Suchen

Im Interview: Anja Bracht Automobiles Interieur: Adieu tristesse?

| Autor / Redakteur: Jens Meiners / Claus-Peter Köth

Das automobile Interieur unterliegt Wellenbewegungen. Nach den schrillen siebziger Jahren ist nun mit finsteren Innenräumen der entgegengesetzte Pol erreicht. Wie es weitergeht, weiß Anja Bracht, Lehrbeauftragte für Transportation Design an der Fachhochschule Pforzheim.

Firmen zum Thema

Anja Bracht: „Ich glaube, es wird zum Beispiel bei den Sitzen Revolutionen geben. Da wird nicht mehr alles zugepolstert und noch eine dicke Plastikschale dahintergesetzt, sondern es wird offener gearbeitet wie im Funktions- und Sportbereich.“
Anja Bracht: „Ich glaube, es wird zum Beispiel bei den Sitzen Revolutionen geben. Da wird nicht mehr alles zugepolstert und noch eine dicke Plastikschale dahintergesetzt, sondern es wird offener gearbeitet wie im Funktions- und Sportbereich.“
(Anja Bracht)

Frau Bracht, kommen wir jemals wieder weg von dem tristen Grau bis Schwarz unserer Interieurs?

Davon gehe ich sicher aus. Ich weiß nicht, warum die Industrie so zaghaft bleibt – in der Vergangenheit hat sich Mut meistens ausgezahlt. Ich glaube, dass der Kunde Farbe sehen will, und zwar wenn sie Teil eines schlüssigen Gesamtkonzepts ist.

Wie könnte so etwas aussehen?

Es wird Interieurs geben, die sich atmosphärisch verändern – etwa stimmungsbezogen oder abhängig von der Tageszeit. Der Wellenlängenbereich gibt da zwischen Ultraviolett und Infrarot sehr viel her. Wenn man viel Zeit im Fahrersitz verbringt, müssen auch Reize entstehen.

Momentan scheint Blau ein Comeback zu erleben.

Ja, Blau war im Auto lange Zeit nicht besonders angesagt. Durch die Elektrofahrzeuge kommt die Farbe jetzt wieder. Das ist ein wunderbares Beispiel für die thematischen Wellenbewegungen im Autodesign, mit neuen Impulsen. Eine Ursache ist die „saubere Luft – Elektroautowelle“, eine andere ist die Mode, hier zum Beispiel von Karl Lagerfeld.

Dann dürfen wir uns auch wieder auf hochflorige Velourssitze freuen?

Damit rechne ich beim heutigen Hygienedenken eher nicht. Die Stoffe der Zukunft werden sich stattdessen an Jacken und generell am Outdoorbereich orientieren. Der Kunde ist heute zwar vorkonditioniert auf dicke Aufpolsterungen und Verkleidungen. Aber im Grunde ist er offen für neue Lösungen.

(ID:33648900)