Suchen

Gastkommentar Coopetition: Zusammen statt gegeneinander

| Autor/ Redakteur: Simon Oberle* / Maximiliane Reichhardt

Moderne Technik macht die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen über traditionelle Grenzen hinweg nicht nur möglich – die Plattformökonomie und der Druck großer Anbieter macht sie auch nötig.

Firmen zum Thema

Die moderne Technik stellt Automobilhersteller vor neue Herausforderungen. Um sich diesen zu stellen, gründen einige Unternehmen Kooperationen – wie BMW und Daimler mit ihrer Entwicklungsallianz zum automatisierten Fahren.
Die moderne Technik stellt Automobilhersteller vor neue Herausforderungen. Um sich diesen zu stellen, gründen einige Unternehmen Kooperationen – wie BMW und Daimler mit ihrer Entwicklungsallianz zum automatisierten Fahren.
(Bild: Daimler)

Digitalisierung ist ein so umfassendes Konzept, dass es vermutlich kein Unternehmen allein schaffen wird, eine führende Position am Weltmarkt nachhaltig zu sichern. Deshalb ist es richtig, wenn sich zum Beispiel deutsche Automobilhersteller wie Daimler und BMW zu Joint Ventures zusammenschließen, um etwa den multimodalen Verkehr zu stärken oder die Ladezeit von Batterien zu verbessern. Ihre Gegner dabei sind nicht etwa General Motors, Ford oder Toyota, sondern Google und Apple oder chinesische Unternehmen wie Tencent und Alibaba. Die haben einen großen Vorsprung bei Software, Kundendaten und künstlicher Intelligenz.

Simon Oberle ist Head of Future Management Consulting & DigiLabs bei Sopra Steria Consulting.
Simon Oberle ist Head of Future Management Consulting & DigiLabs bei Sopra Steria Consulting.
(Bild: Sopra Steria Consulting)

Die Marktmacht der großen Internetunternehmen zeigt sich aber nicht nur in diesem „Vorsprung durch Technik“: Die Tech-Giganten gelten als risikofreudiger und sind – aufgrund ihrer ökonomischen Stärke – auch in der Lage, für ein Projekt ein paar Jahre auf Gewinne zu verzichten. Interessanterweise ist Coopetition aber nicht nur etwas für Industrieunternehmen mit dem Wunsch, dieser Marktmacht etwas entgegenzusetzen. Auch Cloud-Anbieter wie Microsoft oder Amazon setzen auf Allianzen – mit anderen Technologieanbietern, aber auch mit Partnern aus der Automobilindustrie wie BMW, Daimler oder Volkswagen, etwa für den Aufbau einer Automotive Cloud oder die Weiterentwicklung vernetzter Fahrzeug-Dienste.

Coopetition: Neuer Schwung durch die Digitalisierung

Coopetition erfährt in der digitalen Welt neuen Schwung – insbesondere bei der Entwicklung von Netzwerkdiensten oder Software, die zugleich die Basis für neue Geschäftsmodelle bilden. 42 Prozent der Unternehmen sehen ihre Zukunft als Service- und Plattformanbieter, ergibt die Studie „Branchenkompass Automotive“ von Sopra Steria Consulting. 39 Prozent der befragten Entscheider erwarten, dass der Automobilzulieferermarkt in fünf Jahren in seiner heutigen Form nicht mehr existieren wird, weil Verschleiß- und Ersatzteile in modernen Antrieben an Bedeutung verlieren.

Für Gartner-Analyst René Büst sind die Coopetition-Initiativen der jüngsten Zeit eine „Win-win-Situation“: Die Ankündigungen zeigten, „dass die Erfahrungswerte zweier Unternehmensgenerationen zusammenkommen. Amazon und Microsoft bringen die Digitalkompetenz mit, BMW und Volkswagen haben massive Erfahrungen mit Industrieumgebungen.“ Und ABB-Vorstandschef Ulrich Spiesshofer sekundiert: „Die IT-Konzerne haben die Digitalkompetenz, wir das industrielle Domänenwissen. Keiner von beiden kann die jeweils andere Kompetenz so schnell aufbauen, wie es die Digitalisierung in der Industrie eigentlich erfordern würde.

Die Win-win-Situation bezieht sich nicht nur auf die einzelnen Unternehmen. Die Frontlinie liegt auch nicht zwischen Industrie- und Technologieanbietern. Letztlich liegt sie zwischen digitalisierten und nicht digitalisierten Unternehmen. Wer seine Prozesse nicht durchgehend digitalisiert hat, wer also seine Organisation nicht flexibel und agil genug aufgestellt hat, wird seinen Platz in der Plattformökonomie und bei Coopetition-Initiativen auch nicht finden.

Simon Oberle ist Head of Future Management Consulting & DigiLabs bei Sopra Steria Consulting

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46140642)