilt Audi seit diesem Jahr die so genannte Forschungs- und Entwicklungskostenquote: Hier rechnet das Unternehmen mit einem Wert leicht oberhalb seines Zielkorridors von 6,0 bis 6,5 Prozent.

Nach den Ausührungen von Strotbek übernahm nochmals Stadler und ging auf konkrete Zukunftsprojekte ein. So wies er auf die Verjüngung der Modellpalette hin: Noch in diesem Jahr kommen die neuen Generationen von Q5 und A5 sukzessive in die Märkte. Im Sommer kommt der neue A8, der vor allem beim automatisierten Fahren neue Akzente setzen soll. Der Q2 startet in weitere internationale Märkte und die zweite Generation des Q7 soll im Jahr 2018 die Oberklasse stärken. Ebenfalls 2018 soll der Q8 die SUV-Familie erweitern und ein Jahr später der Q4 als Crossover-Konzept folgen. Das coupèartige SUV Q4 soll die Lücke im Portfolio schließen, die Mercedes mit dem GLC Coupè und BMW mit dem X4 schon bedient.

Drei elektrische Modelle geplant

Zudem plant Audi starke Zuwächse bei der E-Mobilität: Im kommenden Jahr beginnt damit das vollelektrische und von der Nomenklatur abweichende SUV E-Tron mit 500 Kilometern Reichweite. Im Jahr 2019 soll der E-Tron Sportback folgen, für 2020 plant Audi ein auf dem modularen Elektrobaukasten (MEB) des VW-Konzerns basierendes Kompaktmodell. Stadler prognostizierte, dass „Mitte des nächsten Jahrzehnts jeder dritte Audi teil- beziehungsweise vollelektrisch ist.“ Keine Emission ist das Ziel. Dafür streiche Audi langfristig 40 Prozent der heutigen Antriebsvarianten – und hinterfrage zum Beispiel die Zylinderzahl und die Leistungsvarianten der angebotenen Motoren und ob in jeder Modellreihe ein Handschalter und ein Automatikgetriebe im Angebot sein müssen.

Beim Thema Infrastruktur ist das Unternehmen gemeinsam mit anderen OEMs aktiv: Ein Joint-Venture, zu dem auch Daimler und BMW gehören, soll ein Schnell-Ladenetz an den wichtigsten Verkehrsachsen in Europa installieren. Trotz dieser Ausrichtung bleiben die Verbrenner für die Transformationsphase aber unerlässlich – und werden entsprechend weiterentwickelt.

Tochtergesellschaft für das automatisierte Fahren

Bei selbstfahrenden Autos will Audi schnell vorankommen und gründet dazu eine eigene Tochtergesellschaft: die Autonomous Intelligent Driving GmbH mit Sitz in München. Sie arbeitet unter anderem an einem System für fahrerloses Fahren im urbanen Raum. Die Technik soll in den Modellen unterschiedlicher Marken einsetzbar sein und ist zudem ein wichtiger Baustein für künftig denkbare Mobilitätsdienste wie Robotertaxis. Das Unternehmen ist laut Audi offen für weitere Partner aus der Automobil- und IT-Branche. Gleichzeitig entwickelt der OEM assistierende und pilotierende Systeme für andere Verkehrssituationen weiter, etwa für die Autobahn oder Landstraße. Im neuen Audi A8 werden Kunden zum Beispiel erstmals eine Level-3-automatisierte Fahrfunktion in Stausituationen bis 60 km/h einsetzen können.

Gesunkener Gewinn

Vor Steuern erwirtschaftete der Konzern ein Ergebnis von drei Milliarden Euro, verglichen mit rund 5.3 Milliarden Euro im Jahr 2015. Die Tarifmitarbeiter an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm erhalten dennoch ihre Boni: durchschnittlich 3.510 Euro – im vergangenen Jahr waren es noch 5.420 Euro. Die Sachinvestitionen im Geschäftsjahr 2016 beliefen sich auf 3,4 Milliarden Euro und waren damit annähernd gleich mit dem Jahr 2015. Parallel zu der im Sommer verkündeten neuen Unternehmensstrategie hat Audi im vergangenen Jahr das Maßnahmenprogramm „Speed Up!“ gestartet, mit dem der Konzern seine Prozess- und Kosteneffizienz erhöhen will.

Im laufenden Jahr sollen die Sachinvestitionen 5,0 bis 5,5 Prozent der Umsatzerlöse umfassen. Bei den Auslieferungen und den Umsatzerlösen rechnet der Automobilhersteller jeweils mit einem leichten Anstieg. Für die operative Umsatzrendite strebt das Unternehmen erneut einen Wert zwischen 8 und 10 Prozent an. Für die Kapitalrendite prognostiziert es einen Wert zwischen 15 und 18 Prozent.

Durchsuchungen während der Pressekonferenz

Überschattet wurde die Pressekonferenz von Durchsuchungen der Audi-Standorte Ingolstadt und Neckarsulm sowie von Privatwohnungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft – noch immer im Zusammenhang mit der Dieselaffäre. Nachfragen zu diesem Thema lies die Audi-Führungsriege mit Verweis auf laufende Ermittlungen jedoch unbeantwortet: „Wir kooperieren vollumfänglich mit den Behörden, so wie wir das schon kommuniziert haben.“

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Über den Autor

Thomas Günnel

Thomas Günnel

Redakteur/Fachjournalist, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE