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Neue Mobilität

Daimler und BMW verbünden sich zu fünf Mobilitätsmarken

| Autor: Svenja Gelowicz

Gemeinsam haben der BMW-Chef Harald Krüger und der scheidende Daimler-CEO Dieter Zetsche ihren Verbund von fünf Joint Ventures vorgestellt. Aus dem Zusammenschluss von Angeboten wie Drivenow, Car2Go oder Clever Taxi soll schnell ein globaler Champion für Mobilitätsdienste werden – mit einer Milliarde Euro im Rücken.

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Arbeiten von nun an im Bereich Mobilitätsdienste zusammen: BMW-Chef Harald Krüger (links) und Daimler-CEO Dieter Zetsche.
Arbeiten von nun an im Bereich Mobilitätsdienste zusammen: BMW-Chef Harald Krüger (links) und Daimler-CEO Dieter Zetsche.
(Bild: Daimler)

Ob nun „Frenemies“ oder „Enemies with Benefits“: Wenn aus Konkurrenten Partner werden, bemühen sich die Medien um passende Bilder. Daimler und BMW, um deren Zusammenschluss es in dem Fall geht, bemühen sich zur Auftaktpressekonferenz ihrer gemeinsamen Mobilitätsdienste in Berlin immerhin um ein passendes Ambiente: dunkelblaues Licht, Hocker statt Stühle, rundum große Bildschirme und Talkshow-Kulisse statt großem Podium.

Die Unternehmen haben heute (22. Februar) ihr Joint Venture zur Mobilität der Zukunft vorgestellt. Free-Floating-Angebote wie Car2Go und Drivenow verschmelzen mit zwölf weiteren Diensten. Heraus kommt allerdings nicht das Unternehmen „Jurbey“, wie zahlreiche Medien spekulierten, sondern fünf eigenständige Mobilitätsmarken mit einem Headquarter in Berlin:

  • Share Now (Carsharing)
  • Park Now (Parken)
  • Free Now (Ride-Hailing)
  • Charge Now (Laden)
  • Reach Now (Multimodalität)

BMW und Daimler wollen rasant wachsen

Mehr als eine Milliarde Euro stecken die Partner BMW und Daimler in ihre fünf Mobilitätsdienste, um gemeinsam zum größten Anbieter zu werden und rasant zu wachsen. Zum Beispiel im Bereich Carsharing: Laut einer jüngst veröffentlichten Studie des Bundesverbands Carsharing waren Anfang 2019 circa 2,46 Millionen Nutzer bei deutschen Diensten angemeldet. Die Größten waren schon zuvor Daimler und BMW – nun werden sie laut des Bundesverbands zum „mit Abstand größten Anbieter auf dem Markt“.

Und um genau diese Größe geht es. Über 60 Millionen aktive Nutzer haben die Premiumhersteller laut eigenen Angaben in allen Bereichen weltweit, vor allem in den Regionen Europa und Amerika – und ihre Anzahl soll rasant steigen. Denn der Wettbewerb im Bereich der Mobilitätsdienste ist riesig, viele Start-ups drängen in den Markt. Zum Beispiel kommen beim Carsharing klassische Verleihfirmen wie Sixt oder Angebote für Privatfahrzeuge wie die von Drivy oder Getaway hinzu. BMW-Chef Harald Krüger: „Man braucht die richtige Größe, muss rasch skalieren können. Wir wollen schnell wachsen.“ Daimler bringe viel Know-how zum Thema Ride-Hailing mit in die Zusammenarbeit, gerade mit Moovel habe man viel Expertise aufgebaut. BMW trage viel Wissen zu den Themen Laden und Parken bei. 1.000 Jobs sollen im Zuge der Fusion entstehen. Neben den bekannten Größen Drive Now, Car2Go oder Moovel bringen die Partner noch weitere Marken wie Reach Now, Mytaxi, Clever Taxi oder Parkmobile ein – insgesamt 14 Stück.

Der scheidende Daimler-Chef Dieter Zetsche sagt: „Wir werden weiterhin um jeden Kunden in Sachen Auto konkurrieren. Doch im Bereich Mobilitätsdienste konkurrieren wir gemeinsam gegen die restlichen Anbieter.“ Die digitale Welt sei eben anders. Das Kerngeschäft, Autos herstellen und verkaufen, mache man sich nicht kaputt, betont Zetsche. „Wir können den Wandel nicht ignorieren, wir wollen ihn mitgestalten und wir werden sehen, wie sich unsere Geschäftsmodelle entwickeln.“ Die Emotionen, welche die Premiumfahrzeuge der Hersteller bei den Nutzern auslösen würden, seien außerdem auch im Bereich der neuen Mobilitätsdienste ein großer Vorteil. „Das geht Hand in Hand“, sagt Krüger.

Was Daimler und BMW besser machen soll als die Wettbewerber

Denn dass gerade junge Menschen häufig kein Auto besitzen, sondern Mobilität erleben wollen, haben die OEMs längst verstanden. „Wir haben gemeinsam darüber diskutiert, wie wir unsere Stärken kombinieren können“, sagt Krüger über die Vorgespräche. Neben der schieren Größe und einigen Spezialbereichen wollen die Unternehmen mit ihren fünf unabhängigen Sparten das gesamte Feld neuer Mobilitätsdienste abdecken. Vom Auto über Lademöglichkeiten oder Parken hin zu den eigentlichen Mobilitätsdiensten: also Ride-Hailing, Carsharing und intermodale Services. So breit sei sonst kein Unternehmen aufgestellt, sagt Krüger. Damit könne man Städten ein Komplettangebot präsentieren. Und die werden wohl künftig tatsächlich eine immer wichtigere Rolle spielen.

Ein weiterer Riesen-Vorteil sind die bestehenden Herstellermarken der Partner. „Man vertraut uns, dass wir sichere Autos bauen“, sagt Zetsche, dadurch gewinne man auch das Vertrauen der Nutzer, dass man deren Daten sicher behandele. „Diese Vertrauensbasis haben unsere Wettbewerber nicht. Die ist aber sehr wichtig.“

Start-up-Spirit in den Marken

Die fünf Marken sollen eigenständig arbeiten und schnell profitabel werden. Konkrete Zahlen nannten die Automobilhersteller nicht. Erstmal müssten die Business-Pläne der jeweiligen CEOs stehen, dann werde man auch über Zukäufe sprechen. Die Managementspitze will nur einen Rahmen schaffen und die Finanzkraft, in das Geschäft selbst aber nicht eingreifen. Krüger sagt, die Joint Ventures hätten jegliche Freiheit: BMW und Daimler als Konzerne seien schlicht zu langsam, um die neuen Unternehmen zu steuern.

Das sind die neuen Sparten und ihre Manager im Überblick:

  • Share Now (Carsharing): Das bekannte Modell ist ganz einfach: Kunden mieten und bezahlen Fahrzeuge per Smartphone. Das Angebot an Fahrzeugen wollen die Partner vergrößern und mehr Optionen in der Modellpalette anbieten. Insgesamt biete Share Now über mehr als vier Millionen Kunden, die 20.000 Fahrzeuge in 31 internationalen Metropolen nutzen. Chef der Sparte wird Olivier Reppert, CFO Stefan Glebke.
  • Park Now (Parken): Der Parkdienst will Parken am Straßenrand und in Parkhäusern vereinfachen. Nutzer können beispielsweise Parkplätze reservieren, die Dauer steuern, Parkhäuser ticketlos befahren und bargeldlos Gebühren bezahlen. Die Sparte wendet sich auch an Städte und Kommunen, um den Parksuchverkehr zu reduzieren. Jörg Reimann wird CEO, Thomas Menzel fungiert als CFO.
  • Charge Now (Laden): Mangelhafte Ladeinfrastruktur ist ein großer Hemmschuh der Elektromobilität. Charge Now ist ein neuer Service der Digital Solutions GmbH und will E-Auto-Fahrern ermöglichen, öffentliche Ladestationen einfach zu finden, zu nutzen und zu bezahlen – mit über 100.000 Ladepunkte in 25 Ländern. Dieser Whitelabel-Service stehe auch OEMs und Flottenbetreibern zur Verfügung, die Führungsspitze ist die gleiche wie von Park Now.
  • Free Now (Ride-Hailing): Der Ride-Hailing-Dienst bietet unterschiedliche Mobilitätsdienste an, beispielsweise können sich Kunden Taxi, Mietwagen samt Fahrer oder E-Tretroller bestellen. Über 21 Millionen Kunden weltweit nutzten bereits die die Dienste. CEO wird Marc Berg, CFO Sebastian Hofelich.
  • Reach Now (Multimodalität): Dank einer multimodalen Mobilitätsplattform können Nutzer – laut der Unternehmen aktuell mehr als 6,7 Millionen – über Apps beispielsweise Nahverkehrstickets buchen und bezahlen und Mobilitätsdienste wie Carsharing, Ride-Hailing oder Leihräder buchen. CEO wird Daniela Gerd tom Markotten, Johannes Prantl wird CFO.

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