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Werkstoff Audi verbaut Kunststofffeder im A6

Autor / Redakteur: Wolfgang Pester / Jens Scheiner

Im facegelifteten Audi A6 Avant 2.0 TDI ultra kommt nun eine Leichtbau-Schraubenfedern aus glasfaserverstärktem Kunststoff zum Einsatz die 40 Prozent Gewicht einsparen soll.

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Die GFK-Feder spart bis zu 40 Prozent an Gewicht ein.
Die GFK-Feder spart bis zu 40 Prozent an Gewicht ein.
(Foto: Audi/Stefan Warter)

Die Automobil-Konstrukteure ringen um jedes Gramm. Denn jedes reduzierte Gramm hilft, den Kraftstoffverbrauch zu senken. Wenn sie in Summe einen Pkw um viele Kilogramm abspecken, ist das ein Erfolg. Gelingt es aber, ein einzelnes Bauteil um 40 Prozent zu verschlanken, ist das sensationell. Audi baut nach eigenen Angaben die Leichtbau-Federn aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) jetzt erstmals im facegelifteten A6 Avant 2.0 TDI ultra (140 kW/190 PS) ein und geht sogar damit in Serie. Die Ingolstädter haben mit einer speziellen Diät die vier Schrauben-Federn im Fahrwerk insgesamt um 4,4 Kilogramm erleichtert. Durch die erstmalige Anwendung von Glasfaser-Kunststoff drückten sie das Bauteilgewicht der einzelnen Feder um 40 Prozent.

Spart Gewicht und Energie

Die Gegenüberstellung lässt erstaunen. Wie ist es möglich, ein wichtiges Funktionsbauteil im Fahrwerk, das in Stahl gefertigt fast 2,7 Kilogramm auf die Waage bringt, um 1,6 Kilogramm abzuspecken? Und das bei ebenso guten Eigenschaften? Glasfaser-Kunststoff ist nur eine Antwort. Vor Jahren hatte der französischen Physiker Dr. Max Sardou die Idee der GFK-Feder. Wobei im Entwicklungsprozess unter anderem komplizierte Faser-Strukturen und -Gelege eine bedeutende Rolle spielten. Gemeinsam mit dem in Mailand angesiedelten Zulieferer und Patentinhaber Sogefi Group brachte Audi die Schraubenfeder aus Faser-Kunststoff-Verbund zur Serienreife, schickte sie in die Testmarathons auf Prüfständen und auf Straßen, die das Leichtgewicht mit Bravour meisterte. Optisch unterscheidet sich die Glasfaser-Feder auch von der Stahlfeder. Der Kunststoff ist hellgrün gefärbt, ihr „Draht“, der Faserstrang, ist dicker als der einer Stahlfeder und der Gesamtdurchmesser bei geringerer Windungsanzahl ist etwas größer. Die neuartige Feder lässt sich exakt auf gewünschte Eigenschaften abstimmen. Sie ist unempfindlich gegen Umwelteinflüsse wie Korrosion, gegenüber Chemikalien wie Felgenreiniger und auch Steinschlag macht ihr nichts aus. Nicht zuletzt soll die Fertigung der GFK-Feder sehr viel weniger Energie verbrauchen, als die von Stahlfedern.

Die Innovation an entscheidender Stelle im Fahrwerkssystem hilft nicht nur Kraftstoffverbrauch zu senken, so Christoph Bayerlein aus der Audi-Entwicklung Federsysteme. „Sie ist auch zu spüren, weil zusätzlich die Fahrpräzision erhöht und der Schwingungskomfort verbessert wird.“

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