European Lithium Bergbaufirma will in Österreich Lithium fördern

Von Jens Rehberg

Auch in Europa liegen relevante Lithiumvorkommen unter der Erde. Die große Frage ist, ob sie rentabel abgebaut werden können. Ein kleines australisches Bergbau-Start-Up behauptet dies und will das Rennen um den ersten Förderstart unbedingt gewinnen.

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Erkundungsstollen in Wolfsberg.
Erkundungsstollen in Wolfsberg.
(Bild: European Lithium)

European Lithium will der erste regionale Lithiumlieferant in Europa werden. „Aus technischer Sicht“ könne 2024 mit der Förderung begonnen werden, sagte Unternehmenschef Dietrich Wanke auf Anfrage. Wanke plant, im österreichischen Wolfsberg (Kärnten) jährlich circa 800.000 Tonnen lithiumhaltiges Gestein abzubauen und daraus 11.000 Tonnen batteriefähiges Lithiumhydroxid zu gewinnen.

Zur Einordnung: Mit dieser Menge könnten theoretisch knapp eine Million E-Auto-Batterien mittlerer Kapazität hergestellt werden.

Dies könne sich aber nur bewerkstelligen lassen, wenn es zu keinen pandemiebedingten Verzögerungen käme – so sei man beispielsweise für die Fertigstellung der sogenannten endgültigen Machbarkeitsstudie im kommenden Jahr darauf angewiesen, dass Experten internationaler Partnerunternehmen nach Österreich zur Lagerstätte reisen könnten. Zudem müsste das Ergebnis der Studie positiv ausfallen.

Mindestens zehn Millionen Tonnen lithiumhaltiges Gestein

Die bisherigen laut European Lithium vielversprechenden Erkenntnisse lieferte eine Vorab-Machbarkeitsstudie. Demnach liegen gut 250 Kilometer südwestlich von Wien knapp 10 Millionen Tonnen lithiumhaltiges Gestein in der Erde. Zum Vergleich: Im deutschen Oberrheingraben werden 15 Millionen Tonnen lithiumhaltiges Tiefenwasser vermutet – das gilt bislang als das größte europäische Vorkommen dieses Rohstoffes.

Der Ausbeutung dieses Bodenschatzes hat sich aber bereits die ebenfalls aus Australien stammende Vulcan Energy verschrieben. Vulcan plant, ab 2026 genug Lithium aus dem Thermalwasser lösen zu können, dass es damit bereits bestehende Lieferverträge unter anderem mit Volkswagen, Stellantis und Renault ausreichend bedienen kann.

Diskussion um Wettbewerber

Daran bestehen allerdings Zweifel: Jüngst warfen Finanzberater von J Capital Research dem Unternehmen vor, das geplante Fördervolumen zu optimistisch dargestellt zu haben – Vulcan Energy schätze die Effektivität des Förderverfahrens zu hoch ein. Die Berater glauben nicht an die Rentabilität des Projektes. Diesem Urteil schlossen sich weitere Experten an. Mittlerweile ist Vulcan in Australien erfolgreich gerichtlich gegen den Bericht von J Capital Research vorgegangen.

Nichtsdestotrotz stehen die Genehmigungen für die in Baden geplanten Geothermie-Kraftwerke, die eine Schlüsselrolle im Lithium-Förderprozess spielen, noch aus.

Auch für European Lithium fehlt in Kärnten noch eine objektive Dokumentation des Projektpotenzials. Die endgültige Machbarkeitsstudie ist laut dem Bergbau-Start-Up bereits komplett vorfinanziert und soll die wirtschaftliche Umsetzbarkeit von Erschließung und Abbaubetrieb sowie die technische Planung der Lithium-Aufbereitung auf mehreren Tausend Seiten transparent machen.

Wie European-Lithium-Chef Dietrich Wanke betont, beziehen sich die bisherigen Angaben zum Wolfsberger Lithium-Vorkommen – zehn Millionen Tonnen lithiumhaltiges Gestein – auf den australischen Minenbewertungsstandard. In der erweiterten Abbauzone befinde sich nach Erkenntnissen aus Probebohrungen möglicherweise noch einmal dasselbe Rohstoffvolumen.

Weitere Projekte in der Ukraine

European-Lithium beschäftigt derzeit in Wolfsberg zehn Mitarbeiter. Das Unternehmen will den Personalstand in den kommenden Projektphasen sukzessive hochfahren – insbesondere zum Start der Weiterverarbeitung des gewonnenen Rohstoffes, die in der Abbauregion verortet werden soll. Jüngst hat Dietrich Wanke trotz des bewaffneten Konflikts in der Ukraine zwei zusätzliche Projekte in den Regionen Donezk und Kirovograd gestartet.

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