Umweltschutz Vögel, Bienen und Libellen: Biodiversität am Automobilwerk

Von Thomas Günnel Lesedauer: 4 min

Die Fabriken der Autohersteller sollen möglichst in jeder Hinsicht nachhaltig sein. Dass „Grün“ dabei mehr bedeutet als reine Effizienz, zeigt BMW in Dingolfing.

Biodiversität ist ein Teil grüner Fabriken. BMW zeigt am Standort Dingolfing, wie das aussehen kann.
Biodiversität ist ein Teil grüner Fabriken. BMW zeigt am Standort Dingolfing, wie das aussehen kann.
(Bild: Armin Weigel/BMW)

Vögel, Schmetterlinge, Heuschrecken, Bienen, Libellen: Biodiversität ist ein Teil nachhaltiger Fabriken. BMW hat seinen Werksverbund Dingolfing als Vorzeigeprojekt ausgewählt. Blühwiesen und Biotope anlegen, Dächer begrünen, Bienenvölker ansiedeln und Grünflächen schonend bewirtschaften: Was sich zunächst nicht nach Automobilbau anhört, ist eine Folge des Wunsches nachhaltiger Mobilität.

„Wir verstehen uns als Partner in der Region, der ökologisch und sozial Verantwortung übernimmt“, sagt Werkleiter Christoph Schröder. „Auch deshalb machen wir unser Werk nicht nur im übertragenen Sinn durch verbesserte Energieeinsparungen und Ressourcenschonung in der Fahrzeugproduktion immer grüner, sondern auch im wörtlichen Sinn, indem wir die biologische Vielfalt rund um unsere Fertigungshallen und Bürogebäude fördern.“

Begrünung kühlt und wärmt die Hallen

Im Frühling 2020 erhielt am Standort das erste Produktionsgebäude ein Gründach. Zur damals frisch angesäten 4.000 Quadratmeter großen Dachbegrünung sind bis heute viele weitere gekommen. Bis Ende 2023 werden es laut BMW insgesamt etwa 31.000 Quadratmeter begrünte Dachfläche sein. Floskelvergleich: Das sind etwa fünf Fußballfelder.

„Auf den naturnahen Extensivbegrünungen finden zum Beispiel Wildbienen, Schmetterlinge und Käfer Nahrung und Unterschlupf“, beschreibt BMW in einer Mitteilung. „Extensivbegrünung“ heißt: Die Grünfläche kann sich selbst erhalten und weiterentwickeln, ohne künstliche Bewässerung. Die mit krautigen und blühenden Sedumpflanzen begrünten Industriedächer wirken zusätzlich positiv auf die klimatischen Bedingungen in den Hallen darunter. Verdunstung kühlt im Sommer, bei niedrigen Außentemperaturen wirken die Gründächer wärmedämmend.

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Außerdem dient der Dachaufbau als Rückhaltespeicher: Niederschlagswasser wird aufgenommen und verzögert abgegeben. Auf dem Gelände sind so laut BMW weniger Versickerungsanlagen notwendig. Im Schnitt speichern die Gründächer 40 Liter Wasser pro Quadratmeter.

Blühstreifen und Obstbäume

Zusätzlich wandeln sich auf dem Werksgelände Grünflächen in Blühstreifen, es entstehen Biotope, Streuobstbäume werden gepflanzt. „Erst vor Kurzem wurden etwa im Werk 02.20 Grünflächen durch das Anlegen einer Streuobstwiese und einer Biotopfläche aufgewertet“, erläutert Irene Auburger, am Standort verantwortlich für die Biodiversität. Auf dem gesamten Standortgelände stehen derzeit gut 100 Obstbäume. Gepflanzt worden sind sie in den vergangenen zwei bis drei Jahren. Außerdem viele heimische Baumarten: Eichen, Buchen und Ahorne, Vogelkirschen und Weißdorne. Auf dem Gelände des Fahrzeugwerks stehen laut BMW über 1.000 Bäume.

Manche Aktionen zum Umweltschutz sind dabei Detailarbeit: Die Planer verringerten zum Beispiel die Mähfrequenz der Grünflächen. Sogenannter Magerrasen – Wiesen, die auch auf nährstoffarmen Böden wachsen – erlaubt es, dass die meisten Flächen nur zweimal im Jahr gemäht werden. Dies wiederum in zwei Abschnitten, um immer einen Lebensraum für Insekten zu erhalten. „Unser Ziel ist es, den Anteil der Blüh- und Grünflächen im Werk so weit wie möglich zu erhöhen. Demnächst setzen wir zum Beispiel autochthone, also heimische Wildhecken, damit unser Standort noch biodiverser wird“, sagt Irene Auburger.

Außerdem soll ein sogenannter Tiny Forest entstehen. Das ist ein sehr dicht bepflanzter, schnell wachsender Miniwald. Er soll in kurzer Zeit ein resilientes Ökosystem bilden, in dem Insekten, Vögel und kleine Säugetiere leben. Im Wald will BMW ausschließlich einheimische Gehölze pflanzen.

Eigene Bienen im Werk

Seit dem Jahr 2019 leben am Standort Dingolfing außerdem Bienen. Das Projekt geht zurück auf eine Idee des Imkers und BMW-Mitarbeiters Stefan Fleischmann. Er betreut die Tiere bis heute. „Momentan sind wir dabei, neue Bienenvölker anzusiedeln. Wir würden das Werk gern zur Heimat für eine Million Bienen machen“, sagt Fleischmann. Aktuell gibt es mehr als 20 Bienenstöcke im Dingolfinger Werkeverbund.

Künftig sollen „die Werksbienen“ nicht nur am Fahrzeugwerk fliegen, sondern auch an anderen Stellen, etwa dem Dynamikzentrum. Je zwei bis vier neue Bienenvölker sollen abseits des Fahrzeugwerks angesiedelt werden. Der Großteil bleibt laut BMW aber beim Fahrzeugwerk. Zwei neue sogenannte Bienenbeuten – die hölzernen Behausungen der Honigbienen – stehen in der Nähe des Verwaltungsgebäudes. Alle anderen in einem neuen Bienenwagen im Westen des Geländes.

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Den Wagen hat Stefan Fleischmann selbst aus- und umgebaut. Bis zu 30 Völker kann er beherbergen. Jedes Volk zählt je nach Jahreszeit zwischen 5.000 und 50.000 Tiere. „Als Bestäuber haben Bienen eine große ökologische Bedeutung. Deshalb ist es uns ein Anliegen, die Insekten zu schützen und zu unterstützen“, sagt Irene Auburger.

Reduzierte Außenbeleuchtung

Vorteilhaft für Insekten und Vögel und das Unternehmen BMW dürfte zudem das Reduzieren der Lichtemissionen am Standort sein. Im Werk in Wallersdorf gibt es jetzt 30 Prozent weniger nächtliche Beleuchtung während der Betriebszeit. Außerhalb der Betriebszeiten sind es sogar 90 Prozent. „Beleuchtet wird nur noch so wenig wie möglich und nur noch dann, wenn es zwingend erforderlich ist. Insekten und Vögel werden so nicht mehr durch zu viel Licht in der Dunkelheit in ihrem natürlichen Verhalten gestört“, teilt BMW mit.

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