Berylls und mm customer strategy Studie

Carsharing – der große Durchbruch steht noch bevor

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Marktpotential aktuell nur ansatzweise ausgeschöpft

Trotz des starken Wachstums deckt Carsharing den Berechnungen der Autoren zufolge aktuell weniger als 0,05 Prozent des gesamten Aufkommens von rund 120 Millionen täglichen Wegstrecken im motorisierten Individualverkehr. Die Ursachen sind zweierlei: Trotz der hohen Wachstumsraten entsprechen 1 Millionen Nutzer gerade einmal 1,7 Prozent der rund 60 Millionen Führerscheininhabern in Deutschland. Zum anderen stellt Carsharing selbst für die aktiven Nutzer nur einen Nebenaspekt in deren Mobilitätsmix dar.

Lediglich 30 Prozent der befragten Nutzer greifen mehrmals im Monat auf die Angebote zu und nur 6 Prozent nutzen Carsharing mehrmals pro Woche. Dabei zeigt die Studie, dass das Marktpotential enorm ist. 9 Prozent der Befragten halten heute einen Einstieg in den nächsten 24 Monaten für denkbar. Während Carsharing heute meist für Fahrten im Rahmen von sporadischen (z.B. Freizeit, Ausflüge) oder spontanen (z.B. Transport, Einkaufen) Anlässen genutzt wird, sind die Nutzer grundsätzlich auch an einer intensiveren Nutzung interessiert: 32 Prozent würden Carsharing auch für den Weg zur Arbeit in Betracht ziehen und 24 Prozent prognostizieren insgesamt eine Ausweitung der Nutzung.

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Der Potenzialentfaltung stehen jedoch starke Hindernisse entgegen. Zum einen sind die Angebote nicht ausreichend auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten. Das Gesamtpotenzial wirtschaftlich zu erschließen, erfordert zudem eine Vernetzung der heute weitgehend isolierten Geschäftsmodelle. Weiterhin sind die rechtlichen Rahmenbedingungen unzureichend. Insbesondere die Regularien der Parkraumbewirtschaftung limitieren die Anbieter und das geltende Straßenverkehrsrecht bietet den Kommunen nur eingeschränkten Gestaltungsspielraum. Letztlich sind jedoch auch hohe Investitionen mit einem langen Horizont erforderlich, um eine flächendeckendes Angebot zu entwickeln.

Mobilitätswandel „im großen Stil“ nur eine Frage der Zeit

Die Untersuchung charakterisiert Carsharing noch als Nischenphänomen, mit hohen operativen und strategischen Hürden. Trotzdem sind die Autoren überzeugt, dass in den nächsten 5-10 Jahren ein großer Durchbruch bevorsteht. „Die Angebote verdichten sich zunehmend und es treten weitere große Teilnehmer in den Markt ein. Spätestens das autonome Fahren wird den Mobilitätsdiensten und insbesondere dem Carsharing einen Wachstumsschub um Größenordnungen verpassen“, so der Mitautor der Studie Dr. Matthias Kempf, Partner bei Berylls Strategy Advisors. Darüber hinaus arbeiten bereits Anbieter wie Moovel (Daimler), Quixxit (Deutsche Bahn), Allryder oder Citymapper daran, die verschiedenen Angebote unter einer einheitlichen Plattform integrieren.

Gelänge es, 10 Prozent des motorisierten Individualverkehrs auf Carsharing zu verlagern, entspräche dies Schätzungen der Autoren zufolge einem Erlöspotential von über 35 Millarden Euro in Deutschland. Folgerichtig treten zunehmend Investoren auf den Plan, die in den letzten Jahren Milliardenbeträge in innovative Konzepte investieren. Auch Unternehmen wie Google und Amazon stoßen z.B. über Beteiligungen an Uber in diesen Bereich vor. „Damit die Rechnungen der Investoren aufgehen, muss sich der Markt der neuen Mobilitätskonzepte um einen Faktor 50-100 vervielfachen. Alle bis dato veröffentlichten Abschätzungen von Marktpotenzialen wären dann deutlich zu konservativ.“ So das Resümee von Dr. Kempf.

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